Inwieweit ist das alles noch zumutbar?

23.8.2004 – Es ist schon sehr verfroren, mit welch listigen Tricks unsere Politik das marode Sozialsystem umbaut. Hartz IV ist mit all den weiteren sogenannten Reformen nur ein Teil des großen Reformplanes. Was passiert eigentlich im weiteren Sinn mit unserem Rentensystem bzw. Gesundheitssystem?

Fakt ist die baldige Zahlungsunfähigkeit beider Systeme, wenn es so weitergeht wie bisher. Was jedoch jetzt speziell im Rentensystem passiert, ist die willkürlich hervorgebrachte und bewusst gesteuerte Systemumwandlung der privaten Altersversorgung in ein nachgelagertes Besteuerungssystem, damit später einmal eine vermutlich bis dahin auf niedriger Basis eingeführte Mindestrente mit den Besteuerungserlösen finanziert werden kann.

All die heute vorgegebenen Freibeträge und Ertragssteuertabellen werden in Zukunft nicht mehr auf dem heutigen Stand sein. Das der bisher erfolgreich und zum Großteil sehr qualifiziert arbeitende freie Vertrieb außen vor bleiben soll, wird offensichtlich noch nicht einmal von unseren sogenannten Interessenvertretern wahrgenommen.

Was bedeutet denn Riesterrente, Basisrente und laufende Rententarife ohne Kapitalwahlrecht für den Vertrieb? Ganz klar ein erheblicher Einkommensverlust. Eine Beratung bei Riester und Basisrente wird nur ungezillmert auf Jahre verteilt vergütet.

Die erbrachte Dienstleistung des Vertriebes erfolgte jedoch sofort. Eine Umstellung auf vom Kunden privat honorierte Dienstleistung sollte in der gesamten Branche das kurzfristige Ziel sein. Bei Rentenversicherungen ohne Kapitalwahlrecht werden uns durch den Wegfall der im Rentenalter erwarteten Neuberatung für die Einmalauszahlung zusätzliche Einnahmemöglichkeiten schlicht durch die Politik gestrichen.

Für Maklerunternehmen bedeutet dies zudem einen Wertverlust des Unternehmens bei Verkauf. Gleichzeitig sollen wir einem heute Zwanzigjährigen einen Versicherer mit gutem Gewissen für die nächsten fünfundsechzig Jahre empfehlen.

Kein Wunder das die Allianz als Primus das neue Alterseinkünfte-Gesetz befürwortet. Mehr denn je wird man aus diesem Horn hören... wir sind die Größten und bei uns ist ihr Geld sicher!! Das bAv Geschäft läuft heute doch ebenfalls zum Großteil über Verbände, Verbünde und Rahmenverträge, wo der einzelne Vertriebler oft nicht mithalten kann.

Als Folge von Harzt IV und dem Alterseinkünfte-Gesetz kann eine private Altersversorgung ohnehin nur noch in einzelne Investmentfonds empfohlen werden und bei drohender Arbeitslosigkeit sollte das Geld unter das Kopfkissen oder in das Ausland geschafft werden.

Bekanntlich wird der Vertrieb mit den Provisionen aus den Investmentfonds gerade bei monatlichen Sparbeiträgen auch nicht reich. Also wird auch hier eine Beratung auf Honorar erforderlich sein und sich hoffentlich bald durchsetzen.

Dazu bedarf es jedoch eines Ruckes in der Vermittlerschaft und ein genereller Systemwechsel der Provisionsregelung in Deutschland. Wenn alle am gleichen Strang ziehen, können sich die ganzen Anbieter Ihre Provisionen und Courtagen sparen und dem Kunden dafür lieber günstigere Prämien zuteil werden lassen.

Gleichzeitig wäre auch das Thema Ausgleichsanspruch für HGB 84 ´er und Anerkenntnis von Makleraufträgen bei HGB 93 ´er und weitere den Vertrieb betreffende Problematiken ( z.B. Kostenaufwand für Protokollführung ab 01.2005 ) ein für alle mal vom Tisch.

Wann, wenn nicht jetzt, hätte die gesamte Branche die Möglichkeit zum Umstellen auf eine durch den Kunden direkt honorierte Beratung. Erklärbar wäre ein derartiger Systemwechsel mit den Vorgaben aus der Politik.

Ein Problem könnten dann die Anbieter darstellen, da der Vertrieb dann sicherlich nicht mehr ganz so in Ihrem Sinne wie bisher steuerbar wäre. Eventuell sollten alle mit dem Versicherungs- und Investmentvertrieb beschäftigten Personen in Deutschland ebenfalls einmal auf die Straße gehen und für die eigenen Interessen demonstrieren.

Das wäre dann eine Demo von einem fachlich versierten Personenkreis. Da wir unter der Woche in aller Regel täglich zwischen vierzehn bis sechzehn Stunden für unsere Mandanten zur Verfügung stehen, wäre als Demotag nur der Sonntag empfehlenswert.

Aber bei der mittlerweile hohen Anzahl von Verbänden und der Unfähigkeit zur Bildung eines gemeinsamen Auftrittes in unserer Branche, wird aus meinem Wunsch wohl nichts werden und wir müssen wieder einmal mehr alles was uns vorgelegt wird einfach schlucken.

Wie viel ehrgeizigen Einzelkämpfern und kleineren Betrieben die neuen Vorgaben langfristig die Existenz kosten werden, wird man wohl nie erfahren.

Hans-Jürgen Kaschak

veka.kaschak@t-online.de

zum Artikel: „Vor Hartz IV ist wenig sicher”.

 

 

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