19.5.2026 – In der Lebensversicherung hat die Bafin im vergangenen Jahr mit 1.044 Beschwerden über zehn Prozent weniger abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt waren es rund 1,3 Reklamationen pro 100.000 Verträge. Auf die höchste Beschwerdequote kam die Skandia. Auffällig ist, dass sich mit Heidelberger, Frankfurt Münchener und Proxalto drei weitere Run-off-Gesellschaften unter den Anbietern mit hohen Quoten wiederfinden.
Im vergangenen Jahr hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) 1.044 Beschwerden über die deutschen Lebensversicherer abschließend bearbeitet. Dies ist der aktuellen unternehmensindividuellen Beschwerdestatistik der Behörde zu entnehmen, die im Mai veröffentlicht wurde.
Rückläufige Entwicklung in Leben
Dies entspricht einem Rückgang um mehr als ein Zehntel im Vergleich zum Vorjahr, als es sogar um ein Siebtel nach unten gegangen war (VersicherungsJournal 19.5.2025). Noch niedriger fiel das Reklamationsvolumen auf 18-Jahressicht nur 2019 aus, als die Aufsicht nur 943 Beanstandung abschließend bearbeitete (19.5.2020).
Zwischen 2011 und 2014 waren es jeweils um die 2.000 Beschwerden. Der Höchstwert im Beobachtungszeitraum wurde 2008 gemessen. Seinerzeit lag das Volumen fast viermal so hoch wie zuletzt (22.4.2009).
Anders als in Leben waren in vielen anderen Sparten deutliche Steigerungen zu beobachten. So betrug das Plus in der Wohngebäudeversicherung ein Dreizehntel (15.5.2026) und in der Kfz-Versicherung sogar fast zwei Drittel (12.5.2026).
Verschwindend wenige Reklamationen über Lebensversicherer
Die Beschwerdequote in Leben liegt mit nur rund 1,3 (2024: 1,4) Beanstandungen pro 100.000 Verträge weiterhin auf verschwindend niedrigem Niveau. Sie ergibt sich aus den Reklamationen in Relation zum Vertragsbestand von 79,56 Millionen zum Jahresende 2024.
Selbst wenn man noch die knapp 2.700 Reklamationen (plus 0,6 Prozent) in der Sparte beim Versicherungsombudsmann e.V. (29.4.2026) hinzurechnet, ändert dies nichts. Denn selbst dann blieben rund 99.995 von 100.000 Kontrakten beschwerdefrei.
Skandia mit der höchsten Beschwerdequote
Insgesamt werden in der Statistik 65 (2024: 64) Lebensversicherer aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Vertragsbestand von mehr als 100.000 errechnen sich für insgesamt vier Anbieter Werte von mindestens vier Reklamationen pro 100.000 Versicherungsverhältnisse.
Auf den ersten vier unrühmlichen „Spitzenplätzen“ liegen ausschließlich Run-off-Gesellschaften. Für die Skandia Lebensversicherung AG errechnet sich eine Quote von weit über zehn Reklamationen pro 100.000 Verträge. Dabei kamen auf etwa 179.550 Policen 19 Reklamationen.
Knapp dahinter folgen an zweiter und dritter Stelle mit jeweils knapp über sechs Beanstandungen pro 100.000 Verträge die Heidelberger Lebensversicherung AG (19 Eingaben zu 310.400 Stück) und die Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG (elf zu 180.400). Bei der Proxalto Lebensversicherung AG stand eine Vier vor dem Komma (111 Beanstandungen bei knapp 2,71 Millionen Kontrakten).
Auf Beschwerdequoten zwischen 3,7 und 2,5 kommen die Deutsche Ärzteversicherung AG (neun zu 245.350), die HDI Lebensversicherung AG (60 zu 1,73 Millionen), die Signal Iduna Lebensversicherung AG (fünf zu 162.150), die LPV Lebensversicherung AG (30 zu 1,05 Millionen), die Baloise Lebensversicherung AG Deutschland (19 zu 701.100) und die Condor Lebensversicherungs-AG (sechs zu 225.600).
Lebensversicherer mit verbesserter Quote
Besonders deutlich verbessert hat sich die Proxalto, über die die Bafin 2025 68 Beanstandungen weniger abschließend bearbeiten musste als ein Jahr zuvor. Bei abschmelzendem Bestand verbesserte sich auch die Quote.
Dies gilt auch für die Skandia (sieben Reklamationen weniger) und die Heidelberger (acht Beschwerden weniger). Während sich bei der LPV die Zahl der Eingaben von 40 auf 30 verminderte, blieben Signal Iduna und Deutsche Ärzte auf dem Niveau des Vorjahres.
Nachteil für wachstumsstarke Versicherer
Seit etwa einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt den Angaben zufolge eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.
Die Zahlen sollen „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Aufsicht. Die Behörde weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, geben die Daten nicht her.
Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.






