Gothaer legt den Schalter auf Wachstum um

16.5.2018 – Der Gothaer-Konzern gibt sich für 2018 „sehr optimistisch“. Aus dem Umbau werden nun die ersten Früchte geerntet. Im Wesentlichen wurden in der Bilanzpressekonferenz die im Dezember für 2017 vorgelegten vorläufigen Geschäftszahlen bestätigt.

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„Wir gehen sehr optimistisch in das Jahr 2018“, sagte Gothaer-Chef Dr. Karsten Eichmann gestern in der Bilanzpressekonferenz.

Getragen von Komposit und Kranken wuchs der die Versicherungsgruppe 2017 um 0,3 Prozent auf 4,43 Milliarden Euro Bruttobeitrag und erzielte 165 (156) Millionen Euro Jahresüberschuss. Dies entspricht in etwa der im Dezember dargelegten Prognose für die Geschäftszahlen 2017 (VersicherungsJournal 13.12.2017).

Gothaer-Vorstand bei der Bilanzpressekonferenz (Bild: Lier)
Gothaer-Vorstand bei der Bilanzpressekonferenz (Bild: Lier)

Mehr Marktnähe

Laut Eichmann wurde 2017 „strukturell viel geändert“. Unter dem Schlagwort „Gothaer goes agile“ wird der gesamte Konzern umgebaut. Das soll nicht nur mehr Marktnähe und eine schnellere Anpassungsfähigkeit für Veränderungen schaffen, sondern auch die Kostenquoten bis 2020 auf Marktdurchschnitt senken.

Im Kompositgeschäft liegt die Kostenquote noch rund einen Prozentpunkt über dem Branchenschnitt. Seit 2015 läuft ein Sparprogramm, in dessen Rahmen bis 2020 insgesamt zwischen 600 und 800 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Mittelfristig will Eichmann nach Beitragseinnahmen die Position unter den Top-Zehn verteidigen beziehungsweise erreichen und bei der Markenbekanntheit mindestens zu den fünf Bekanntesten gehören. Derzeit liegt man nach Unternehmensangaben bei der ungestützten Bekanntheit auf Platz sechs. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft starte eine neue Werbekampagne.

Höhere Solvenz

Getragen von der Kapitalmarktentwicklung, aber auch Änderungen bei Aktiva und Passiva, haben sich die Solvenzquoten voraussichtlich sowohl bei den Einzelgesellschaften als auch für die Gruppe deutlich verbessert.

Die Gothaer Leben erreicht Ende 2017 bislang 325 Prozent (mit Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung; zum Ende des dritten Quartals 2017 waren es 243 Prozent. „Wir steigen aber nicht in einen Wettbewerb um Solvenz ein“, so Eichmann, der nach einer „optimalen“ und nicht höchstmöglichen Quote strebt.

Der Krankenversicherer weist eine Solvenzquote von 930 Prozent aus, die Gothaer Allgemeine von 202 Prozent (allerdings ohne Übergangsmaßnahmen) und die Gruppe von 257 Prozent.

Ab 2018 wird der Gothaer-Konzern wie einige Wettbewerber nicht mehr nach IFRS bilanzieren. Die Umstellung auf den neuen Standard IFRS 17 sei kompliziert, komplex und koste sicherlich einen zweistelligen Millionen-Betrag. Da die Gründe für die 2002 eingeführte Rechnungslegung inzwischen weggefallen seien, mache eine solche Investition keinen Sinn mehr, sagte Eichmann.

Wachstumsfelder

Die Gothaer will vor allem in den „Wachstumsfeldern“ betriebliche Altersversorgung (bAV) und betriebliche Krankenversicherung (bKV) sowie Gewerbekundengeschäft zulegen. Das Kompositgeschäft soll 2018 mit einem Plus von mehr als drei Prozent wachsen.

Die Gothaer Leben befindet sich nach den Worten des für dieses Geschäft verantwortlichen Vorstandes Michael Kurtenbach „nach drei Jahren im Rückwärtsgang nun wieder im Vorwärtsgang“. 2017 war das Neugeschäft hier vor allem wegen dem zurückgenommenen Einmalbeitragsgeschäft um rund ein Fünftel auf 1,5 Milliarden Euro Beitragssumme geschrumpft. Die gebuchten Bruttobeiträge nahmen um 4,1 Prozent auf 1,17 Milliarden ab.

Im ersten Quartal 2018 expandierte das Lebensneugeschäft nun um über 40 Prozent. „Und auch im April ging es munter weiter“, so Kurtenbach. Die Bruttobeiträge legten bis Ende März um zehn Prozent zu. Wachstumstreiber seien das kapitalmarktorientierte Einmalbeitragsprodukt „Gothaer Index Protect“ sowie der Bereich bAV, bei dem erste Impulse aus dem zum 1. Januar 2018 in Kraft getretenen BRSG spürbar seien.

Die im Markt kritisch diskutierten Sparten D&O, industrielle Sach, Kraftfahrt und Wohngebäude sind positiv.

Dr. Christopher Lohmann, Vorstand Gothaer

Neues Verständnis

Die Gothaer Allgemeine Versicherung wuchs 2017 um 5,8 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro Beitrag; ohne die Integration der Tochtergesellschaft Asstel hätte das Plus noch 3,6 Prozent betragen. Dank einer geringeren Schadenquote fiel die die Combined Ratio auf 91,2 (94,2) Prozent und damit deutlich unter den Marktdurchschnitt.

Versicherungstechnisch habe man sowohl im direkten wie auch im indirekten Geschäft (als Rückversicherer für Tochtergesellschaften) Gute Ergebnisse erzielt, so Vorstand Dr. Christopher Lohmann. „Die im Markt kritisch diskutierten Sparten D&O, industrielle Sach, Kraftfahrt und Wohngebäude sind positiv.“

Unter anderem mit Transformation und Kulturwandel soll die Gothaer Allgemeine sich zu einem digitalen Risiko- und Servicepartner ändern. „Nach außen wollen wir unsere Kunden durch modulare Produkte, digitale Services und einen verbesserten Kundenservice begeistern. Dabei setzen wir auch auf strategische Kooperationen“, so Lohmann.

Kennzahlen des Gothaer-Konzerns nach IFRS laut Geschäftsbericht 2017 (Bild: Gothaer)
Kennzahlen des Gothaer-Konzerns nach IFRS laut Geschäftsbericht 2017 (Bild: Gothaer)

Einsatz von Telemedizin

Die Gothaer Krankenversicherung buchte 2017 mit 834 Millionen Euro 1,2 Prozent mehr Prämie. Die Zahl der Vollversicherten sank um 2,7 Prozent auf 141.397 Personen. Wachstum kommt vor allem aus der Zusatzversicherung, die allerdings erst 170 Millionen Euro Beitrag erzielt.

Bei den Zusatzversicherungen geht es der Gothaer vor allem die bKV, die 2017 um 23 Prozent wuchs. Treiber für die weitere Entwicklung soll auch die Transformation vom Leistungserstatter zum Gesundheits-Dienstleister mit einer Vielzahl von digitalen Angeboten für Kunden und Vermittler.

Im Januar 2018 wurde eine „GesundheitsApp“ eingeführt. Ab Juli will man in Kooperation mit der Teleclinic GmbH (VersicherungsJournal 28.2.2018, 31.1.2018, 3.3.2017) telemedizinische Leistungen anbieten.

Janitos schrieb weiter Verlust

Die Auslandstöchter in Polen und Rumänien legten weiter um 3,5 Prozent auf 146 Millionen Euro beziehungsweise um 18,4 Prozent auf 26 Millionen Euro zu, sind aber weiterhin defizitär.

Auch der Maklerversicherer Janitos Versicherung AG schrieb nach Unternehmensangaben wiederum Verlust.

Die Geschäftsberichte des Konzerns und der Einzelgesellschaften sind auf dieser Internetseite der Gothaer abrufbar.

 
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