21.12.2023 (€) – 2022 erzielten in der Sparte die 50 umsatzstärksten Marktteilnehmer allesamt Combined Ratios von unter 100 Prozent. Am profitabelsten war die WGV, die nicht einmal 55 Prozent der Einnahmen für Schäden und Kosten ausgab. Die Rhion und die Arag schrieben nur so gerade eben schwarze Zahlen. Die Quote massiv verbessern konnten die Provinzial und die Württembergische. Dies ist dem „Branchenmonitor 2017-2022: Hausratversicherung“ von V.E.R.S. Leipzig zu entnehmen.
Die Ertragslage der im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) organisierten Hausratversicherer hat sich 2022 deutlich verbessert. Die Combined Ratio (nach Abwicklung, in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) betrug nach Verbandsangaben 75,6 Prozent.
Das waren über 18 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor, als die kombinierte Schaden-Kosten-Quote – infolge des Sturmtiefs „Bernd“ (VersicherungsJournal Archiv) – um über 25 Prozentpunkte gestiegen war (16.2.2023).
Größter Posten sind Kosten für Einbruchdiebstähle
Der Tiefststand in diesem Jahrhundert von unter 69 Prozent wurde ein Jahr zuvor erreicht (25.1.2022). Am schlechtesten agierte die Branche im Jahr 2002. Dies war auf „die extremen Sturm- und Überschwemmungs-Ereignisse des Katastrophenjahres 2002“ zurückzuführen, schrieb der Versichererverband seinerzeit in seinem Jahrbuch 2003.
In der Hausratversicherung war der Schadenaufwand damals um fast ein Fünftel auf knapp 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Die Zahl der Schäden erhöhte sich sogar um über ein Viertel auf fast 1,75 Millionen. Zum Vergleich: Im Berichtsjahr 2022 musste die Branche für etwa 876.000 (2021: 886.000) Ereignisse rund 1,43 (1,99) Milliarden Euro bezahlen.
Den größten Posten der Leistungen machten Kosten für Einbruchdiebstähle aus. Mit 460 Millionen Euro fiel der Aufwand um fast die Hälfte höher aus als vor Jahresfrist. Für Feuer betrugen die Kosten 410 (350) Millionen Euro, für Leitungswasserschäden 340 (310) Millionen Euro und für Sturm- und Hagelschäden 90 (80) Millionen Euro. Mit je 30 Millionen Euro zu Buche schlugen Glas- (unverändert) und erweiterte Elementarschäden (2021: 860 Millionen Euro) (28.11.2023).
Kein Akteur im Minus
2022 schrieben die 50 nach Umsatz größten Hausratversicherer ausnahmslos versicherungstechnisch schwarze Zahlen. Im Jahr zuvor hatten noch 17 von ihnen Combined Ratios von über 100 Prozent erzielt. Aktuell landeten zwei Akteure nur so gerade eben in der Gewinnzone. Jeweils um die zwei Cent Gewinn pro Beitragseuro wiesen die Rhion Versicherung AG und die Arag Allgemeine Versicherungs-AG aus.
Weniger als zehn Cent Gewinn pro Beitragseuro schrieben ansonsten nur die Ammerländer Versicherung VVaG, die Haftpflichtkasse VVaG und die BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG.
Dies zeigt der „Branchenmonitor: Hausratversicherung 2017-2022“ von V.E.R.S. Leipzig GmbH. In diesem werden zahlreiche Kennzahlen der 50 größten Akteure mit 91 Prozent Marktanteil dargestellt.
WGV mit der niedrigsten Quote
Am profitabelsten war die WGV-Versicherung AG mit einer Combined Ratio von nicht einmal 55 Prozent. Dadurch kletterte das Unternehmen von fünf auf eins nach oben.
Knapp dahinter folgen mit 56 bis 59 Prozent der Vorjahresspitzenreiter (16.2.2023) Landschaftliche Brandkasse Hannover (VGH), die Itzehoer Versicherung/Brandgilde von 1691 VVaG (unverändert an dritter Stelle), die Cosmos Versicherung AG (von neun auf vier) und die Provinzial Versicherung AG (von 49 auf fünf).
Mehr als 35 Cent pro Beitragseuro verdienten darüber hinaus nur noch die Huk-Coburg Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a.G. (von 16 auf sechs), die Provinzial Nord Brandkasse AG (von zwei auf sieben), die Bayerischer Versicherungsverband Versicherungs-AG (von zehn auf acht), die Württembergische Versicherung AG (von 32 auf neun) und der LVM Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster a.G. (von 18 auf zehn).
Provinzial Nord und VGH mit höherer Quote
Im Vergleich zu 2021 verschlechtert haben sich nur die VGH (plus sechs Prozentpunkte) und die Provinzial Nord (plus sieben Punkte). Bei der VGH stiegen die Einnahmen laut Geschäftsbericht 2022 (PDF, 1,0 MB) um gut zwei Prozent auf über 90 Millionen Euro.
Die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle erhöhten sich aber um über ein Fünftel auf 28,7 Millionen Euro. Mit einer um gut fünf Prozentpunkte angewachsenen Schadenquote von 31,8 Prozent findet sich der Anbieter an siebter (2021: vierter) Stelle wieder.
Unverändert die niedrigste Schadenquote (Schadenaufwendungen (brutto direkt) in Prozent der verdienten Bruttoprämien (direkt)) weist die Provinzial Nord auf – trotz einer Erhöhung um sechs Prozentpunkte.
Dies wird im Geschäftsbericht 2022 (PDF, 2,2 MB) auf um fast ein Drittel auf 8,7 Millionen Euro gestiegene Brutto-Schadenaufwendungen „aufgrund höherer Feuer- und Einbruchdiebstahl-Aufwendungen“ zurückgeführt. Der Umsatz nahm „nur“ um 1,3 Prozent auf knapp 34 Millionen Euro zu.
Provinzial und Württembergische mit deutlichen Verbesserungen
Die übrigen acht der vorgenannten Akteure konnten die kombinierte Schaden-Kosten-Quote zumindest leicht verbessern. Am deutlichsten gelang dies der Provinzial, die im Jahr zuvor besonders kräftig von „Bernd“ betroffen war und mit 120 Prozent die marktweit zweithöchste Quote aufwies.
Auch wenn laut Geschäftsbericht 2022 (PDF, 2,2 MB) die Wintersturmserie im Februar (21.2.2022, 22.2.2022, 28.2.2022) und das mit Tornados behaftete Unwetterereignis „Emmelinde“ im Mai (8.7.2022) belasteten, sanken die Brutto-Schadenaufwendungen um mehr als zwei Drittel auf unter 49 Millionen Euro.
Bei gleichzeitig gestiegenem Prämienaufkommen um gut zwei Prozent auf 172 Millionen Euro katapultierte sich das Unternehmen vom 50. auf den dritten Platz bei der Schadenquote (minus 60 Prozentpunkte auf 28,5 Prozent). In der Folge fiel die Combined Ratio nicht einmal halb so hoch aus wie vor Jahresfrist.
Um immerhin rund 35 Prozentpunkte niedriger fiel die kombinierte Schaden-Kosten-Quote bei der Württembergischen aus. Dies ist vor allem auf die von über 65 auf unter 29 Prozent gesunkene Schadenquote zurückzuführen. Dadurch machte die Gesellschaft einen Sprung von 37 auf vier nach oben.
Bezugshinweis
Der „Branchenmonitor 2017-2022: Hausratversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig.
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