Die privaten Krankenversicherer mit den höchsten Abschlusskostensätzen

27.10.2026 – Im Fünfjahresschnitt (2021 bis 2025) verzeichnete die Branche eine Abschlusskostenquote von 6,83 Prozent. Für die LKH stand laut dem Map-Report 945 mit unter zwei Prozent die niedrigste Quote zu Buche, für die Arag mit über 18 Prozent die höchste.

Im vergangenen Jahr konnten die Anbieter der privaten Krankenversicherung (PKV) den Abschlusskostensatz (Abschlussaufwendungen in Prozent der verdienten Bruttobeiträge) nach zuvor vier Steigerungen (VersicherungsJournal 18.9.2025, 11.10.2022) erstmals wieder senken.

Die durchschnittliche Quote betrug laut dem Map-Report Nummer 945 – „Bilanzrating private Krankenversicherung 2025“ 7,01 (2024: 7,21) Prozent.

Vor Provisionsdeckel höhere Quoten

In der Langzeitbetrachtung fällt auf, dass der Wert zwischen 2014 und 2022 ohne größere Schwankungen relativ konstant zwischen 6,3 und 6,5 Prozent lag. In den Jahren vor dem Provisionsdeckel wurden regelmäßig deutlich höhere Quoten gemessen.

So lag der branchenweite Abschlusskostensatz in den Jahren 2010 bis 2011 – also unmittelbar vor Einführung des Provisionsdeckels (31.10.2011) – noch bei annähernd acht Prozent.

Entwicklung (Bild: Wichert)

2025 war die Spannbreite zwischen den einzelnen Marktteilnehmern nach Recherchen der VersicherungsJournal-Redaktion gewaltig. Sie lag bei den 31 berücksichtigten, im Vollversicherungsgeschäft aktiven Marktteilnehmern zwischen weit unter zwei Prozent und fast einem Viertel (VersicherungsJournal 12.8.2026).

LKH mit der niedrigsten Quote

Im Schnitt der Jahre 2021 bis 2025 haben die Map-Reporter für die Branche einen Abschlusskostensatz von 6,83 Prozent errechnet. Insgesamt 14 der 30 aufgelisteten Anbieter unterboten im Betrachtungszeitraum den Marktschnitt. Acht von ihnen kamen dabei auf Quoten von weniger als sechs Prozent.

Den Spitzenplatz sicherte sich die Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH). Sie blieb als einziger Marktteilnehmer unter der Marke von zwei Prozent. An zweiter Stelle liegt die Huk-Coburg-Krankenversicherung AG mit einer Quote von knapp unter drei Prozent.

Vergleichsweise günstig kauften mit 3,8 bis 4,8 Prozent des Umsatzes auch der Debeka Krankenversicherungsverein a.G., die Versicherer im Raum der Kirchen Krankenversicherung AG (VRK) und die Alte Oldenburger Krankenversicherung AG ihr Neugeschäft ein. Die Koblenzer schnitten damit am besten ab unter den Platzhirschen mit mindestens 1,45 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien in der Vollversicherung (27.10.2026).

Dahinter folgen mit jeweils unter sechs Prozent die DKV Deutsche Krankenversicherung AG, die Süddeutsche Krankenversicherung a.G. (SDK) sowie die Gothaer Krankenversicherung AG.

Niedrige Quoten (Bild: Wichert)

Arag mit dem höchsten Abschlusskostensatz

Auf der anderen Seite hatten neun Akteure Abschlusskosten von mehr als neun Prozent des Prämienaufkommens zu verzeichnen. Der höchste Wert wird mit über 18 Prozent für die Arag Krankenversicherungs-AG ausgewiesen.

Für die Concordia Krankenversicherungs-AG und die Hansemerkur Krankenversicherung AG standen Quoten von jeweils über 14 Prozent zu Buche. Alle drei vorgenannten Akteure gehören zu den in der Vollversicherung besonders wachstumsstarken Vertretern ihrer Zunft (15.7.2026). Auch bei den portierten Alterungsrückstellungen gehörten sie zu den Akteuren mit teils sehr hohen Nettozuflüssen (20.8.2026).

Zweistellige Abschlusskostensätze hatten darüber hinaus nur noch die Hallesche Krankenversicherung a.G., die Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG und die Barmenia Krankenversicherung AG zu verzeichnen. Über neun Prozent waren es bei der Münchener Verein Krankenversicherung a.G. und der Württembergischen Krankenversicherung AG.

Hohe Quoten (Bild: Wichert)

Nicht nur unter Kostenaspekten betrachten

Chefredakteur Reinhard Klages führt im Heft aus, dass insbesondere in den sozialpolitischen Diskussionen hohe Abschlusskosten immer wieder angeprangert würden. In der Regel werde dabei der Vorwurf geäußert, die PKV gebe zu viel Geld für Provisionen und Werbung aus. Nach seiner Ansicht ist dieses Argument nicht zu unterschätzen und bei Umdeckungen zutreffend.

„Die Abschlussaufwendungen sollten nicht nur unter Kostenaspekten gesehen werden“, meint der Map-Report-Chefredakteur. Denn in gewisser Weise stellten diese auch eine Art Investition in die Zukunft dar. Nur so sei es möglich, dem Bestand neue Versicherungen beziehungsweise neue Versicherte zuzuführen.

Klages zur Einordnung der Abschlusskostensätze: „Die Quote der Abschlussaufwendungen ist abhängig vom Umfang des Neu- und Veränderungsgeschäfts. Dabei sind zudem die Zugangswege und Vertriebsstrukturen des jeweiligen Unternehmens zu beachten.“

Bezugshinweis

Der Map-Report Nummer 945 – „Bilanzrating private Krankenversicherung 2025“ ist bei der Franke und Bornberg GmbH erschienen. Er enthält auf 150 Seiten neben den detaillierten Ratingergebnissen (15.9.2026) auch Übersichten zu insgesamt mehr als zwei Dutzend Bilanzkennzahlen (Geschäftsjahr 2025) von rund drei Dutzend Anbietern.

Dazu gehören neben den Abschluss- und Verwaltungskostensätzen (21.10.2026, 21.10.2026) unter anderem auch die Nettorenditen (13.10.2026), die verdienten Bruttoprämien insgesamt (16.9.2026) sowie die Bestandszahlen in der Ergänzungs- (21.9.2026, 24.9.2026, 24.9.2026) und der Vollversicherung.

Das Heft bietet auch Einzelübersichten mit acht ausgewählten Kennzahlen in der Zeitreihe von 2014 bis 2025. Es ist als E-Paper ab 495 Euro netto über die Bestellseite von Franke und Bornberg erhältlich.

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