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Telematik gewinnt wieder an Fahrt

13.6.2018 – Wem die per Telematik erhobenen Daten aus einem Fahrzeug gehören, ist nach wie vor unklar, wie sich auf einer Fachkonferenz in Köln zeigt. Klar ist aber, dass der Schutz von Daten weitergehen muss und zwar auch für nicht-personenbezogene Daten. Trotz dieser Lücken arbeitet die Branche an neuen Tarifen und Modellen.

Seine Erfahrungen mit autonomen Fahrzeugen sammelt der R+V-Konzern seit Kurzem ganz praktisch mit zwei Kleinbussen von Navya. Nach 1.300 auf dem Frankfurter Flughafen und auf einem Werkgelände in Marburg gefahrenen Kilometern soll nun der Einsatz bei den Mainzer Verkehrsbetrieben kommen.

„Vom Frager zum Gefragten geworden“

Jan Dirk Dallmer (Bild: Lier)
Jan Dirk Dallmer (Bild: Lier)

„Da die klassischen Prüfkataloge bei autonomen Fahrzeugen nicht ausreichen, war das Genehmigungsverfahren für alle eine große Herausforderung.

Damit jederzeit das Optimum an Verkehrssicherheit gewährleistet ist, haben wir die Straßenzulassung für unseren Bus erst nach zahlreichen TÜV-Tests und diversen Nachbesserungen wie dem Einbau eines Fahrersitzes bekommen,“ sagte Jan Dirk Dallmer, Direktor Kraftfahrt-Betrieb der R+V und Krawag-Vorstand. Rund 40 Umbauten waren dazu nötig.

Auf einer Fachkonferenz in Köln berichtete er am Montag, dass der Buseinsatz nicht nur ein hohes Medienecho ausgelöst habe. „Das ist unsere Eintrittskarte bei den OEMs. Wir sind nun vom Frager zum Gefragten geworden“, so Dallmer. Die Technologie will der Konzern zum Testfeld machen.

Telematiktarif zum Jahresende

Zum Jahresende will auch die R+V wieder einen Telematiktarif anbieten. Die genossenschaftliche Gruppe hatte 2012 und 2013 Telematik getestet, aber in dem Projekt keine Zukunft gesehen (VersicherungsJournal 3.11.2014).

Nun würden bis zum Jahresende verschiedene Techniken beziehungsweise Anbieter für einen Telematiktarif getestet. Mittlerweile lieferten die Daten aus den Smartphones valide Daten und die Akzeptanz in der Bevölkerung sei gestiegen, so Dallmer.

Vielfältiger Einsatz

Bei 20 Prozent der Telematiktarif-Versicherten verbessert sich der Score-Wert, mit dem das Fahrverhalten bewertet wird, berichtet Ulrich Rieger, Vorstand der Generali Deutschland AG. „Mit echten Schäden können wir die Score-Werte aber noch nicht zusammenbringen, da uns die Masse an Schäden fehlt.“ Der Generali-Konzern hatte im Herbst 2016 Telematiktarife einführt (VersicherungsJournal 30.9.2016).

Ulrich Rieger (Bild: Lier)
Ulrich Rieger (Bild: Lier)

Um die Datenbasis zu verbreitern, arbeite man nun mit dem US-Versicherer Progressive zusammen. Rieger ist überzeugt, dass Daten über den Kunden und seine Fahrweise künftig auch für Warnungen angewendet werden.

Die Generali-Gruppe setze die Daten weltweit auch für Mehrwertleistungen der Kunden ein. Beispielsweise dienten die Daten auch dem Diebstahlschutz oder als Fahrtenbuch.

Besitz- und Kontrollrechte

Wem die per Telematik erhobenen Daten aus den Fahrten eines Kunden gehören, lässt sich nicht einfach beantworten, wie sich bei einer Podiumsdiskussion auf dieser Veranstaltung zeigte. Denn es geht nicht um Eigentums-, sondern vielmehr um Besitz- und Kontrollrechte.

Probleme können beispielsweise dann entstehen, wenn Daten per Einwilligung weitergegeben werden könnten, diese Einwilligungen dann aber zu einem späteren Zeitpunkt rückwirkend gekündigt werden könnten.

Vorteil im Wettbewerb

Professor Dr. Dieter Kugelmann, Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Rheinland-Pfalz, erläuterte, dass der Schutz auch nicht-personenbezogene Daten einbeziehen müsse, wie dies die EU in einer neuen Verordnung regeln wolle. Denn mittels Techniken wie Telematik können auch scheinbar anonyme Daten einzelnen Personen zugeordnet werden.

Er warnte die Versicherer, zu „innovationshörig“ zu sein und keine Rücksicht auf die Freiheit des Einzelnen zu nehmen. „Bevormunden Sie die Versicherten nicht und bewahren Sie die Vielfalt von Tarifen im Unternehmen, damit der Einzelne sich entscheiden kann, was mit seinen Daten geschehen soll.“

In einer zunehmend unübersichtlichen Welt sei Vertrauen einer der wichtigsten Werte. „Wenn die Versicherer hier einen Vertrauensvorschuss haben, kann dies ein Wettbewerbsvorteil sein“, so Kugelmann.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Datenschutz · Diebstahl · Gewerbeordnung · Technik · Telematik
 
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