Behandlungsfehler werden als individuelles Versagen gesehen

25.8.2026 – Die festgestellte Fehlerquote bei Ärzten ist indes extrem niedrig. Bei Ärzten geht es im Ernstfall um Leben und Tod. Weil dieser Berufsgruppe eine enorme Verantwortung für Menschenleben übertragen ist, wird ihr maximaler Respekt und Ansehen entgegengebracht.

Auch ist bekannt, dass bei Ärzten trotz größter Sorgfalt tragische Fehler und Komplikationen vorkommen können. Da sie aber streng kontrolliert werden, bleibt ihr Ansehen bestehen.

Beim Versicherungsvermittler wiegt die Wahrnehmung von Fehlern weit schwerer. Wird der Kunde falsch beraten, hat das oft existenzielle, wenn auch nur finanzielle Folgen im Schadensfall. Da seine Fehler aber oft nicht als menschliches Versehen, sondern als Vorsatz oder Inkompetenz zur Gewinnmaximierung interpretiert werden, zerstören sie das Ansehen nachhaltig. Damit sinkt das gefühlte Ansehen des Berufes.

Gerade weil Arztfehler statt nur finanzieller Nachteile große Folgen für Leben und Gesundheit haben und Ärzte sich in einem streng regulierten Verfahren, in dem hohe Ansprüche an ihre Qualifikation und Berufsausübung gestellt werden, dafür verantworten müssen, steigt ihr Ansehen. Bei direkt betroffenen Patienten sinkt das Ansehen des konkreten Arztes in der Regel. Das Ansehen der gesamten Berufsgruppe bleibt aber hoch.

Behandlungsfehler werden als individuelles Versagen eines einzelnen Arztes gesehen. Beim Versicherungsvermittler indes werden Fehler als systemimmanente Absicht (Gier) interpretiert. Da Patienten zudem zwingend auf die Kompetenz von Ärzten angewiesen sind, wirkt ein psychologischer Schutzmechanismus: Sie wollen und müssen dem Berufsstand vertrauen, um sich überhaupt behandeln lassen zu können.

Peter Schramm

info@pkv-gutachter.de

zum Leserbrief: Angesprochene Berufsgruppe auf Platz 4 der angesehensten Berufe

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