12.5.2026 – Die Pflege durch Angehörige zuhause ist oft mit spürbaren Eigenkosten verbunden. Im Schnitt fallen monatlich rund 469 Euro an, so zeigt eine Erhebung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Gleichzeitig werden Leistungen der Pflegeversicherung nur eingeschränkt genutzt. Auch der zeitliche Aufwand ist erheblich: Rund jeder fünfte Angehörige investiert 30 Stunden und mehr pro Woche in die Pflege.
Dass Pflegebedürftige zuhause von Angehörigen versorgt werden, ist in Deutschland weiterhin der Regelfall. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) wurden Ende 2023 rund 4,9 Millionen Menschen mit Pflegegrad beziehungsweise 86 Prozent aller Pflegebedürftigen zuhause betreut.
Davon erhielten 3,1 Millionen Betroffene ausschließlich Pflegegeld und nahmen keine regelmäßigen ambulanten Sachleistungen eines Pflegedienstes in Anspruch.
Vor diesem Hintergrund hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) gemeinsam mit der Forsa Politik und Sozialforschung GmbH eine Studie vorgelegt, die die Belastung pflegender Angehöriger untersucht. Dafür wurden 1.500 pflegende Angehörige repräsentativ nach Pflegegraden befragt.
Frauen übernehmen Großteil der häuslichen Pflegearbeit
Wie das Wido berichtet, wird die häusliche Pflege nach wie vor mehrheitlich von Frauen übernommen. 2025 waren 60,4 Prozent der Pflegenden weiblich und 39,6 Prozent männlich. Der Anteil männlicher Pflegender ist damit gegenüber 2023 um 2,7 Prozentpunkte gestiegen. Das Durchschnittsalter der Pflegenden lag 2025 bei 59 Jahren.
Pflegende Angehörige versorgen vor allem die eigenen Eltern (42 Prozent), gefolgt vom Partner oder der Partnerin (29 Prozent). Mehr als jede zehnte Person (zwölf Prozent) kümmert sich um ein eigenes Kind.
Bei den Pflegebedürftigen zeigt sich zugleich ein hoher Unterstützungsbedarf: Rund 85 Prozent weisen Pflegegrad 2 oder 3 auf, mehr als jeder Zehnte (13,1 Prozent) ist mit Pflegegrad 4 oder 5 schwer bis schwerst beeinträchtigt. Knapp 16 Prozent sind zudem demenziell erkrankt.
Pflege dauert oft länger als fünf Jahre – und ist für viele ein „Vollzeitjob“
Die häusliche Pflege ist dabei in der Regel kein kurzfristiges Engagement: 50,7 Prozent der Befragten pflegen seit ein bis fünf Jahren, weitere 38,3 Prozent bereits länger. Etwa die Hälfte (51,8 Prozent) lebt mit der pflegebedürftigen Person im selben Haushalt. Das Durchschnittsalter der pflegebedürftigen Personen liegt bei 72,7 Jahren.
Die Daten zeigen zudem den hohen Zeitaufwand der Angehörigenpflege. 63,4 Prozent der Befragten übernehmen Pflegeaufgaben an jedem Tag der Woche – also auch an Wochenenden. Weitere 24,2 Prozent nehmen entsprechende Aufgaben an mehr als zwei Tagen pro Woche wahr, aber nicht täglich.
Das zeigt sich auch in der wöchentlichen Stundenzahl: Knapp 40 Prozent der Befragten sind mindestens 20 Stunden und länger pro Woche in die Pflege eingebunden. 14,2 Prozent leisten sogar 40 Stunden und mehr – und erreichen damit ein Niveau, das einer Vollzeitbeschäftigung entspricht oder dieses sogar übersteigt. Jede fünfte Person leistet mindestens 30 Stunden wöchentliche Pflege.
Jeder zweite Teilzeitbeschäftigte schränkte Arbeit wegen Pflegeaufgaben ein
59 Prozent der Hauptpflegepersonen in Deutschland sind der Umfrage zufolge erwerbstätig. Davon arbeiten 31,3 Prozent in Vollzeit und 27,7 Prozent in Teilzeit. Die Daten deuten darauf hin, dass die Pflege von Angehörigen häufig mit Einschnitten im Erwerbsleben verbunden ist:
- Knapp die Hälfte der in Teilzeit Beschäftigten (45,2 Prozent) hat ihre Arbeitszeit aufgrund der Pflege reduziert.
- Von den Befragten ohne aktuelle Erwerbstätigkeit hat knapp jeder Zehnte (9,8 Prozent) die Berufstätigkeit wegen der Pflege ganz aufgegeben.
Auch die Belastung bleibt hoch: 46,9 Prozent der erwerbstätigen pflegenden Angehörigen fühlen sich körperlich und psychisch stark belastet. Unter den Nicht-Erwerbstätigen liegt der Anteil mit 38,3 Prozent ebenfalls auf einem hohen Niveau, fällt jedoch etwas geringer aus.
Monatlich 469 Euro für Pflegeleistungen aus eigener Tasche
Viele pflegende Haushalte tragen zusätzlich zu den Leistungen der Pflegeversicherung regelmäßig erhebliche private Kosten. Von den Befragten, die mindestens eine entsprechende Leistung nutzen, geben 43,6 Prozent zusätzliche Eigenkosten für Pflegeleistungen an. Im Mittelwert belaufen sich diese auf rund 469 Euro pro Monat.
Die Höhe der Zuzahlungen variiert je nach Leistungsart deutlich: Für Pflegedienste werden im Mittel 277 Euro pro Monat selbst gezahlt, für die Tagespflege rund 397 Euro.
Hohe private Ausgaben für Kurzzeitpflege
Besonders hoch fallen die Eigenanteile bei der Kurzzeitpflege aus, die im Schnitt bei 677 Euro pro Monat liegen. Dabei handelt es sich um eine vorübergehende vollstationäre Versorgung in einer Einrichtung, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die häusliche Pflege kurzfristig nicht möglich ist.
Auch bei der Verhinderungspflege entstehen mit durchschnittlich 307 Euro zusätzliche Kosten. Sie greift, wenn die Hauptpflegeperson vorübergehend ausfällt, etwa wegen Krankheit oder Urlaub. Da es sich bei beiden Leistungen um zeitlich begrenzte Unterstützungsformen handelt, wurden die anfallenden Kosten zur besseren Vergleichbarkeit auf monatliche Durchschnittswerte umgerechnet.
Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf laufende monatliche Eigenanteile zu Pflegeleistungen. Nicht enthalten sind mögliche Einkommensverluste durch reduzierte Erwerbstätigkeit, Ausgaben für Medikamente sowie einmalige Kosten, etwa für einen behindertengerechten Umbau der Wohnung.
Angebote der Pflegeversicherung werden nicht umfangreich genutzt
Trotz der hohen Gesamtbelastung pflegender Angehöriger werden die bestehenden Angebote der Pflegeversicherung zur Entlastung der häuslichen Pflegesituation nur wenig genutzt. Der Umfrage zufolge nehmen 55,2 Prozent derjenigen, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, keine weiteren pflegerischen Unterstützungsleistungen in Anspruch.
37,8 Prozent der Pflegegeldbeziehenden nutzen Verhinderungs-, Urlaubs- oder Ersatzpflege, zwölf Prozent Kurzzeitpflege und acht Prozent Tagespflege.
Vorbehalte gegen fremde Pflegepersonen
Finanzielle Gründe erklären die geringe Inanspruchnahme der Unterstützungsangebote der Pflegeversicherung nur teilweise. Deutlich häufiger werden fehlender Bedarf oder der Wunsch genannt, die Pflege nicht durch fremde Personen durchführen zu lassen.
So geben je nach Leistung zwischen 43 und 52 Prozent der Nicht-Nutzenden an, keinen entsprechenden Bedarf zu sehen. Eine zentrale Rolle spielen zudem persönliche Vorbehalte gegenüber professioneller Hilfe: Beim Pflegedienst etwa geben bis zu 46,5 Prozent an, dass die pflegebedürftige Person keine fremden Personen zur Betreuung und Pflege wünsche.
Die Studie „Zur Lage pflegender Angehöriger – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede“ mit weiteren Ergebnissen und Studiendetails kann unter diesem Link (PDF, 3,65 MB) heruntergeladen werden.





