29.7.2026 – Die Bafin hat 2025 in der privaten Krankenversicherung mit 3.630 Beschwerden mehr als dreieinhalbmal so viele mehr abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Das waren so viele wie seit 2004 nicht mehr. Über die Hälfte davon war auf den Sonderfaktor GPV zurückzuführen. Im Schnitt waren es knapp acht Reklamationen pro 100.000 versicherte Personen. Auf die mit Abstand höchste Beschwerdequote kam die Inter.
Bereits im April vermeldete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) für das Jahr 2025 einen massiven Anstieg der Verbraucherbeschwerden über Versicherungsunternehmen. 14.285 Beanstandungen bedeuten im Vergleich zum Jahr zuvor einen Anstieg um fast zwei Drittel.
Allerdings sprach der Bafin-Verbraucherschutzbeauftragte Christian Bock im Frühjahr von einem Sondereffekt. So sei der Anstieg im Wesentlichen auf einen Einzelfall zurückgegangen (VersicherungsJournal 20.4.2026).
Sondereffekt in Kranken treibt Beanstandungen nach oben
Auch in der Haftpflicht- (10.6.2026) und in der Rechtsschutzversicherung (27.5.2026) zeigte die Kurve − um jeweils etwa die Hälfte − nach oben, in der Kfz-Versicherung sogar um fast zwei Drittel (12.5.2026). Dies geht aus der unternehmensindividuellen Beschwerdestatistik hervor, die die Aufsicht Mitte Mai veröffentlicht hat.
Dennoch geht der Großteil des Anstiegs auf die private Krankenversicherung (PKV) zurück. Dort hat sich die Zahl der im Berichtsjahr eingegangenen Eingaben auf 3.630 mehr als verdreieinhalbfacht (plus 2.625 Stück). Mehr Reklamationen wurden zuletzt 2004 gezählt.
Allein 1.962 Beanstandungen – das sind etwa drei Viertel der Steigerung – gingen bei der Bafin ein über die Gemeinschaft privater Versicherungsunternehmen (GPV). Diese tauchte in den Vorjahren gar nicht in der Statistik auf.
Technische Probleme bei der GPV
Die GPV heißt laut Internetimpressum mit vollem Namen Gemeinschaft privater Versicherungsunternehmen zur Durchführung der privaten Pflegepflichtversicherung nach dem PflegeVG vom 26. Mai 1994 für die Mitglieder der Postbeamtenkrankenkasse (PBeaKK) und der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten (KVB).
In jenem Jahr schlossen die damaligen privaten Pflegeversicherer als Träger zur GPV zusammen. Der Zusammenschluss zielte nach eigenen Angaben darauf ab, das hohe Versicherungsrisiko gemeinsam auszugleichen.
Im Internetauftritt wird erläutert: „Für gewöhnlich werden keine neuen Mitglieder in eine der beiden Krankenkassen aufgenommen. Es handelt sich um ein geschlossenes Versichertenkollektiv. Die GPV war von diesem Zeitpunkt fortan die Pflegeversicherung der Krankversicherten der PBeaKK und KVB.“
Im Zuge eines Dienstleisterwechsels kam es im Berichtsjahr zu technischen Problemen, die zu Verzögerungen bei der Bearbeitung und unter anderem zu einem verzögerten Beitragseinzug sowie zur fälschlichen Versendung von 6.500 Ablehnungsschreiben führten.
Weiterhin verschwindend geringe Beschwerdequote
Rechnet man die GPV-Beschwerden heraus, bliebe „nur noch“ eine Zunahme um 663 (auf 1.668) Stück übrig. Das entspräche einer Zuwachsrate von knapp zwei Dritteln – und damit einer Größenordnung wie in der Kfz-Versicherung.
In Relation zu den privat krankenversicherten Personen (Voll- und Zusatzversicherung) von etwa 47,23 Millionen errechnet sich bei den aktuell 3.630 Eingaben eine Beschwerdequote von unter acht Beanstandungen pro 100.000 krankenversicherte natürliche Personen.
Selbst wenn man noch die 9.755 beim Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung (PKV-Ombudsmann) eingegangenen Reklamationen hinzurechnet, so liegt die Quote bei nicht einmal 30 Beschwerden pro 100.000 Versicherte.
Inter mit der höchsten Quote
In der Statistik der Aufsicht werden neben der GPV 41 weitere 34 PKV-Anbieter aufgeführt. Dabei hatte die Inter Krankenversicherung AG unter den Marktteilnehmern mit mindestens 100.000 Versicherten mit einem Wert von über 30 die höchste Beschwerdequote (pro 100.000 Versicherte) zu verzeichnen.
Über die Hintergründe − die Fusion mit der Freien Arzt- und Medizinkasse VVaG (FAMK) − hatte der Brancheninfodienst Procontra im Juni berichtet (Medienspiegel 19.6.2026).
Auch ein Jahr zuvor hatte die Inter die Statistik angeführt, wenn auch mit einer nicht einmal halb so hohen Quote (15.5.2025). Seinerzeit hatte sich die Quote ebenfalls in etwa verdoppelt im Vergleich zum Jahr zuvor (6.6.2024). Laut der Statistik gab es im Berichtsjahr 116 (2024: 56) Eingaben bei 382.758 (382.694) versicherten Personen.
Höhere Quoten auch bei Axa und Concordia
Für die Axa Krankenversicherung AG errechnet sich eine Quote von fast zehn (171 Beanstandungen bei 1,73 Millionen Versicherten), für die Concordia Krankenversicherungs-AG eine Quote von annähernd acht (15 zu knapp 189.150). Während sich die Quote bei der Axa um die Hälfte erhöhte, versiebeneinhalbfachte sie sich bei der Concordia von zwei auf 15.
Quoten zwischen gut sieben und knapp sechs Beschwerden pro 100.000 Versicherte hatten die Arag Krankenversicherungs-AG (57 zu 766.700), die Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH; 23 zu 317.400), die Münchener Verein Krankenversicherung a.G. (41 zu 648.300), die Gothaer Krankenversicherung AG (49 zu 823.050) und die Hansemerkur Krankenversicherung AG (96 zu 1,62 Millionen) zu verzeichnen.
Eine Fünf vor dem Komma stand ansonsten nur noch bei der Huk-Coburg-Krankenversicherung AG (63 zu 1,23 Millionen).
Nachteil für wachstumsstarke Versicherer
Seit etwa einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt den Angaben zufolge eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.
Die Zahlen sollen „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Aufsicht. Die Behörde weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, geben die Daten nicht her.
Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.






