Beiträge des PKV-Standardtarifs werden überprüft

16.5.2018 – Nach vier Jahren Stabilität stehen die Beiträge für Männer auf dem Prüfstand. Dabei steht auch ein Absenken des Rechnungszinses im Raum. Die Bundestagsfraktion Die Linke befürchtet, dass die Versicherten mit den Prämienerhöhungen überfordert werden könnten. Die Bundesregierung soll dazu Stellung nehmen.

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Die Linksfraktion sorgt sich um Beitragserhöhungen im Standardtarif der privaten Krankenversicherung (PKV), die die in diesem Sozialtarif Versicherten überfordern könnte.

In einer Kleinen Anfrage (Bundestagsdrucksache 19/2066, PDF-Datei, 74 KB) wollen die linken Gesundheits- und Sozialpolitiker jetzt wissen, welche Folgen eine deutliche Absenkung des Rechnungszinses haben könnte.

Der linke Gesundheitspolitiker Dr. Achim Kessler erklärte in der Einleitung zur Kleinen Anfrage, wenn sich die Kalkulationsgrundlagen deutlich ändern würden, müssten die Versicherer eine Neuberechnung der Tarife vornehmen. „Diese steht nun im branchenweit kalkulierten Männertarif im Standardtarif an.“

Politiker fragen nach dem Senken des Rechnungszinses

Dabei dürfte auch der Rechnungszins deutlich nach unten angepasst werden. Kessler fragt, ob seine Informationen richtig seien, dass der Rechnungszins für den Männertarif von 3,5 auf 2,2 Prozent abgesenkt werden könnte.

Dies würde zu Beitragserhöhungen führen. Die betroffenen Personen seien aber in den Standardtarif gewechselt, um ihre Beiträge überhaupt noch bezahlen zu können. Beitragserhöhungen würden sie besonders hart treffen.

Kessler will auch wissen, in wieweit die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) in das Verfahren der Neukalkulation einbezogen ist.

BMG soll Auskunft über zu erwartende Beitragserhöhungen geben

Das zuständige Bundesministerium für Gesundheit (BMG) soll auch darüber Auskunft geben, mit welcher relativen Erhöhung und welcher durchschnittlichen Beitragshöhe sie rechnet und wo die Grenze liegen würde, die den Standardtarif als Sozialtarif in Frage stellen würde.

Kessler zufolge ist die Beitragshöhe des Standardtarifs auf den Höchstbetrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) begrenzt. Dieser liegt in diesem Jahr bei 646,06 Euro im Monat. „Der durchschnittliche Beitrag im Standardtarif liegt aber deutlich darunter“, schreibt der Abgeordnete in der Einleitung seiner Anfrage.

Insgesamt haben die Politiker 18 Fragen zusammengestellt. Die Antwort des BMG könnte etwa Ende kommende Woche vorliegen, wenn keine Fristverlängerung in Anspruch genommen wird.

PKV-Verband: Rechnungsgrundlagen werden derzeit überprüft

Der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) bestätigte, dass derzeit die Rechnungsgrundlagen des Standardtarifs für Männer von den PKV-Unternehmen überprüft würden, nachdem dessen Beiträge seit vier Jahren nicht erhöht worden seien. Weil dieser Tarif Leistungen vergleichbar der GKV garantiere, verlaufe die Kostenentwicklung sehr ähnlich.

„Dem Ergebnis der Berechnungen der Versicherungs-Unternehmen, die jeweils auch die anhaltende europäische Niedrigzinspolitik einbeziehen müssen, können wir nicht vorgreifen“, sagte ein Verbandssprecher dem VersicherungsJournal.

Ende vergangenen Jahres waren 50.200 Personen im Standardtarif versichert. Das seien 0,57 Prozent der Privatversicherten. Der PKV-Verband wünscht sich eine Öffnung des Standardtarifs für alle Neukunden seit 2009, denen dieser per Gesetz seither versperrt sei. Dem Personenkreis stehe nur der teurere Basistarif offen (VersicherungsJournal 5.2.2008).

Auch die Deutschen Aktuarvereinigung e.V. fordert die Öffnung (VersicherungsJournal 27.4.2018).

 
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