20.11.2024 (€) – Die Abschlusskostenquote (in Relation zur Beitragssumme des Neugeschäfts) der deutschen Lebensversicherer ist im Geschäftsjahr 2023 leicht gesunken (minus 0,2 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent). Die Mylife schnitt laut dem Map-Report 936 mit unter 0,3 Prozent am besten ab. Die Credit Life verzeichnete den höchsten Wert (33,2 Prozent).
Im vergangenen Jahr ist die Abschlusskostenquote der deutschen Lebensversicherer (Abschlussaufwendungen brutto in Prozent der Beitragssumme des Neugeschäfts) von 4,7 auf 4,5 Prozent gesunken.
Dies ist dem Anfang November erschienenen Map-Report Nummer 936 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2023“ (5.11.2024) zu entnehmen. Im Jahr zuvor war es noch von 4,5 auf 4,7 Prozent nach oben gegangen (13.11.2023).
| Nach Angaben der Map-Report-Redaktion misst die Quote, „wie viel die Gesellschaft im Verhältnis zur Summe der Beiträge, die sie im Laufe der Jahre erhält, für den Verkauf der Policen ausgibt. Nicht nur an Provisionen, sondern mit allen Kosten des Verkaufsapparats. Die Kennzahl wird beeinflusst von der Neugeschäftsentwicklung und der Vertriebsstruktur, damit also auch von der Beratungs- und Betreuungsintensität bei Vertragsabschluss. Auch die Struktur des Neugeschäfts wirkt sich auf den Abschlusskostensatz aus.“ Laut Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages wird die Quote bei einem hohen Anteil an Kollektivversicherung am Neuzugang niedriger ausfallen als etwa bei einem hohen Anteil entsprechender Einzelversicherungen am Neuzugang. Zudem werde als Folge des LVRG tendenziell ein immer größerer Anteil der Abschlussprovisionen auf die gesamte Laufzeit verteilt. Dies könne zur Folge haben, dass der Aufwand für einen Vertragsabschluss teilweise erst in den Folgejahren verrechnet werde. „Der Zähler des Abschlusskostensatzes ist in diesem Fall keine reine Neugeschäftsgröße mehr. Dadurch wird die Aussagekraft der Quote beeinträchtigt“, stellt Klages im Begleittext des aktuellen Heftes heraus. |
| Quelle: Map-Report 936 |
Die Lebensversicherer mit den niedrigsten Quoten
Die 78 im Map-Report aufgeführten Lebensversicherungsgesellschaften weisen Abschlusskostensätze zwischen 0,2 und mehr als 33 Prozent aus. Keine Daten liegen vor von der Dortmunder Lebensversicherung AG sowie von den Run-off-Gesellschaften Entis Lebensversicherung AG, Heidelberger Lebensversicherung AG, Proxalto Lebensversicherung AG und Skandia Lebensversicherung AG vor.
Auf den niedrigsten Wert kommt, wie in den Jahren zuvor (29.11.2021, 9.12.2020, 7.10.2019), die auf Nettopolicen spezialisierte Mylife Lebensversicherung AG mit nicht einmal 0,3 Prozent. An zweiter Stelle liegt unverändert die Run-off-Gesellschaft Athora Lebensversicherung AG (1,4 Prozent).
Auf den weiteren Plätzen
Die Positionen drei bis sechs belegen mit Quoten von unter drei Prozent die Inter Lebensversicherung AG, die Hansemerkur Lebensversicherung AG und in ihrem letzten Geschäftsjahr (4.9.2024) die Barmenia Lebensversicherung a.G.
Dahinter folgen mit jeweils unter 3,5 Prozent die LVM Lebensversicherungs-AG, die Huk-Coburg-Lebensversicherung AG und der DEVK Deutsche Eisenbahn Versicherung Lebensversicherungsverein a.G.
Nur bei der Mylife stieg die Quote minimal an. Die übrigen sieben letztgenannten Akteure konnten den Abschlusskostensatz senken – in der Spitze um knapp 0,4 Prozentpunkte (DEVK).
Credit Life mit dem höchsten Abschlusskostensatz
Für insgesamt zehn Marktteilnehmer werden Quoten mit einer Drei vor dem Komma ausgewiesen. Bei 24 Anbietern steht eine Vier vor dem Komma. 19 Akteure liegen zwischen 5,0 und unter sechs Prozent. Weitere 15 Anbieter kommen auf Werte von sechs Prozent und höher. Drei davon liegen sogar im zweistelligen Bereich.
Der höchste Abschlusskostensatz steht unverändert für den Restschuld- und Biometrie-Anbieter Credit Life AG zu Buche. Aktuell sind es 33,2 Prozent, das sind etwa drei Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor.
Den kräftigen Anstieg um 15 Prozentpunkte im Jahr zuvor hatte das Unternehmen im Geschäftsbericht 2022 (PDF, 812 KB) wie folgt begründet: „Der Anstieg der Abschlusskostenquote ist in dem zurückgehenden Neugeschäftsvolumen in Verbindung mit Fixkosten zu begründen.“
Quoten zwischen zehn und acht Prozent
Werte von elf bis neun zehn Prozent werden für die beiden Biometrie-Spezialisten Deutsche Lebensversicherungs-AG (DLVAG) und Delta Direkt Lebensversicherung AG sowie die Run-off-Gesellschaften Victoria Lebensversicherung AG und Ager Lebensversicherung AG (21.6.2023) ausgewiesen.
Auf vergleichsweise hohe Abschlusskostensätze von jeweils über sieben Prozent kamen die hauptsächlich im Biometrie-Geschäft aktive Dialog Lebensversicherungs-AG, die inzwischen ins Neugeschäft zurückgekehrte BY die Bayerische Vorsorge Lebensversicherung a.G. (5.6.2024), die Condor Lebensversicherungs-AG und die Provinzial Lebensversicherung Hannover (VGH).
Die Unternehmen mit den deutlichsten Veränderungen
Wie aus dem Map-Report-Zahlenmaterial weiter hervorgeht, konnten 46 Akteure ihren Abschlusskostensatz senken. 25 Unternehmen gelang dies nicht. Zu den Anbietern mit deutlich gestiegenen Quoten gehören neben der Credit Life auch die Delta Direkt und die Interrisk Lebensversicherungs-AG Vienna Insurance Group (jeweils plus 1,3 Prozentpunkte).
Um mehr als einen Prozentpunkt verbessert haben sich andererseits die LPV Lebensversicherung AG und die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG. Bei Letzterer ist zu berücksichtigen, dass für den geplanten Verkauf eines Teilbestands an Klassikpolicen an die Viridium-Gruppe rund 700.000 Verträge auf die Zurich Life Legacy Versicherung AG (Deutschland) übertragen wurden (14.9.2023, 24.6.2022, 14.2.2022).
Ende Januar wurde bekannt, dass der Deal nicht zustande kommt (30.1.2024). Für die Zurich Life Legacy wird eine Abschlusskostenquote von 6,0 Prozent aufgeführt.
Wie sich die Branchenschwergewichte mit mehr als 1,7 Milliarden Euro Umsatz geschlagen haben, hat die Redaktion in einem separaten Artikel zusammengestellt (20.11.2024).
Map-Report: Bezugsmöglichkeit
Der Map-Report Nummer 936 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2023“ ist bei der Franke und Bornberg GmbH erschienen. Er enthält auf 195 Seiten neben den detaillierten Ratingergebnissen auch Übersichten zu insgesamt rund zwei Dutzend Bilanzkennzahlen (Geschäftsjahr 2023) von bis zu 78 Anbietern.
Hierzu gehören neben den Abschlusskosten – auch die Verwaltungskostenquoten (12.11.2024, 12.11.2024) sowie der Vertragsbestand (18.11.2024, 18.11.2024, 7.11.2024). Das Heft ist als E-Paper ab 495 Euro netto über die Bestellseite von Franke und Bornberg erhältlich.






