Maklernachfolge: Neue Bieter lassen Verkäufer hoffen

15.10.2026 – Marshberry hat für seine europaweite M&A-Analyse auch die wichtigsten Transaktionen hierzulande untersucht. Die Studienautoren haben hierfür die Details der Top-Deals unter die Lupe genommen und die längerfristigen Entwicklungen dargestellt. Demnach können Inhaber und Gesellschafter von Vermittlerbetrieben, die über einen Verkauf ihrer Bestände nachdenken, mit mehr möglichen Geschäftspartnern verhandeln.

Die IMAS Corporate Finance LLP hat unter ihrem Handelsnamen Marshberry aktuell Zahlen veröffentlicht, die „Mergers and Acquisitions“ (M&A) unter Versicherungsvermittlern im deutschsprachigen Raum während des dritten Quartals 2026 abbilden.

Demnach erweiterten neue internationale Investoren den Kreis potenzieller Firmenkäufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für Inhaber und Gesellschafter von Vermittlerbetrieben, die über einen Verkauf ihrer Bestände nachdenken, steigt damit die Auswahl an möglichen Partnern.

Konkret haben demnach die Ankündigungen der Max Matthiessen AB zu seinen Wachstumszielen in Deutschland (VersicherungsJournal Medienspiegel 28.9.2026) zu den wichtigsten Entwicklungen der vergangenen drei Monate im Maklermarkt der DACH-Region gehört.

Versicherungsbestände von Unternehmern kaufen

Neben einem Joint Venture mit der Best-Gruppe steigen die Schweden als Mehrheitsgesellschafter bei der Invers Versicherungs-Vermittlungs GmbH ein. Dieser Maklerpool arbeitet mit mehr als 3.000 Versicherungs- und Finanzanlagenvermittlern zusammen.

Die Invers-Beteiligung eröffnet Max Matthiessen den Zugang zu einem breiten Vermittlernetzwerk hierzulande. Innerhalb dieses Netzwerks wolle man nach eigenen Angaben auch Versicherungsbestände im Rahmen von Maklernachfolgen von Unternehmern übernehmen, die in den Ruhestand gehen.

Dieser Deal steht nach Angaben der Studienautoren für den Trend, dass die Aufkäufer auch auf Dienstleister für Makler setzen. Auch die aktuelle Fusion der Charta Börse für Versicherungen AG und der Germanbroker.net AG (1.9.2026) fügt sich in diese Entwicklung ein. Weitere Beispiele hierfür gab es früher in diesem Jahr. Die Warburg Pincus LLC stieg bei der Netfonds AG (12.5.2026) ein und die Vema Versicherungsmakler Genossenschaft eG beteiligte sich an der BCA AG (23.4.2026).

Die bisherigen Inhaber bleiben im Betrieb eingebunden

Die Marshberry-Transaktionsübersicht für die Monate Juli bis September enthält nach Angaben der Studienautoren insgesamt 17 angekündigte oder gemeldete Transaktionen bei Versicherungsvermittlern oder verwandten Beratungsbereichen.

Doch: „Die Art der Transaktionen ist aussagekräftiger als ihre Anzahl allein“, heißt es von Marshberry. „Käufer suchten nach Spezialwissen, Zugang zu etablierten Vertriebsnetzwerken und Unternehmen, die von gemeinsamer Technologie und zentralen Dienstleistungen profitieren können.“

Bei mehreren der untersuchten Transaktionen blieben demnach die bisherigen Inhaber eingebunden. Dies geschieht, indem sie das Unternehmen weiterhin führen, eine Beteiligung behalten oder einen Teil des Verkaufserlöses in die Gruppe reinvestieren.

Übernahmen von spezialisierten Versicherungsmaklern

Die Global Gruppe hat zum Beispiel einen Spezialmakler für Luftfahrtversicherungen übernommen. Der bisherige Geschäftsführer und das Team bleiben an Bord, um Fachwissen und Kundenbeziehungen im Unternehmen zu halten, auf denen dessen Geschäftsmodell aufbaut.

Die Attikon Finanz AG kündigte im dritten Quartal laut Marshberry sogar vier Übernahmen an, die jeweils einen bestimmten Bereich des Leistungsangebots stärken sollen. Hierzu zählen Expertise im Factoring, der Absicherung von Family Offices und Immobilienfirmen sowie Policen für Oldtimer.

Die Aventus Maklergruppe GmbH erweiterte durch den aktuellen Zukauf eines Spezialisten in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) hingegen das Angebot für alle bestehenden Firmenkunden (8.9.2026).

Integration wesentlicher Teil der Übernahmestrategie

Marcel van Dijk (Bild: Marshberry)
Marcel van Dijk (Bild: Marshberry)

„Bei diesen Transaktionen ist die Integration ein wesentlicher Bestandteil der Übernahmestrategie“, erklärt kommentiert Marcel van Dijk. Der Director bei Marshberry Europe in Amsterdam analysiert regelmäßig die M&A-Aktivitäten unter Versicherungsvermittlern in ganz Europa.

„Der Verbleib spezialisierter Teams trägt dazu bei, die bestehende Ertragskraft zu sichern“, beobachtet van Dijk. „Wird ihr Fachwissen innerhalb der Gruppe breiter genutzt, ergeben sich zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten.“

Für verkaufswillige Firmeninhaber bedeute dies, dass sich das Interesse eines Bieters auf Spezialwissen, regionale Präsenz, einen attraktiven Kundenbestand oder den Zugang zu Vertriebskanälen richten kann. „Wer diese Motive versteht, kann den Wert des eigenen Unternehmens für unterschiedliche Käufer besser herausarbeiten und den Verkaufsprozess entsprechend gestalten.“

Transaktionen sollen weiteres Wachstum ermöglichen

Auch innovative Technologie im eigenen Betrieb könne sowohl die Auswahl von Übernahmekandidaten als auch die Entscheidung für einen Käufer beeinflussen. Das zeigten die Übernahme der I-Finance GmbH (Medienspiegel 3.7.2026) und die Beteiligung an der Finanzberatung Bierl GmbH (27.8.2026) durch die Tjara GmbH.

I-Finance bringt Knowhow in der Online-Vermittlung mit, Bierl Spezialwissen in der Berufsunfähigkeits- und der privaten Krankenversicherung sowie der digitalen Kundengewinnung. Die Blau direkt-Gruppe will dieses Fachwissen ihrem gesamten Vermittlernetzwerk zugänglich machen.

„Beide Transaktionen verbinden spezialisierte Beratung oder digitalen Vertrieb mit Systemen und Dienstleistungen, die weiteres Wachstum ermöglichen sollen“, kommentiert van Dijk. Ziele seien eine effizientere Administration, mehr Zeit für Beratungen und eine breitere Nutzung der Expertise.

Technologie treibt die Konsolidierungswelle voran

Auch die angekündigte Übernahme von Friendsurance, eine Marke der Alecto GmbH, durch die Cover Genius Holdings Pty Ltd (11.8.2026) zeigt, wie Technologie die Konsolidierung in der Versicherungsvermittlung vorantreibt. Friendsurance bringt eine etablierte Plattform für „Embedded Insurance“ ein. Hierbei sind Policen in das Angebot anderer Produkte und Dienstleistungen integriert.

„Hinzu kommen Beziehungen zu europäischen Banken und Finanzinstituten“, berichtet van Dijk. Cover Genius bringt zusätzliche technologische Kompetenzen und internationale Vertriebskanäle mit. „Gemeinsam sollen weitere Märkte und Produkte für Embedded Insurance erschlossen werden.“

Ein ähnliches Beispiel sei die Übernahme der IWV Versicherungsservice AG durch die Ecclesia-Gruppe (1.8.2024). IWV verbindet versicherungsmathematische und bAV-Beratung mit einer digitalen Plattform für die Verwaltung von Versorgungszusagen. „Der strategische Wert dieser Unternehmen geht über ihren bisherigen Umsatz hinaus“, erklärt van Dijk. „Ihre Prozesse, Systeme und Fachkenntnisse können auch die Dienstleistungen anderer Unternehmen der Gruppe verbessern.“

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Weitere Artikel der Ausgabe vom 15.10.2026
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren