Jeder zweite Versicherungsvermittler hat besonders lange Arbeitszeiten

29.7.2026 – Rund sieben Prozent aller in Vollzeit Erwerbstätigen hatten 2025 laut Statistischem Bundesamt besonders lange Arbeitszeiten von 49 Wochenstunden und mehr. Umfragen wie das AfW-Vermittlerbarometer und die BVK-Strukturanalyse verdeutlichen, dass Versicherungsvermittler besonders häufig von langen Arbeitszeiten betroffen sind. So gab von den Maklern sogar fast jeder zweite an, mindestens 49 Stunden pro Woche zu arbeiten.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat auf Basis des Mikrozensus 2025 ausgewertet, wie hoch der Anteil der Erwerbstätigen mit sogenannten überlangen Arbeitszeiten ist. Als überlange Arbeitszeit gilt dabei eine gewöhnliche Wochenarbeitszeit von 49 Stunden oder mehr.

Der Mikrozensus basiert auf einer jährlichen Befragung von rund 400.000 Haushalten beziehungsweise 800.000 Personen und bildet etwa ein Prozent der Bevölkerung ab. Die Ergebnisse werden auf rund 30 Millionen Vollzeiterwerbstätige hochgerechnet und beruhen auf den Selbstauskünften der Befragten.

Vollzeit: Sieben Prozent haben überlange Arbeitszeiten

Im Jahr 2025 arbeiteten laut der Auswertung 7,1 Prozent der 30 Millionen Vollzeiterwerbstätigen regelmäßig 49 Stunden pro Woche und mehr. Die durchschnittliche Arbeitszeit aller Vollzeiterwerbstätigen lag bei 40,2 Stunden pro Woche. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Selbstständigen und abhängig Beschäftigten:

  • Während 44,5 Prozent der Selbstständigen mit Beschäftigten überlange Arbeitszeiten angaben, lag der Anteil bei Soloselbstständigen ohne eigene Angestellte bei 23,0 Prozent.
  • Unter den vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern arbeiteten lediglich 4,1 Prozent regelmäßig mindestens 49 Stunden pro Woche.

Mit zunehmendem Alter steigt laut Destatis auch der Anteil der Erwerbstätigen mit überlangen Arbeitszeiten deutlich an. Von den 15- bis 24-jährigen Vollzeitbeschäftigten arbeiteten 1,4 Prozent regelmäßig mindestens 49 Stunden pro Woche, bei den 55- bis 64-Jährigen waren es 9,6 Prozent.

Als einen Grund für die Altersabhängigkeit nennt Destatis den hohen Anteil von Führungskräften in den älteren Altersgruppen. Diese leisten überdurchschnittlich häufig lange Arbeitszeiten.

Selbstständige arbeiten häufiger am Abend

Selbstständige mit Beschäftigten arbeiteten auch deutlich häufiger bis in den Abend als Arbeitnehmer. Im Jahr 2025 waren 30,8 Prozent von ihnen regelmäßig zwischen 18 und 23 Uhr beruflich tätig. Unter Arbeitnehmern lag der Anteil mit 13,4 Prozent nicht einmal halb so hoch.

Bei der Nachtarbeit zwischen 23 und sechs Uhr zeigten sich dagegen kaum Unterschiede. Sie war sowohl unter Selbstständigen mit Beschäftigten (4,2 Prozent) als auch unter Arbeitnehmern (4,3 Prozent) selten.

Überlange Arbeitszeiten bei Finanz-/Versicherungsdienstleistung

Auf Anfrage hat das Statistische Bundesamt dem VersicherungsJournal Daten zu ausgewählten Wirtschaftszweigen zur Verfügung gestellt. Besonders hoch ist der Anteil überlanger Arbeitszeiten demnach in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei: 32,6 Prozent der Vollzeiterwerbstätigen arbeiten dort regelmäßig mindestens 49 Stunden pro Woche.

Es folgen die Unternehmensdienstleister mit 11,6 Prozent. Zu diesem Wirtschaftszweig zählen unter anderem Anwaltskanzleien, Steuerberatungen und Unternehmensberatungen. Dahinter platziert sich das Grundstücks- und Wohnungswesen mit 9,8 Prozent.

Die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen belegen gemeinsam mit dem Baugewerbe Rang vier. Mit 8,3 Prozent der Vollzeitbeschäftigten, die überlange Arbeitszeiten auswiesen, ist der Wert hier überdurchschnittlich.

Der Wirtschaftszweig „Finanz- und Versicherungsdienstleistungen“ umfasst nach der WZ-2008-Klassifikation neben Banken und privaten Versicherungen auch Rückversicherer, Pensionskassen sowie Dienstleister wie Versicherungsmakler, Finanzanlagenvermittler und andere Unternehmen, die entsprechende Dienstleistungen unterstützen.

Überlange Arbeitszeiten nach ausgewählten Wirtschaftszweigen (Bild: Wenig)

Jeder zweite Makler arbeitet mindestens 49 Stunden

Um einen Einblick in die Arbeitszeiten der Vermittler zu erhalten, hat der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. dem VersicherungsJournal ausgewählte Ergebnisse aus dem Vermittlerbarometer zur Verfügung gestellt. Die Daten stammen aus dem Jahr 2024.

Während die Auswertung des Statistischen Bundesamts ausschließlich Vollzeiterwerbstätige betrachtet, fließen in die AfW-Auswertung die Angaben aller Befragten ein – unabhängig vom Umfang ihrer Tätigkeit. Insgesamt machten 1.162 Personen Angaben zu ihrer wöchentlichen Arbeitszeit. Knapp 85 Prozent der Teilnehmer waren als Versicherungsmakler tätig.

Knapp jeder zweite Vermittler (48,7 Prozent) arbeitete nach eigenen Angaben mindestens 49 Stunden pro Woche. Davon entfielen 40,5 Prozent auf eine Wochenarbeitszeit von 49 bis 59 Stunden, weitere 8,2 Prozent kamen sogar auf mindestens 60 Stunden.

Wochenarbeitszeiten von weniger als 40 Stunden waren dagegen selten. Lediglich 1,5 Prozent der Befragten arbeiteten weniger als 30 Stunden pro Woche, weitere elf Prozent zwischen 30 und 39 Stunden. Eine Wochenarbeitszeit von 40 bis 48 Stunden nannten 38,8 Prozent.

Wochenarbeitszeit Versicherungsmakler (Bild: Wenig)

Auch BVK-Strukturanalyse fragt nach Arbeitszeiten

Arbeitszeiten sind auch Thema in der Studie „Betriebswirtschaftliche Strukturen des Versicherungsvertriebs – BVK-Strukturanalyse 2025“ des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) (VersicherungsJournal Archiv).

Sie liefert ein detaillierteres Bild der Arbeitszeiten von Einfirmenvertretern. Von den 1.440 Befragten waren 90,8 Prozent als Einfirmenvertreter im Vermittlerregister registriert, 5,1 Prozent als Versicherungsmakler und 4,1 Prozent als Mehrfachvertreter.

Die Ergebnisse sind allerdings nur eingeschränkt mit den Daten des Vermittlerbarometers vergleichbar. Während dort die wöchentliche Arbeitszeit erhoben wurde, erfasst die BVK-Studie die tägliche Arbeitszeit.

Vertreter arbeiten pro Tag tendenziell häufiger lange als Makler

Laut BVK-Strukturanalyse haben Versicherungsvermittler häufig sehr lange Arbeitstage. Knapp ein Drittel (30,6 Prozent) der Makler gab an, regelmäßig neun bis zehn Stunden pro Tag tätig zu sein. Weitere 4,2 Prozent arbeiten elf bis zwölf Stunden, 1,4 Prozent sogar mindestens 13 Stunden täglich.

Bei Einfirmenvertretern gaben sogar 48,0 Prozent der Befragten an, regelmäßig neun bis zehn Stunden zu arbeiten. 7,4 Prozent arbeiteten elf bis zwölf Stunden, weitere 0,6 Prozent 13 Stunden und mehr.

Mehrfachvertreter positionieren sich dazwischen. 43,1 Prozent gaben eine tägliche Arbeitszeit von neun bis zehn Stunden an, 6,9 Prozent von elf bis zwölf Stunden und 5,2 Prozent von 13 Stunden und mehr. Bei den Ergebnissen für Makler und Mehrfachvertreter ist die geringe Fallzahl zu berücksichtigen.

Vermittler arbeiten durchschnittlich 240 Tage im Jahr

Versicherungsvermittler arbeiteten nach eigenen Angaben im Durchschnitt rund 20 Tage pro Monat beziehungsweise knapp 240 Tage pro Jahr. Das ist etwas mehr als bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmer, der abzüglich des Urlaubes auf rund 210 bis 220 Arbeitstage im Jahr kommt.

Einfirmenvertreter (239,0 Tage) und Mehrfachvertreter (239,4 Tage) lagen nahezu gleichauf. Versicherungsmakler gaben mit durchschnittlich 223,5 Arbeitstagen dagegen eine geringere Zahl an.

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