Wo Krankenversicherten besonders der Schuh drückt

13.6.2018 – Im vergangenen Jahr hat die Unabhängige Patientenberatung Deutschland knapp 155.000 Beratungsgespräche zu Problemen von Patienten durchgeführt. Das zeigt der jetzt vorgelegte „Patientenmonitor 2017“. Besonders häufig ging es um rechtliche Fragestellungen, insbesondere um Leistungsansprüche gegenüber Kostenträgern. Moniert werden vor allem Kommunikationsdefizite bei den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen.

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Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat am Dienstag ihren „Monitor Patientenberatung 2017“ vorgelegt. Mit der Publikation gibt die UPD einmal im Jahr Hinweise auf verschiedene Problemlagen im deutschen Gesundheitswesen an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung – dies ist aktuell Dr. Ralf Brauksiepe – weiter.

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Seit 2006 berät die Unabhängige Patientenberatung Deutschland – Träger ist von 2016 bis 2023 die UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – neutral und kostenlos Patienten und Angehörige in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen (VersicherungsJournal 18.4.2006).

Sie handelt dabei gemäß § 65b SGB V „mit dem Ziel, die Patientenorientierung im Gesundheitswesen zu stärken und Problemlagen im Gesundheitssystem aufzuzeigen.“ Dabei ist es unerheblich, ob die Patienten gesetzlich oder privat krankenversichert sind. Die UPD wird gefördert vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband).

Der gesetzliche Auftrag umfasst nach Angaben der UPD neben der individuellen Beratung auch die Rückmeldung zu Problemlagen an die Politik und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen.

Etwa 155.000 Beratungen

Der Monitor beruht auf der Auswertung der Dokumentation von rund 155.000 Beratungen, die die UPD im vergangenen Jahr durchgeführt hat. Dies entspricht einem Zuwachs um etwa zwei Drittel im Vergleich zum Jahr zuvor.

„Die Tatsache, dass wir so viele Menschen erreichen konnten, zeigt, dass sich unser Konzept mit Fokussierung auf Bürgernähe, gute Erreichbarkeit und qualifizierte Beratung bewährt“, lässt sich UPD-Geschäftsführer Thorben Krummwiede in dem Patientenmonitor zitieren.

In etwa zwei von drei Beratungen entfielen auf die rechtliche Beratung, jeweils rund ein Sechstel betraf medizinische (inklusive psychosoziale) beziehungsweise allgemeine Fragestellungen.

Mit knapp 88 Prozent fand der Löwenanteil der Beratungsgespräche via Telefon statt. Jeweils rund jedes 17. Gespräch wurde persönlich oder online geführt. Nur in jedem 200. Fall fand die Beratung schriftlich statt.

Problemfeld Leistungsansprüche gegenüber Kostenträgern

In fast der Hälfte der rechtlichen Beratungen ging es um Leistungsansprüche gegenüber Kostenträgern, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht. Dahinter folgen die Themenbereiche Patientenrechte, Mitgliedschaft und Beiträge, Verdacht auf Behandlungsfehler und Vorsorgedokumente.

UPD Beratungsschwerpunkte (Bild: Wichert)

Bei den Leistungsansprüchen gegenüber Kostenträgern berichtet die UPD in dem Monitor von zum Teil gravierenden Kommunikationsdefiziten der Kostenträger im Umgang mit Patienten und Versicherten.

Kritik an der Praxis der Kranken- und Pflegekassen

„In der Kommunikation der Kostenträger, die gesetzlich zur Auskunft und Information der Versicherten verpflichtet sind, beobachtet die Patientenberatung allgemein mit Sorge, dass insbesondere Zwischeninformationen für Versicherte wie echte Entscheidungen wirken und sie sich von den Kassen dazu gedrängt fühlen, die ihnen zustehenden Rechte einer Überprüfung ihrer Ansprüche auf dem Verwaltungsweg nicht auszuschöpfen“, wird hervorgehoben.

So seien sich die Ratsuchenden regelmäßig nicht der Konsequenzen bewusst, die eine vorschnelle Rücknahme ihres Antrages oder ihres Widerspruches nach sich ziehe. Denn durch die Rücknahme müsse die Krankenkasse nicht mehr entscheiden – und der weitere Verwaltungsrechtsweg sei dann ausgeschlossen.

Für die Versicherten bedeute eine Rücknahme darüber hinaus, dass sie den spezifischen Fall nicht mehr von einem Gericht überprüfen lassen könnten. Hintergrund: Der Verwaltungsrechtsweg ist die Voraussetzung für die Inanspruchnahme eines gerichtlichen Verfahrens.

„Die von den Ratsuchenden geschilderte Praxis einer verkürzten oder komplett fehlenden Darstellung der Rechte der Versicherten steht nicht im Einklang mit den Aufgaben der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen“, wird in dem Patientenmonitor kritisiert.

Viele Probleme beim Thema Krankengeld

Eine besonders starke Rolle nahmen im vergangenen Jahr laut UPD auch Gespräche zum Krankengeld ein, deren Zahl um über 40 Prozent auf 14.334 Beratungen zunahm. Hier ging es in erster Linie – in mehr als jedem vierten Fall – um allgemeine beziehungsweise übergreifende Informationen, in denen die Berater häufig schnell und gezielt weiterhelfen konnten.

Viele Hinweise auf wenig patientenorientierte Verhaltensweisen und intensiven Beratungsbedarf habe es darüber hinaus auch gegeben bei den drei Themenfeldern

  • „sozialmedizinischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit“ (wie etwa überraschende Gesundschreibung durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) nach Aktenlage),
  • „Wegfall des Krankengeldanspruches wegen einer Lücke in den Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen“ sowie
  • „Dauer, Aussteuerung und Aufforderung zum Reha-Antrag“.

Die Vorgehensweisen der Institutionen in den vorgenannten Bereichen wurden den Schilderungen der Ratsuchenden zufolge oft als belastend erlebt und nicht selten von einer wenig einfühlsamen Kommunikation begleitet – auch wenn meistens korrekt nach Gesetzlage entschieden wurde.

Verdachtsfälle von Behandlungsfehlern

Gesonderter Raum wird im Patientenmonitor auch den Verdachtsfällen auf Behandlungsfehler eingeräumt. Zu diesem Thema haben MDK und MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.) kürzlich ihre „Jahresstatistik 2017: Behandlungsfehler-Begutachtung der MDK-Gemeinschaft“ vorgelegt (VersicherungsJournal 6.6.2018).

Laut dem Monitor ging es den Ratsuchenden um ihre Unzufriedenheit mit dem Ergebnis und Heilungsverlauf, um fehlende und unzureichende Kommunikation bis hin zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen in Folge einer Behandlung und Schwierigkeiten der Beweisführung.

Viele Ratsuchenden hätten sich in einer sehr belastenden Lebenssituation hilflos und alleine gelassen gefühlt und hätten die Unterstützung und das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder Mitarbeitern des Krankenhauses vermisst. „Dabei erscheint eine konstruktive und offene Kommunikation gerade in dieser Situation als ein zentrales Instrument des Patientenwohls besonders wünschenswert“, heißt es in dem Bericht.

Die UPD-Berater haben auch fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten (Patientenrechtegesetz – PDF, 80 KB) weiterhin die Erfahrung gemacht, dass Einsichtsrechte in die Patientenakte längst nicht immer, wie gesetzlich gefordert, gewährt würden. Weitere Details können im „Monitor Patientenberatung 2017“ (PDF, 5,5 MB) nachgelesen werden.

Patientenbeauftragter will für Verbesserungen sorgen

Ralf Brauksiepe (Bild: BMG/Schinkel)
Ralf Brauksiepe (Bild: BMG/Schinkel)

„Deutschlands Gesundheitssystem muss noch patientenorientierter werden“, so das Fazit der unabhängigen Patientenberatung.

Der Patientenbeauftragte Brauklage will die geschilderten Problemlagen als Anstoß für konkrete Verbesserungen nehmen. Dabei will er auch das Thema Beweiserleichterung für Betroffene von Behandlungsfehlern angehen.

„Nach einer Bestandsaufnahme der ableitbaren Verbesserungen werde ich im Herbst den Monitor der Unabhängigen Patientenberatung wieder auf die Agenda setzen.

Dann werden hoffentlich alle, die im Monitor angesprochen werden, konkrete Lösungsvorschläge präsentieren können“, so der Patientenbeauftragte der Bundesregierung.

 
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