Die Deutschen fürchten sich vor sinkendem Lebensstandard

2.10.2026 – Laut der R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen 2026“ bleibt der durchschnittliche Wert aller gemessenen Ängste auf Vorjahresniveau. Die Angst vor steigenden Preisen landet zum fünften Mal in Folge auf Platz 1. Auf den Plätzen 2 und 5 liegen die finanziellen Themen „Steuererhöhungen/Leistungskürzungen“ und „unbezahlbarer Wohnraum“. Auf Platz 3 rangiert die Sorge, dass die Zahl der Geflüchteten den Staat überfordert. Dabei haben sich die Zahlen im Ost-West-Vergleich angenähert. Im Schnitt erhalten Politiker die Schulnote 4,1 nach 3,8 im Vorjahr.

Die Deutschen sind zwar verunsichert. Die Stimmung ist aber nicht auf einem Tiefpunkt. Der Angstindex – der durchschnittliche Wert aller gemessenen Ängste – bleibt mit 38 Prozent nach im Vorjahr 37 Prozent (VersicherungsJournal 18.9.2025) nahezu unverändert. Das zeigt die repräsentative Studie „Die Ängste der Deutschen 2026“ des Infocenters der R+V Allgemeine Versicherung AG.

Das Angstniveau bleibt unverändert

„Damit liegt das Angstniveau insgesamt nur zwei Prozentpunkte höher als im bisher sorgenärmsten Jahr 2021. Und deutlich unter dem Spitzenwert von 52 Prozent im Jahr 2016“, sagte Studienleiter Grischa Brower-Rabinowitsch bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin.

Isabelle Borucki, Politikwissenschaftlerin der Philipps-Universität Marburg, begleitet die R+V-Studie seit einigen Jahren als Beraterin. Sie erklärte dazu: „Im Zentrum stehen finanzielle Sorgen. Weil das Geld knapper wird, treten andere Ängste in den Hintergrund.“ Acht Ängste haben sogar ihren bisher niedrigsten gemessenen Wert erreicht.

Überraschend: Trotz Rekordhitze bereits im Juni sinkt die Angst vor dem Klimawandel auf 30 Prozent (Platz 20). Noch geringer ist die Furcht vor Naturkatastrophen. Sie fällt um neun Prozentpunkte auf 27 Prozent (Platz 21), das ist der stärkste Rückgang einer Angst in diesem Jahr. „Angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Veränderungen wird das Gefühl der Angst offenbar durch Resignation überlagert“, analysierte Borucki.

Angstmacher Nummer 1: steigende Lebenshaltungskosten

Die Angst vor steigenden Preisen landete 2026 zum fünften Mal in Folge auf Platz 1 der insgesamt 25 verschiedenen Ängste, nach denen rund 2.400 Menschen befragt wurden. „Insgesamt 59 Prozent der Bevölkerung fürchten, dass ihr Geld dauerhaft nicht zum Leben reicht“, sagte Brower-Rabinowitsch. „Die Menschen erleben tagtäglich, wie kostspielig der Alltag inzwischen ist.“

Wie stark sie das belastet, zeigt der deutliche Anstieg der Sorge um sieben Prozentpunkte (2025: 52 Prozent). Sie belegt in diesem Jahr zum 16. Mal Platz eins – bei insgesamt 35 Befragungen. Besonders markant ist der Pessimismus in Westdeutschland ausgeprägt: Hier liegt die Furcht bei 60 Prozent, in Ostdeutschland bei 53 Prozent.

Explizit wurde auch nach der Angst gefragt, dass Wohnen unbezahlbar wird. Das befürchtet jeder Zweite (50 Prozent). Für Borucki „eine Angst mit sozialem Sprengstoff“. Dagegen ist drohende Arbeitslosigkeit nur noch für wenige Menschen ein Thema. Diese Sorge liegt auf dem vorletzten Platz, obwohl 51 Prozent eine schlechtere Wirtschaftslage befürchten (Platz vier).

Angst vor Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen wächst

„Für die Finanzierung von Sozialversicherungen, Verteidigung und Infrastruktur will der Staat viel Geld in die Hand nehmen“, sagte Brower-Rabinowitsch. „In dieser Situation beobachten wir, dass sich die Angst vor Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen in unserer Studie nach vorne schiebt.“ Sie rangiert auf Platz zwei und bereitet 53 Prozent der Menschen große Sorgen (2025: 49 Prozent/Platz drei).

Zwischen Ost und West sowie den Geschlechtern gibt es dabei kaum Unterschiede. „Den Bürgern ist klar, dass die steigenden Ausgaben entweder durch höhere Abgaben, geringere Leistungen oder zusätzliche Verschuldung ausgeglichen werden müssen“, führte Borucki aus. „Hinter der Angst vor höheren Steuern und Leistungskürzungen steht die Frage nach Fairness für jeden Einzelnen.“

Ranking (Bild: R+V)
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Migrationssorgen bleiben auf hohem Niveau

Die Zahl der Asylbewerber ist drastisch gesunken, die Ängste nicht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (52 Prozent) fürchtet, dass die Zahl der Geflüchteten den Staat überfordert – Platz drei (Vorjahr Platz zwei) der Studie. Unverändert auf Platz sieben rangiert die Angst, dass es durch weiteren Zuzug aus dem Ausland zu Spannungen kommt (47 Prozent).

Dabei haben sich die Zahlen im Ost-West-Vergleich angenähert. 55 Prozent der Ostdeutschen befürchten, dass der Staat durch die Geflüchteten überfordert ist, im Westen sind es 51 Prozent. Die Angst vor Konflikten durch weitere Zuwanderung liegt im Osten bei 50 Prozent und im Westen bei 47 Prozent.

Ranking (Bild: R+V)
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Vertrauen in die Politik schwindet

Im letzten Jahr wanderte die Furcht, dass Politiker ihren Aufgaben nicht gewachsen sind, von Platz sechs auf acht. Im aktuellen Ranking wird mit 48 Prozent wieder Platz sechs erreicht. Innerhalb von zwölf Monaten stieg der Wert um sechs Prozentpunkte. „Miserabel sind auch die Schulnoten für Regierung und Opposition“, berichtete der Studienleiter weiter.

„Der Notendurchschnitt liegt in diesem Jahr bei 4,1. Noch schlechter waren die Noten zuletzt während der Regierung Merkel im Jahr 2018.“ Im Jahr 2025 hatte die Politik für ihre Arbeit noch die Note 3,8 erhalten.

„Nach dem Ende der Ampel verknüpften viele mit Schwarz-Rot die Hoffnung auf mehr Führung, weniger Streit und eine schnelle wirtschaftliche Wende. Das hat sich nicht erfüllt“, ergänzte Politikwissenschaftlerin Borucki. „Zwischen den großen Ankündigungen und den spürbaren Ergebnissen klafft jetzt eine Lücke. Die Menschen sind enttäuscht und verlieren Vertrauen.“

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