22.5.2026 – Autofahren wird immer sicherer. Grund sind neue Assistenzsysteme, die immer stärker teilautomatisiertes Fahren ermöglichen. Doch für die Kfz-Versicherung gibt es eine Kehrseite. Die hochgezüchtete Technik macht die restlichen Schäden deutlich teurer. Das gilt auch für eine höhere Elektromobilität, wie eine Studie zeigt.
Moderne Fahrerassistenzsysteme tragen zwar dazu bei, Unfälle zu vermeiden, erfordern jedoch den Einbau zahlreicher Sensoren, Kameras und zusätzlicher Technik. Dadurch entsteht ein gegenläufiger Effekt: Nach einem Unfall oder beim Austausch einer beschädigten Frontscheibe müssen häufig auch Kameras und Sensoren ersetzt sowie die Systeme neu kalibriert werden.
Damit werden viele Reparaturen deutlich teurer. Das zeigt die Studie „Trendanalysen Kfz-Versicherung 2040 – Automatisiertes Fahren & E-Mobilität“ des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).
Bis zu 75 Prozent höherer Schadenaufwand bis 2040
Die Analyse basiert auf Schadendaten und Einschätzungen von Experten aus Ingenieurwesen, Unfallforschung und Versicherung. Zudem wurde die Inflation berücksichtigt.
Moderne Assistenzsysteme reduzieren die Unfallzahlen erheblich. Doch der Reparaturaufwand für die immer teureren Systeme sowie eine starke Inflation bei Ersatzteilen führen unter dem Strich zu deutlich höheren Kosten in der Autoversicherung.
Sollten die Preise weiterhin so stark steigen wie im letzten Jahrzehnt, nämlich 3,7 Prozent pro Jahr, ist bis 2040 mit einem Anstieg des Schadenaufwandes von bis zu 75 Prozent zu rechnen.
Viele Schäden unvermeidbar
Ein Grund ist, dass sich viele Schäden mit Fahrerassistenzsystemen nicht vermeiden lassen. Das gilt besonders für Teilkaskoschäden. So heißt es in der Studie: „Ein Autobahnpilot schreckt keine Autodiebe ab, eine Einparkhilfe schützt weder vor Steinschlägen noch vor Hagel, Wildunfällen oder Marderbissen.“
Auch in der Kfz-Haftpflichtversicherung würden Schäden weiterhin vorkommen – etwa, wenn jemand unachtsam eine Autotür öffnet oder weil selbst das modernste Notbremssystem die physikalischen Grenzen des Bremswegs nicht außer Kraft setzen kann.
So stellen die Wissenschaftler fest: „Die genannten Systeme sind daher theoretisch maximal für 62 Prozent der Schäden oder 54 Prozent der Entschädigungsleistungen in der Kfz-Haftpflichtversicherung relevant. In der Kaskoversicherung lassen sich durch Fahrerassistenzsysteme maximal 18 Prozent der Schäden und 26 Prozent der Entschädigungsleistungen adressieren.“

- Maßgebliche Fahrerassistenzsysteme bis 2040 (Bild: GDV)
Mehr Sicherheit kommt
Autofahrer können somit nicht damit rechnen, dass in der Zukunft ihre Kfz-Versicherung günstiger wird. Das gilt auch dann nicht, wenn sie moderne Fahrzeuge mit hoher Sicherheitsausstattung fahren.
Trotzdem wird aber das Fahren sicherer. Bis 2040 wird laut der Prognose die Schadenanzahl um bis zu 14 Prozent sinken. Besonders große Wirkung haben Park- und Rangierassistenten sowie Notbrems- und Spurwechselassistenten.

- Maßgebliche automatisierte Fahrfunktionen bis 2040 (Bild: GDV)
Elektromobilität verändert das Schadenbild
Auch die Elektromobilität verändert das Schadenbild und gewinnt erheblich an Gewicht. So rechnen die Wissenschaftler damit, dass knapp 60 Prozent aller haftpflichtversicherten Pkw bis 2040 Elektroautos sein könnten. Reparaturen sind bei Elektrofahrzeugen nach einer Kollision derzeit rund 10 Prozent teurer als bei Verbrennern.
Die GDV-Experten erwarten, dass Routine und steigende Stückzahlen diesen Aufschlag bis 2040 auf rund fünf Prozent senken – ein dauerhafter Mehraufwand dürfte jedoch bestehen bleiben.
Trotzdem dürfte durch die sinkenden Kosten die Einstufung von Elektrofahrzeugen in die Typklassen günstiger ausfallen. Daher könnte sich hier ein Trend zu einer etwas günstigeren Kfz-Versicherung einstellen.




