4.8.2026 – Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten kann das Verständnis untereinander fördern und somit das Betriebsklima stärken. Dafür müssen in Auseinandersetzungen aber einige Regeln beachtet werden. Dazu gehört unter anderem, auf der Sachebene zu bleiben, Kollegen zuzuhören und sie zu verstehen, Spannungsherde rechtzeitig zu erkennen, nicht unter Druck zu streiten und auch den eigenen Anteil am Konflikt zuzugeben.
Mit Streit und Auseinandersetzungen gehen Menschen völlig unterschiedlich um. So ist es auch in einem Vermittlerbetrieb. Während die einen die Reibung geradezu suchen, versuchen andere, sie genauso zu vermeiden. Und dazwischen gibt es alle Graustufen.
Konflikte sind eine Chance
Der griechische Philosoph Heraklit sagte: „Krieg ist der Vater aller Dinge.“ Denn ohne die spannungsgeladene Auseinandersetzung gäbe es auch keine Veränderungen im Leben. Neudeutsch würde man sagen: Konflikte sind eine Chance – für die Streitenden und für das Betriebsklima.
Doch wie geht sinnvolles Streiten? Denn wer von einem Streit überrascht wird, fühlt sich oft überrumpelt, und unter dem Druck und der Spannung sagen wir Dinge, die wir bereuen. Das ist destruktiv. Deshalb gehen die meisten dem Streit mit Kollegen und Chefs lieber aus dem Weg.
Streit nicht persönlich nehmen
Gerade in der Berufswelt raten Kommunikationsexperten, auf der Sachebene zu bleiben. Das geht laut dem Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun aber nicht so einfach. Denn „Miteinander reden“, so einer seiner Buchtitel, bedeutet immer auch, dass man das Verhältnis zueinander regelt, also die Beziehungsebene.
Trotzdem sollte man der Sachebene mehr Bedeutung geben und weniger zwischen den Zeilen lesen. Also nicht etwa Annahmen machen, für die es (noch) keine Belege gibt. Eine gute Frage an sich selbst wäre: Was ist das Konstruktive an dem, was mein Gegenüber gerade sagt? Gibt es ein Argument, über das ich noch nicht nachgedacht habe?
Sich aufeinander einlassen
Wer versucht, seinen Kollegen zu verstehen und ihm zuzuhören, findet schneller Kompromisse. Die meisten Menschen neigen dazu, während der andere noch redet, in Gedanken schon die eigene Antwort zu formulieren. Also gar nicht mehr zuzuhören.
Wichtig neben der Sachebene ist dann die Gefühlsebene: Wer einen Eindruck davon hat, wie sich der Gesprächspartner gerade fühlt, wird weniger häufig verletzend oder übergriffig. Auch Missverständnisse lassen sich klären, indem man einander zuhört und Fragen stellt. Das nennt man gemeinhin Konfliktfähigkeit.
Streiten ermöglicht, sich selbst und andere besser kennenzulernen, Wünsche, Gefühle und Interessen in Worte zu fassen. Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten stärkt das Selbstbewusstsein, erweitert mit jedem Streit das eigene Verhaltensrepertoire und erleichtert, sich mit anderen zu verständigen.
Reden verhindert Streit
Offenheit und Achtsamkeit anderen, aber vor allem sich selbst gegenüber, sorgen dafür, dass wir Spannungsherde erkennen, bevor einer explodieren kann. Gerade in Arbeitssituationen werden Konflikte allzu gern unter den Teppich gekehrt, schwelen vor sich hin oder es werden sogar hintenrum Allianzen geschmiedet. Wie viel Energie geht da in „Firmenpolitik“ statt in die Arbeit?
Es kostet Überwindung, das Thema früher und direkt anzusprechen und so vielleicht gleich aus dem Weg zu räumen. Erkennen, was uns provoziert, ist der erste Schritt dazu, Streit zu verhindern. Ein Gesprächseinstieg ist dann eben nicht: „Sie sind immer so …“, sondern: „Ich möchte mit Ihnen reden, damit wir Möglichkeiten finden, um solche Situationen beim Kunden in Zukunft zu vermeiden.“
In Ich-Sätzen sprechen
Eine Meinung vertreten, ohne andere zu verletzen, kann man üben.
Zum Beispiel, indem man Ich-Sätze bildet. Oder Worte wie „immer“ oder „nie“ vermeidet. Oder den Partner nicht vorsätzlich provoziert und zu Wort kommen lässt.
Zeitmanagement beachten
Der Konflikt beim Kunden liegt noch im Magen? Das ist ein schlechter Zeitpunkt, um sinnvoll zu streiten, denn die Emotionen köcheln noch. Es ist hilfreich, eine Nacht darüber zu schlafen, den Druck abzubauen, sich selbst Zeit zu geben, die Schuld nicht nur beim anderen zu suchen, sondern auch bei sich selbst. Das wird der Konfliktpartner wahrscheinlich ähnlich machen.
Als Faustformel sollte das Gespräch allerdings am nächsten oder übernächsten Tag gesucht werden. Am besten vorher angekündigt: „Das lief nicht gut. Momentan sind wir beide aber unter der Decke. Lassen Sie uns morgen Vormittag darüber reden, damit wir es beim nächsten Kundenbesuch besser machen. Passt das für Sie?“
Eigene Fehler zugeben
Zum Tango gehören zwei: Selbst wenn man der Chef oder Vorgesetzte ist, dann weiß man es nicht unbedingt besser und macht es auch nicht unbedingt besser. Eine wunderbare Frage an sich selbst: Was ist mein Anteil an dem Konflikt? Das ist ein guter Einstieg in ein Gespräch, denn das zeigt, dass es nicht um eine einseitige Vorgabe geht, sondern um eine gemeinsame Lösung.
Diesen Fehler und den eigenen Anteil am Konflikt zuzugeben, ist hilfreich. Und wenn das eigene Verhalten verletzend für den anderen gewesen ist, ist eine Entschuldigung sinnvoll.
Selbst wenn man so gar nicht das Gefühl hat, verletzend gewesen zu sein, der andere aber verletzt ist, wirkt ein Satz entspannend wie: „Auch wenn das überhaupt nicht meine Absicht gewesen ist, ich verstehe, dass Sie das verletzt hat, und das tut mir leid“.




