Alterseinkommen: Wunschniveau zwischen 50 und 100 Prozent

27.4.2026 – Den Mindestbedarf, um über die Runden zu kommen, liegt laut einer vom GDV beauftragten Umfrage im Durchschnitt bei 58 Prozent. Knapp ein Drittel der Befragten hält ein Versorgungsniveau von 50 Prozent oder weniger für ausreichend. Eine ähnlich große Gruppe strebt 100 Prozent oder mehr an. Rund zwei Drittel wollen mehr Eigenverantwortung in der Altersvorsorge übernehmen. Ein entscheidender Faktor dafür bleibt eine gute Beratung. Der GDV fordert unter anderem, für kleinere und mittlere Unternehmen ein standardisiertes bAV-Basisprodukt zu schaffen.

Wie hoch sollte das Einkommen im Alter sein? Eine repräsentative Befragung von mehr als 4.200 Erwerbstätigen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) liefert zu dieser und anderen aktuell diskutierten Fragen neueste Zahlen.

Vorstellungen über das Alterseinkommen stark unterschiedlich

Jörg Asmussen (Bild: GDV)
Jörg Asmussen (Bild: GDV)

„Im Durchschnitt wünschen sich die Deutschen ein Alterseinkommen, das 78 Prozent ihres derzeitigen Nettoeinkommens entspricht. Den Mindestbedarf, um über die Runden zu kommen, sehen sie im Durchschnitt bei 58 Prozent“, sagte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV.

Dieser Durchschnittswert errechnet sich allerdings aus stark unterschiedlichen Bedarfen. Knapp ein Drittel der Befragten hält ein Versorgungsniveau von 50 Prozent oder weniger für ausreichend. Eine ähnlich große Gruppe strebt 100 Prozent oder mehr an.

Diese Bandbreite spiegelt sicherlich auch die individuelle Vermögenssituation wider. So wünschen sich Mieter ein höheres Versorgungsniveau als Menschen mit Wohneigentum. Auch wer mit höheren Pflegekosten rechnet, plant mit mehr Einkommen im Ruhestand.

70 Prozent halten ihre Wunschversorgung für nicht erreichbar

Die GDV-Umfrage bestätigt erneut: Ein Großteil der Menschen sorgt sich um ihr Auskommen im Alter. Laut Stimmungsbarometer Finanzen 2026 der Postbank sind es 35 Prozent (VersicherungsJournal 9.12.2025)

Der GDV kommt selbst in der Gruppe, die bereits privat und betrieblich vorsorgt, zu einem noch wesentlich schlechteren Ergebnis. Hier hält es nur etwa ein Drittel für wahrscheinlich, die eigene Wunschversorgung im Alter tatsächlich zu erreichen. Unter Personen ohne zusätzliche Vorsorge ist der Anteil noch deutlich geringer (14 Prozent).

Eigenverantwortung scheitert oft an der Komplexität der Materie

Dabei ist die Bereitschaft hoch, selbst aktiv zu werden. Rund zwei Drittel der vom DIW Befragten wollen mehr Eigenverantwortung in der Altersvorsorge übernehmen: Nur fünf Prozent lehnen dies klar ab.

Die Umsetzung scheitert aber insbesondere an der Komplexität der Materie. Unter den Befragten, die das Thema Altersvorsorge als kompliziert empfinden, gibt mehr als ein Drittel (37 Prozent) an, dass sie sich deshalb nicht aktiv damit beschäftigen (26.2.2026)

Der GDV fordert deshalb unter anderem, für kleinere und mittlere Unternehmen ein standardisiertes bAV-Basisprodukt zu schaffen: digital, portabel und administrativ einfach – damit auch Arbeitgeber ohne eigene Personalabteilung ihre Beschäftigten unkompliziert absichern können. Zudem sollte die Förderung von Geringverdienenden in der bAV gezielt ausgebaut werden.

Beratung ist und bleibt die wichtigste Stellschraube

Wie auch immer die Politik die gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge reformieren wird: Ein entscheidender Faktor für mehr Eigenverantwortung bleibt eine gute Beratung. Mehr als die Hälfte derer, die sich beraten lassen, schließen danach auch ein Vorsorgeprodukt ab (5.11.2025)

Ohne Beratung fehlt zumindest bei einem Drittel der Menschen der zentrale Hebel, um die Einsicht in die Notwendigkeit privater Altersvorsorge in entsprechendes Handeln umzusetzen. Wichtigster Ansprechpartner sind und bleiben Versicherungen.

Nach Meinung des GDV zeigen die Ergebnisse, dass die Vorstellungen der Menschen über ihr Einkommen im Alter weit auseinandergehen. „Sie machen aber auch deutlich, dass die gesetzliche Rente allein für viele nicht ausreichen wird. Entscheidend ist jetzt, die ergänzende Vorsorge stärker in die Breite zu bringen“, kommentierte Jörg Asmussen.

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