29.11.2023 (€) – Viele Beschäftigte wissen zu wenig über eine betriebliche Krankenzusatz-Versicherung (bKV) und können die Offerte daher kaum beurteilen. Auch Arbeitgeber scheuen Aufwand, Kosten und haben Zweifel an der Wirksamkeit. Bei Betrieben mit bKV sind die Erfahrungen dagegen positiv, wie eine Analyse der Arag belegt.
Im Geschäft mit der betrieblichen Krankenzusatz-Versicherung (bKV) ist noch viel Luft nach oben. Die Arbeitnehmer kennen das Konzept noch zu wenig, Arbeitgeber wissen teilweise nicht genau, ob das Angebot soviel bringt, wie es sie an Aufwand und Geld kostet.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie im Auftrag der Arag SE für die Arag Krankenversicherungs-AG, durchgeführt von der Yougov Deutschland GmbH. Für die Umfrage wurden 1.047 Beschäftigte aus Betrieben zwischen zehn und 249 Mitarbeitern befragt. Zusätzlich kamen 504 Entscheider oder Personalverantwortliche aus Firmen mit zehn bis zu 499 Angestellten zu Wort.
Den Zeitraum der Erhebung gibt die Arag vom 20. Juli bis zum 2. August an.
Geld und Homeoffice sind Beschäftigten am Wichtigsten
Für die Mitarbeitenden rangiert eine arbeitgeberfinanzierte bKV derzeit in der Rangfolge im hinteren Mittelfeld (18 Prozent finden sie sehr wichtig; für 21 Prozent gehört zum Standard). Viele Befragte haben von der Offerte keine genaue Vorstellung (17 Prozent machen keine Angaben).
Arbeitnehmer sind Benefits wie „finanzielle Anreize“ (69 Prozent), „flexibles Arbeiten“ (67 Prozent) und „betriebliche Altersvorsorge“ (67 Prozent) am wichtigsten. Gut ein Drittel kommt in den Genuss entsprechender Angebote. Zusätzliche Leistungen, die die Gesundheit betreffen, liegen dagegen in ihrer Bedeutung eher im Mittelfeld.
„Insbesondere flexiblen Arbeitszeiten (80 Prozent) und betrieblicher Gesundheitsvorsorge (72 Prozent) wird von Arbeitnehmern eine hohe positive Wirkung auf die eigene Gesundheit zugeschrieben“, heißt es in den Studienunterlagen.
Prioritäten: Zahnersatz, Sehhilfen und Vorsorge
Mitarbeiter, die bKV-Leistungen über ihren Arbeitgeber bereits in Anspruch genommen haben, sind „oft zufriedener (48 Prozent), motivierter (33 Prozent) und loyaler (23 Prozent)“, so die Arag. Fast jeder Vierte habe seinen Arbeitgeber auch wegen dieses Angebotes gewählt, jeder Zweite würde bei einem neuen Arbeitgeber besonders darauf achten.
Bei den Wunsch-Leistungen einer bKV gibt es für die Befragten eine Prioritätenliste: Arbeitnehmer würden vor allem die Erstattung von Zahnersatz/-behandlungen, Sehhilfen und Vorsorgeuntersuchungen begrüßen. Stationäre und Heilpraktiker-Leistungen sowie Kieferorthopädie sind laut der Studie weniger gefragt.
Betriebe mit bKV: bessere Mitarbeiterbindung, attraktiver für Bewerber
Während flexible Arbeitszeiten (46 Prozent) und betriebliche Altersvorsorge (bAV) von fast der Hälfte der Betriebe (44 Prozent) angeboten werden, wird die bKV nur von 18 Prozent offeriert.
Laut der befragten Entscheider ist die Verteilung von Budgettarif- (32 Prozent) und Bausteintarif-Modellen (41 Prozent) relativ ausgewogen, 26 Prozent haben ein Kombinationstarif-Modell gewählt. Am häufigsten werden aktuell ein Krankentagegeld (47 Prozent) sowie zahlreiche ambulante Leistungen (40-44 Prozent) angeboten.
Den Aufwand für die Einführung einer bKV schätzen die Befragten eher „überschaubar“ ein. 88 Prozent meint, dass sich die Arbeit gelohnt habe. Der Grund: „Am häufigsten werden starke Verbesserungen bei der Mitarbeiterbindung und bei der Attraktivität für qualifizierte Bewerber festgestellt“, so das Ergebnis der Untersuchung.
Unsere Studie unterstreicht die Bedeutung und das Potenzial einer bKV für Betriebe und ihre Mitarbeiter.
Dr. Roland Schäfer, Vorstandssprecher der Arag Krankenversicherung
Aufklärung zur bKV tut Not

- Roland Schäfer (Bild: Arag)
Zu den Planungen der mittelständischen Firmen: 37 Prozent der Betriebe, die noch keine bKV anbieten, haben sich noch gar nicht damit beschäftigt. Teilweise kennen sie das Konzept auch nicht (zwölf Prozent). 25 Prozent denken über eine Einführung nach, sind aber noch unentschlossen. Weitere zehn Prozent haben sich gegen eine Einführung entschieden.
13 Prozent wollen dagegen eine bKV einführen oder sind bereits in konkreten Planungen. Diese Unternehmen beabsichtigen die Umsetzung in der Mehrzahl (59 Prozent) bis Ende 2025. 43 Prozent der interessierten Entscheider bevorzugen einen reinen Baustein-Tarif, 23 Prozent einen Budget-Tarif. 26 Prozent wollen beides miteinander kombinieren.
Die Entscheidung gegen die Einführung einer bKV hat laut Arag-Studie verschiedene Gründe: Aufwand, Kosten, Zweifel an der Wirksamkeit oder passt nicht zum Betrieb. Firmen, „die sich noch nicht mit der Einführung einer bKV beschäftigt haben, zweifeln vor allem in der Mehrheit an spürbaren, positiven Effekten“, heißt es in der Auswertung.
„Unsere Studie unterstreicht die Bedeutung und das Potenzial einer bKV für Betriebe und ihre Mitarbeiter – mit Blick auf deren Gewinnung und Bindung genauso wie auf die Erhaltung ihrer Gesundheit und Motivation“, lässt sich Dr. Roland Schäfer, Vorstandssprecher der Arag Krankenversicherung, zu den Ergebnissen zitieren.




