Weit mehr als vier Millionen Pflegebedürftige in 2035

14.9.2018 – Nach einem aktuellen Report des Instituts der deutschen Wirtschaft werden im Jahr 2035 etwa vier Millionen Personen pflegebedürftig sein. Bei einer genauen Analyse des Reports zeigt sich jedoch, dass voraussichtlich – nicht zuletzt aufgrund der geänderten Rechtslage unter anderem hinsichtlich des Pflegebedürftigkeits-Begriff – mit einer weitaus höheren Zahl an Pflegebedürftigen zu rechnen ist. So ist die Anzahl der Pflegebedürftigen schon in 2017 nach Daten des Bundesministeriums für Gesundheit annähernd so hoch gewesen, wie der Report es erst für 2025 angibt.

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Auszug aus dem IW-Report (Bild: IW)
Entwicklung der Pflegefallzahlen. Zum Vergrößern Bild
klicken (Bild: IW)

Nach einer aktuellen Simulationsrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) würde hierzulande die Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2025 voraussichtlich auf knapp 3,54 Millionen Personen steigen, wenn sich am Gesundheitszustand der Bevölkerung nichts ändert. In 2035 wären es bereits fast 4,05 Millionen Pflegebedürftige.

Gegenüber 2015 wäre das in 2035 ein Anstieg um fast 33 Prozent, wie aus dem am 10. September 2018 dazu veröffentlichten IW-Report „Die Entwicklung der Pflegefallzahlen in den Bundesländern – Eine Simulation bis 2035“, der von zahlreichen Medien bereits aufgegriffen wurde, hervorgeht.

Unterschiedlicher Anstieg in den Bundesländern

In neun der 16 Bundesländer würde laut Studie der Anstieg bei der Zahl der Pflegebedürftigen von 2015 bis 2035 sogar noch höher ausfallen. Der höchste Zuwachs ergäbe sich in Bayern mit fast 40 Prozent, der niedrigste in Berlin mit knapp 14 Prozent.

Als Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungen in den Bundesländern nennt die Studienautorin des Reports, Susanna Kochskämper, unter anderem voraussichtliche Zu- und Abwanderungen und unterschiedliche Altersstrukturen der Bevölkerung in den einzelnen Bundesländern.

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Unterschätzte Entwicklung

Laut Report war die Datengrundlage für die Simulationsrechnung unter anderem die „Pflegestatistik 2015“, welche 2017 vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlicht worden ist. Im Report wurden für 2015 knapp 3,05 Millionen Pflegebedürftige zugrunde gelegt – und zwar inklusive über 180.000 Personen, die erheblich in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt, aber aufgrund des damaligen Pflegebedürftigkeits-Begriffs nicht in eine Pflegestufe zugeordnet waren.

Betrachtet man jedoch die Grundlage der Simulationsrechnung für den Report, muss man damit rechnen, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen deutlich höher sein wird als die für 2035 ermittelten knapp 4,05 Millionen Personen. Kochskämper hat im Report wie folgt darauf hingewiesen: „Wahrscheinlich ist die hier simulierte Entwicklung jedoch unterschätzt“.

Unterschätzte Entwicklung

Die Studienautorin hat auf Anfrage des VersicherungsJournals bestätigt, dass nicht nur die Daten von 2015 bei der Simulationsrechnung herangezogen wurden. Es wurde zudem auch die Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2035 auf der Gesetzeslage von 2015 und damit auf einem Pflegebedürftigkeits-Begriff, wie er bis 2017 galt, hochgerechnet. Die ab 2017 geltenden Änderungen in der gesetzlichen Pflegeversicherung (VersicherungsJournal 23.12.2016) sind in den Report also nicht eingeflossen.

BMG-Statistik (Bild: BMG)
Auszug aus einer aktuellen Statistik des BMG. Zum
Vergrößern Bild klicken (Bild: BMG)

Allein von 2016 zu 2017 gab es jedoch eine Steigerung von rund 19 Prozent bei der Anzahl der Pflegebedürftigen, die Leistungen von der gesetzlichen Pflegeversicherung erhielten. Dies resultierte etwa aus der Änderung des Pflegebedürftigkeits-Begriffs und der geänderten Pflegeeinstufung. So geht es aus den veröffentlichten Statistiken des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) wie den aktuellen „Zahlen und Fakten zur Pflegeversicherung“ hervor.

Bereits jetzt sind die Zahlen des Reports überholt

Während 2016 noch circa 2,93 Millionen Pflegebedürftige Leistungen von der sozialen Pflegeversicherung (SPV) oder der privaten Pflegepflicht-Versicherung (PPV) bezogen, waren es in 2017 bereits über 3,49 Millionen.

Damit gab es laut der BMG-Statistiken bereits 2017 fast so viele Pflegebedürftige wie die IW-Studie erst für 2025 mit rund 3,54 Millionen Pflegebedürftigen hochgerechnet hat.

Von 2012 bis 2016 lag der Anstieg der Pflegebedürftigen, die Leistungen von der gesetzlichen Pflegeversicherung erhalten haben, wenn man die BMG-Statistiken heranzieht, pro Jahr etwa zwischen drei und vier Prozent. Wenn man nur eine Steigerung von jährlich drei Prozent annimmt und als Basis die Daten von 2017 heranzieht, wären es in 2035 bereits rund sechs Millionen Pflegebedürftige.

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Gesundheitsreform · Pflegeversicherung
 
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