So viel zahlen Versicherer und Finanzdienstleister im Branchenvergleich

30.4.2026 – Mit 69,70 Euro je geleisteter Arbeitsstunde sind die Versicherungs- und Finanzdienstleistungen der Wirtschaftszweig mit den höchsten Arbeitskosten in Deutschland, wie eine aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamts zeigt. Innerhalb von fünf Jahren sind die Kosten um mehr als ein Fünftel gestiegen.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat ausgewertet, wie hoch die Arbeitskosten sind, die Arbeitgeber je geleisteter Arbeitsstunde tragen. Grundlage sind Daten der Arbeitskostenerhebung 2024, die mithilfe von Arbeitskostenindizes für die Zwischenjahre fortgeschrieben werden.

Diese Werte werden bei den Arbeitskosten je Arbeitsstunde eingerechnet

Destatis unterscheidet dabei zwei große Kostenblöcke: Bruttoverdienste und Lohnnebenkosten. Zusätzlich anfallende Verwaltungskosten, etwa für Personalbuchhaltung oder Zeiterfassung, sind nicht enthalten:

  • Zu den Bruttoverdiensten zählen das Entgelt für geleistete Arbeit, Sonderzahlungen (zum Beispiel Boni oder Weihnachtsgeld), vermögenswirksame Leistungen, bezahlte Ausfallzeiten wie Urlaub oder Feiertage sowie Sachleistungen. Nicht enthalten ist die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.
  • Die Lohnnebenkosten umfassen unter anderem die Sozialbeiträge der Arbeitgeber, Aufwendungen für Weiterbildung sowie sonstige Personalnebenkosten und Steuern, die Arbeitgeber zusätzlich tragen. Erhaltene Lohnzuschüsse werden abgezogen.

Die Auswertung orientiert sich zur besseren internationalen Vergleichbarkeit an der Methode des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat), bei der Auszubildende weder Bestandteil der Arbeitskosten noch der geleisteten Stunden sind. In den nationalen Auswertungen werden Azubis normalerweise miterfasst.

Unternehmen zahlen durchschnittlich 45 Euro je geleisteter Arbeitsstunde

Die Unternehmen des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereichs in Deutschland haben im Jahr 2025 durchschnittlich 45,00 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde gezahlt, berichtet Destatis. Das entspricht einem Anstieg von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 22,3 Prozent im Vergleich zu 2020.

Damit liegen die Arbeitskosten in Deutschland rund 29 Prozent über dem Durchschnitt der Europäischen Union (EU) von 34,90 Euro, wie Destatis weiter mitteilt. Im EU-Vergleich liegt Deutschland auf Rang fünf der Länder mit den höchsten Arbeitskosten. Höher sind die Kosten pro Arbeitsstunde in:

  • Luxemburg (56,80 Euro),
  • Dänemark (51,70 Euro),
  • den Niederlanden (47,90 Euro) und
  • Österreich (46,30 Euro).

Am unteren Ende der Skala liegen weiterhin mehrere osteuropäische Länder. Die niedrigsten Arbeitskosten je geleisteter Stunde verzeichneten 2025 Bulgarien (12,00 Euro), Rumänien (13,60 Euro), Ungarn (15,20 Euro), Lettland (16,30 Euro) und Litauen (17,80 Euro).

Versicherungs- und Finanzdienstleistungen haben die höchsten Arbeitskosten

Darüber hinaus weist das Statistische Bundesamt die Arbeitskosten nach Wirtschaftszweigen aus. Dabei werden die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zusammengefasst – sie liegen 2025 mit 69,70 Euro je geleisteter Arbeitsstunde auf Rang eins der teuersten Branchen. Das entspricht einem Anstieg von knapp 22 Prozent gegenüber 2020.

Auf Rang zwei folgt die Energieversorgung mit im Schnitt 65,80 Euro. Gegenüber 2020 entspricht das einem Anstieg von rund 19,4 Prozent.

Auf Platz drei liegt die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Dazu zählen unter anderem Unternehmensberatungen, Ingenieur- und Architekturbüros sowie Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsprüfungskanzleien. Die Arbeitskosten beliefen sich hier 2025 auf 60,40 Euro je Stunde – ein Plus von gut einem Drittel gegenüber 2020.

Es folgen die Bereiche Information und Kommunikation, zu denen vor allem IT- und Telekommunikationsdienste sowie Software- und Datenverarbeitung gehören. In diesem Sektor lagen die Arbeitskosten 2025 bei 58,50 Euro je geleisteter Stunde.

In welchen Wirtschaftszweigen die Arbeitskosten niedrig sind

Am unteren Ende der Skala liegen vor allem dienstleistungsnahe Branchen. Im Handel, darunter die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen, betrugen die Arbeitskosten 2025 im Schnitt 37,20 Euro je Stunde. Im Bereich Verkehr und Lagerei lagen sie bei 35,80 Euro.

Noch niedriger waren die Werte bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen etwa Gebäudereinigung oder Sicherheitsdienste zählen. Hier kamen Arbeitgeber auf 33,20 Euro je geleisteter Stunde. Das Gastgewerbe – also Beherbergung und Gastronomie – bildet das Schlusslicht mit 27,40 Euro je Stunde.

Arbeitskosten deutscher Unternehmen je geleisteter Arbeitsstunde in Euro

Wirtschaftsabschnitt

2025

2020

Veränderung in Prozent*

Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

69,7

57,2

21,9

Energieversorgung

65,8

55,1

19,4

Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen

60,4

45,2

33,6

Information und Kommunikation

58,5

49,0

19,4

Bergbau

51,6

41,9

23,2

Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren

49,5

42,0

17,9

Grundstücks- und Wohnungswesen

47,5

40,0

18,8

Erziehung und Unterricht

47,0

41,2

14,1

Wasserversorgung; Abwasser- und Umwelt

42,0

34,3

22,4

Gesundheits- und Sozialwesen

41,7

33,5

24,5

Kunst, Unterhaltung und Erholung

41,6

35,1

18,5

Baugewerbe/Bau

39,6

31,2

26,9

Erbringung von sonstigen Dienstleistungen

38,8

32,7

18,7

Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen

37,2

30,9

20,4

Verkehr und Lagerei

35,8

29,0

23,4

Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen

33,2

25,0

32,8

Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie

27,4

20,9

31,1

Gesamtwirtschaft

45,0

36,8

22,3

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