23.6.2026 – Eine gemeinsame Studie der WIP-Forscher und des Assekuranzkonzerns VKB zeigt, bei welchen Absicherungsfragen besonders viele Menschen die von ihnen als wichtig erkannten Maßnahmen nicht konsequent ausführen. Für ihre finanzielle Vorsorge zahlen die etwa 3.000 Befragten hierzulande durchschnittlich knapp 184 Euro pro Monat. Mehr als 200 Euro legt nach eigener Aussage nur jeder vierte Teilnehmer fürs Alter zurück.
Das WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV hat gemeinsam mit der Versicherungskammer Bayern (VKB) eine Studie zum Thema Gesundheit im Alter durchgeführt. Für die Studie „Langlebigkeit und Vorsorge – Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung in Deutschland“ wurden etwa 3.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 79 Jahren hierzulande repräsentativ befragt.
Demnach bewerten 38 Prozent der Befragten die Aussicht, 100 Jahre alt zu werden, positiv, 32 Prozent hingegen eher negativ. Denn ein langes Leben wird zwar häufig mit mehr Zeit für Familie, Freunde und persönliche Erfahrungen verbunden. Gleichzeitig bestehen erhebliche Sorgen vor Krankheit, Pflegebedürftigkeit, finanzieller Unsicherheit und sozialer Isolation im Alter.
Besonders ausgeprägt sind die Sorgen um Gesundheit und Selbstständigkeit, die für 73 Prozent der Befragten zentral sind. 62 Prozent nehmen die finanzielle Absicherung als Herausforderung wahr.
Gesundheitliche Vorsorge hat die höchste Priorität
Einen hohen Stellenwert genießt in der Bevölkerung die gesundheitliche Vorsorge. Rund 80 Prozent der Befragten halten regelmäßige Bewegung und Vorsorgeuntersuchungen für geeignete Maßnahmen, um Risiken im Alter vorzubeugen.
Jedoch zeigt die Umfrage eine große Spannweite in der tatsächlich praktizierten Gesundheitsvorsorge. Zehn Prozent der Befragten geben an, keinerlei körperlicher Aktivität nachzugehen. Weitere 20 Prozent bewegen sich weniger als eine Stunde pro Woche.
Andererseits ist ebenfalls rund ein Fünftel der Teilnehmer mehr als vier Stunden pro Woche sportlich aktiv. Auch bei anderen gesundheitsbezogenen Vorsorgemaßnahmen zeigen sich deutliche Umsetzungslücken, insbesondere bei der Stressbewältigung und ausreichendem Schlaf.
Umsetzungslücken bei der finanziellen Vorsorge

- Frank Wild (Bild: WIP)
Ebenso werden digitale Gesundheitstechnologien bislang nur von einer Minderheit regelmäßig genutzt. Die größte Verbreitung weisen Gesundheits-Apps und Wearables auf, die 28 Prozent der Befragten regelmäßig nutzen.
Noch seltener werden die Maßnahmen zur finanziellen sowie rechtlich-organisatorischen Vorsorge – etwa durch Vollmachten oder Patientenverfügungen – in die Tat umgesetzt. Obwohl viele Befragte diese Bereiche „für wichtig halten“, gibt es hierbei große Lücken.
„Viele wissen um die Bedeutung von Vorsorge, aber es scheitert oft an inneren und äußeren Barrieren – vor allem finanzielle Unsicherheit, Zeitmangel und die Komplexität der Angebote bremsen“, berichtet WIP-Leiter Dr. Frank Wild aus den Ergebnissen der Onlinebefragung. „Wir sehen kein Bewusstseinsproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“
Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Handeln
Besonders deutlich wird die Diskrepanz zwischen Vorsorgebewusstsein und Handeln bei der Risikoabsicherung beziehungsweise dem Abschluss entsprechender Versicherungen wie zum Beispiel Pflege-, Kranken-, Renten-, Lebens-, Unfall- und Berufsunfähigkeitspolicen.
Die Gap-Analyse zeigt die Differenz zwischen zwei Anteilswerten. Einerseits derjenigen, die eine Maßnahme „überwiegend“ oder „voll und ganz“ umsetzen, und andererseits derjenigen, die diese Maßnahme als „eher stark“ oder „sehr stark“ geeignet bewerten.
Negative Werte kennzeichnen eine Umsetzungslücke, bei der die wahrgenommene Eignung die tatsächliche Umsetzung übersteigt. Dies ist neben der Risikoabsicherung (–19 Prozentpunkte) bei den Themen Vermögensaufbau (–16), Immobilienerwerb (–12) und Karriereaufbau (–zehn) der Fall.

- Gap-Analyse finanzieller Vorsorgemaßnahmen (Bild: WIP)
Knapp 184 Euro pro Monat für finanzielle Vorsorge
Auf die Frage, wie viel Geld sie durchschnittlich pro Monat für ihre finanzielle Vorsorge verwenden, antworten 19 Prozent, dass sie keinerlei finanzielle Vorsorge betreiben. Ebenso viele geben einen Wert zwischen 51 und 100 Euro an.
„Mehr als 1.000 Euro“ legen nach eigener Aussage lediglich vier Prozent der Teilnehmer fürs Alter zurück. Einen Wert über 500 Euro nennen zehn Prozent und über 200 Euro 25 Prozent. Im Durchschnitt zahlen die Befragten knapp 184 Euro pro Monat für ihre finanzielle Vorsorge.
Dies umfasst laut der Studie „alle Ausgaben oder Rücklagen, die ganz bewusst und gezielt zur Absicherung beziehungsweise für den Vermögensaufbau oder zur Immobilienfinanzierung getätigt werden“. Beispiele hierfür seien Beiträge für die genannten Versicherungen zur Risikoabsicherung sowie Investments am Kapitalmarkt per ETFs, aktiv gemanagte Fonds oder Aktien.
Herausforderungen der steigenden Lebenserwartung
Die Ergebnisse „legen nahe, dass die Gesellschaft auf die Herausforderungen einer steigenden Lebenserwartung noch nicht ausreichend vorbereitet ist“, kommentieren die Studienautoren.
Demnach könne eine „positive und zukunftsorientierte Haltung zum eigenen Älterwerden“ die Eigenverantwortung fördern. „Wer dem Älterwerden mit einer positiven Zukunftseinstellung begegnet, setzt Vorsorgemaßnahmen häufiger um – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Einkommen.“
Weil Gesundheits- und Finanzkompetenzen wichtige Voraussetzungen für Eigenvorsorge sind, sollten sie stärker forciert werden, fordert Wild. „Neben individuellen Anreizen braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und leicht zugängliche Informationen, um Vorsorge wirklich zu fördern.“




