Wenn ein Angestellter eigenmächtig seinen Urlaub antritt

12.7.2018 – Erhält ein Beschäftigter eine Reise geschenkt, welche kurzfristig angetreten werden muss, so kann er seinen Arbeitsplatz verlieren, wenn er das Geschenk annimmt, ohne seinen Arbeitgeber rechtzeitig um Erlaubnis gefragt zu haben. Das geht aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 10. Juli 2018 hervor (8 Sa 87/18).

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Die Klägerin war für ihren Arbeitgeber als Managerin mit Tätigkeiten im Controlling tätig. Sie absolvierte berufsbegleitend ein Masterstudium zur Betriebswirtschaft, das sie am Mittwoch, den 21. Juni 2017 erfolgreich abeschlossen hat.

Spontan-Urlaub

In Zusammenhang mit der Prüfung hatte die Frau ihren Arbeitgeber für den Donnerstag und Freitag um zwei Tage Urlaub gebeten, der ihr auch gewährt worden ist. Die Klägerin erschien jedoch auch am darauf folgenden Montag nicht im Büro.

Sie schickte ihrem Vorgesetzten an diesem Tag stattdessen um 12.04 Uhr eine E-Mail, mit dem Betreff „Spontan-Urlaub“. Darin teilte sie ihm mit, dass sie von ihrem Vater wegen der bestandenen Prüfung mit einer Mallorca-Reise überrascht worden sei. In der Eile und Euphorie des Augenblicks habe sie keine Möglichkeit gehabt, ihre Abwesenheit im EDV-System des Unternehmens zu vermerken.

Sie werde in der Zeit vom 26. bis 30. Juni nicht zur Arbeit erscheinen und bat um eine kurze Rückmeldung. Gleichzeitig entschuldigte sich die Klägerin für die „Überrumpelung“. Fünf Stunden später teilte ihr ihr Vorgesetzter ebenfalls per E-Mail mit, dass ihre Anwesenheit aus dringenden betrieblichen Gründen erforderlich sei. Urlaub könne ihr daher allenfalls für den Freitag der laufenden Woche sowie am Montag und Dienstag darauf gewährt werden.

Abmahnung statt Kündigung?

Am Vormittag des nächsten Tages teilte die Klägerin ihrem Vorgesetzten mit, dass sie unmöglich kurzfristig ins Büro kommen könne. Denn sie befinde sich bereits seit dem Wochenende auf Mallorca. Als die Klägerin auch am darauf folgenden Montag nicht zum Dienst erschien, platzte ihrem Arbeitgeber der Kragen. Nach Anhörung des Betriebsrats kündigte er das Arbeitsverhältnis fristgerecht zum 31. August 2017.

Die Klägerin reichte daraufhin eine Kündigungsschutzklage ein. Die begründete sie unter anderem damit, dass angesichts der besonderen Umstände allenfalls eine Abmahnung, nicht aber eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses gerechtfertigt gewesen wäre.

Dieser Argumentation wollten sich die Richter des Düsseldorfer Landesarbeitsgerichts nicht anschließen. Sie wiesen die Klage als unbegründet zurück.

Beharrliche Verletzung vertraglicher Pflichten

Nach Ansicht der Richter hat die Klägerin spätestens mit ihrer E-Mail vom Dienstag, den 27. Juni 2017, zu erkennen gegeben, dass sie an ihrem eigenmächtig genommenen Urlaub festhalten und nicht zur Arbeit erscheinen werde. Sie habe damit ihre vertragliche Pflicht zur Arbeit beharrlich verletzt.

Dass ihr Vorgesetzter der kurzfristigen Verlängerung ihres bis Freitag gewährten Urlaubs zugestimmt habe, habe die Klägerin nicht bewiesen. Angesichts dieser Umstände hielten die Richter eine Abmahnung anstatt einer Kündigung für nicht gerechtfertigt. Denn ihr Arbeitgeber sei durchaus dazu berechtigt gewesen, sie auch fristlos zu entlassen.

Die Klägerin ist trotz allem mit einem blauen Auge davon gekommen. Ihr Arbeitgeber hielt zwar an der Kündigung fest. Er zahlte ihr jedoch eine Abfindung in Höhe von 4.000 Euro. Das entsprach einem knappen Monatsgehalt.

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