So funktioniert die „Revolution im Versicherungsmarkt“

10.8.2018 – Die IPC Investment Partner Consulting e.K. vertreibt eine Rentenversicherung von Canada Life, bei der alle Kosten vollständig erstattet werden sollen. Die werblichen Aussagen des Vermittlers sind allerdings nicht alle durch die Versicherungs-Bedingungen des Versicherers gedeckt.

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„Laut mehrerer Verbraucherzentralen entsprechen Kapitalanlagen in neun von zehn Fällen nicht dem Bedarf des Verbrauchers. Der Angebots-Dschungel ist undurchsichtig, Versicherungspolicen haben nicht selten über 100 Seiten. Wer fachfremd ist, hat verloren. Genau hier setzt Kostenex an.“

So wirbt die IPC Investment Partner Consulting e.K. für ihr unter dieser Marke betriebenes Geschäft in einer Pressemitteilung. Weiter heißt es dort: „Die Versicherungen, mit denen Kostenex arbeitet, garantieren die Rückerstattung der Kosten zu 100 Prozent.“

In einem die Dienstleistung des Vermittlers erklärenden Video wird behauptet: „Der Service von Kostenex kostet Sie keinen einzigen Euro.“ Das wird in der Pressemitteilung bekräftigt: „100 Prozent der Einzahlung wird insgesamt angelegt.“

An anderer Stelle räumt das Unternehmen ein: „Kostenex finanziert sich über Abschlussprovisionen.“ Trotzdem wird behauptet: „Für den Endverbraucher ist der Service komplett kostenlos.“

Warnung vor den Kosten der Mitbewerber

„Den meisten Versicherungsnehmern ist nicht bewusst, dass bis zu einem Viertel ihrer angelegten Altersvorsorge in Verwaltungsgebühren fließen – nur 75 Prozent erhält er später verzinst als Rente ausbezahlt“, warnt IPC. Auf Nachfrage konkretisiert das Unternehmen, dass mit den Verwaltungsgebühren die Gesamtkosten gemeint sind.

Weiter heißt es in dem Pressetext: „Kostenex revolutioniert den Versicherungsmarkt und sorgt dafür, dass die Einzahlungen insgesamt zu 100 Prozent in die Altersvorsorge fließen.“ Das Konzept stamme aus dem angloamerikanischen Raum, wo das Prinzip der Kostenrückerstattung über Versicherungspolicen bereits etabliert sei. IPC bringe „diese nutzerfreundliche Kapitalanlage als erstes Unternehmen mit Versicherungsverträgen nach deutschem Recht“.

Auf der Seite www.kostenex.de bietet das Unternehmen einen Kostenrechner an, mit der der Interessent „mit wenigen Angaben zur Kapitalanlage berechnet, wie viele Kosten bei der betrieblichen beziehungsweise privaten Altersvorsorge eingespart werden können. Der Kostenrechner funktioniert einfach und unkompliziert und liefert einen ersten Richtwert.“

Kostenrechner (Bild: Kostenex)

Das Ergebnis ist allerdings nicht nachvollziehbar, da die Rechengrundlagen nicht offengelegt werden.

Kostenerstattung ab dem fünften Versicherungsjahr

Auf Nachfrage teilt IPC mit: „Die von uns vermittelten Altersvorsorgeverträge haben alle eine komplette Rückerstattung aller Kosten während der Vertragslaufzeit. Garantiert durch das jeweilige Versicherungs-Unternehmen. Dies sind also insbesondere Abschlusskosten, Versicherungskosten und Fondskosten. Dies ist also garantierter Vertragsbestandteil der Police.“

Konkretisiert wird dann noch: „Die Finanzierung läuft über einen gesonderten Pool bei der jeweiligen Versicherung mit Auszahlung in jährlichen Fondsanteilen ab dem fünften Versicherungsjahr und ist nur möglich, wenn alle Berater, die Versicherung und das Fondsmanagement ihre Endkosten deutlich senken.“

Außerdem gilt: „Wenn der Vertrag während der Laufzeit gekündigt wurde, dann hat er auch nur einen Teil der Kosten zurück erstattet bekommen.“

Police von Canada Life

Als Grundlage der Berechnungen wird eine aufgeschobene Rentenversicherung im Tarif „Generation business“ der Canada Life Assurance Europe plc, Niederlassung für Deutschland angegeben.

Dem VersicherungsJournal liegt ein Beispiel für eine am 1. April 2018 beginnende Direktversicherung über 30 Jahre Aufschubzeit mit 520 Euro Monatsbeitrag vor. Die Beiträge werden jährlich um 1,75 Prozent erhöht. Das Eintrittsalter ist 37 Jahre.

Die Kapitalanlage erfolgt in dem internen „UWP-Fonds II“ von Canada Life (VersicherungsJournal 6.4.2017). Der Fonds hat in den letzten zehn Jahren eine tatsächliche jährliche Wertentwicklung von 6,3 Prozent erreicht, geglättet 2,3 Prozent.

Die Beitragssumme beträgt einschließlich Dynamik 241.752 Euro und ohne 187.200 Euro. Die garantierte Kapitalabfindung beläuft sich auf 278.353 Euro. Daraus rechnet sich eine Beitragsrendite von 0,95 Prozent. Ohne Dynamik werden 220.100 Euro garantiert, was einer jährlichen Verzinsung der Prämien von 1,05 Prozent entspricht.

Kosten werden erst einmal abgezogen

Aus den Beiträgen werden zunächst die planmäßigen Kosten entnommen. Das sind in dem Beispiel:

  • Abschluss- und Vertriebskosten in den ersten fünf Jahren in Höhe von insgesamt 10.152 Euro.
  • Fixkosten von jährlich 697,54 Euro in den ersten zehn Jahren, zusammen 6.965 Euro.
  • Verwaltungskosten von monatlich 6,05 Euro, in Summe 2.178 Euro. Diese werden dem Fondsvermögen entnommen und können während der Laufzeit angepasst werden.
  • Ausgabeaufschlag in Höhe von fünf Prozent auf die Fondsanteile (gerechnet auf Beitragssumme minus Abschluss- und Vertriebskosten) 11.029 Euro.
  • Fondsverwaltungsgebühr in Höhe von 1,5 Prozent pro Jahr von dem geschätzten Wertzuwachs. Diese wird dem Fondsvermögen entnommen und kann während der Laufzeit angepasst werden.
  • „Der Rücknahmeabschlag wird im Wert des geglätteten und tatsächlichen Anteilguthabens schon berücksichtigt und wird nicht gesondert ausgewiesen.“
  • Garantiegebühr in Höhe von 0,25 Prozent pro Jahr sowohl des geglätteten als auch des tatsächlichen Anteilguthabens. Diese wird dem Fondsvermögen entnommen und kann während der Laufzeit angepasst werden.
  • Bei Kündigung, außer in den letzten fünf Jahren, wird ein Stornoabschlag von – je nach verbleibender Aufschubzeit – vier bis sieben Prozent der Beitragssumme vorgenommen.

An festen Kosten werden von den Beiträgen insgesamt 30.324 Euro (13 Prozent der Beitragssumme) abgezweigt, dazu kommen die variablen Abzüge.

Rückerstattung über Treueboni

Die Kostenerstattung erfolgt über Treueboni. Deren Wert ist abhängig von der Entwicklung des Fondsvermögens.

Zwischen dem sechsten und 14. Jahr wird den Kunden jeweils zum Ende des Versicherungsjahres ein Treuebonus in Höhe von 0,4 Prozent der zugeteilten Fondsanteile ausgekehrt. Ab dem 15. Jahr bis zum Rentenbeginn wird der Satz auf 0,6 Prozent erhöht. Mit Ablauf des zwölften Versicherungsjahres wird ein zusätzlicher Treuebonus in Höhe von drei Prozent gutgeschrieben.

Diese Boni summieren sich laut der Beispielrechnung von Canada Life bei durchschnittlichen jährlichen Performance des Fonds von vier Prozent auf 3.448 Euro.

Darüber hinaus erhalten die Kunden in den letzten drei Jahren der Aufschubzeit und zum Rentenbeginn jeweils 3,5 Prozent zusätzliche Fondsanteile.

Vollständige Kostenerstattung nicht garantiert

Carl Friedrich (Bild: Kostenex)
Carl Friedrich (Bild: Kostenex)

Zu den Treueboni erläutert IPC-Gründer und Geschäftsführer Dr. Carl Friedrich: „Diese sind so kalkuliert, dass im 'Worst-case-Szenario' (also bei nur einem Prozent garantiertem Zins), alle Kosten (also Agio, TER, Provisions-/Abschlusskosten, Verwaltungskosten, Garantiegebühr) komplett wieder während der Laufzeit zurück erstattet werden.“

Da die Treueboni sich in Prozent auf den Depotwert beziehen würden, könne im Beispiel mit vier Prozent jährlicher Performance „die Rückerstattung auch höher sein, als die eigentlichen Kosten (34.107 Euro gegenüber 23.962 Euro Kosten).“

Möglicherweise übersteigen die Boni tatsächlich die zuvor den Kunden auferlegten Kosten. Doch die von IPC behauptete komplette Rückerstattung aller Kosten als garantierter Vertragsbestandteil der Police lässt sich aus den Versicherungs-Bedingungen nicht herauslesen. Dort sind noch nicht einmal die Höhen der Verwaltungsvergütungen festgeschrieben.

Zinsverlust nicht berücksichtigt

Die Rechnung hinkt auch noch aus einem anderen Grund. Die zunächst einbehaltenen Gebühren schmälern das investierte Vermögen. Dem entsprechend kann das Kapital weniger Erträge erwirtschaften. Dieser Zinsverlust zu Lasten der Kunden kommt in den Rechenmodellen von IPC gar nicht vor.

So kommt die Beispielrechnung von Canada Life bei sechs Prozent Fondsperformance inklusive der Boni auf eine Kapitalabfindung von 583.928 Euro. Das entspricht einer Beitragsrendite von 5,7 Prozent.

Da dem Fondsvermögen ein Teil der Kosten entnommen wird, muss die Brutto-Wertentwicklung vor diesen Gebühren deutlich höher sein. Dementsprechend größer ist der Abstand zur Beitragsrendite.

Versicherungsvertreter verspricht eine unabhängige Beratung

Für seine Dienstleistung wirbt IPC, wie es für einen Versicherungsmakler typisch wäre: „Kostenex berät absolut unabhängig und scannt den Markt fortlaufend nach den besten Angeboten. Diese Unabhängigkeit garantiert, dass der Versicherungsnehmer und dessen Bedürfnisse im Fokus der Dienstleistung stehen.“

Tatsächlich ist das 2014 gegründete Unternehmen jedoch Mehrfach-Versicherungsvertreter. Eine Zusammenarbeit sei mit zwölf Versicherern vereinbart, teile Friedrich mit. Vermittelt werden ausschließlich Policen, in die eine Vermittlungsprovision einkalkuliert ist. Honorarberater werden abgelehnt.

Leserbriefe zum Artikel:

Peter Greuling - Wovon werden zum Schluss die Gehälter bezahlt? mehr ...

Thomas Oelmann - Vielzahl von Angeboten, bei denen man sich die Haare rauft. mehr ...

 
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