Fast jeder fünfte über 65-Jährige ist von Armut betroffen

3.6.2026 – Der Lebensabend drohe zur Armutsfalle zu werden, warnt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes mit Blick auf den aktuellen Armutsbericht der Organisation. Demnach sind insbesondere Frauen im Alter von über 75 Jahren von finanziellen Engpässen betroffen. Hinter den insgesamt steigenden Armutszahlen stehen demnach teilweise schmerzhafte Einschränkungen im Alltag.

Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V. hat seinen neuen Armutsbericht unter dem Titel „Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ (PDF; 1 MB) veröffentlicht. Demnach leben derzeit 13,3 Millionen Menschen in Armut und die Armutsquote steigt auf 16,1 Prozent.

Diese Zahlen gelten jeweils für die relative Einkommensarmut. Das heißt, dass die aufaddierten Verdienste aller Haushaltsmitglieder nach Angaben der Studienautoren „nicht ausreichen, um in angemessener Weise an der Gesellschaft teilhaben zu können“.

Konkret definiert ist die Schwelle zur Armutsgefährdung dem EU-Standard entsprechend als 60 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen der in Privathaushalten lebenden Bevölkerung. Dabei zählt das gesamte Nettoeinkommen des Haushalts einschließlich staatlicher Transferleistungen wie Wohn- und Kindergeld oder sonstiger Zuwendungen.

Finanzielle Situation bei vielen Älteren angespannt

Der Studie zufolge sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern erheblich. Während in Bayern jede achte Person von Armut betroffen ist (Armutsquote: 12,6 Prozent), lebt in Bremen mehr als jeder Vierte in Armut (27,5 Prozent). Damit ist der Abstand zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und der höchsten Armutsquote (14,9 Prozentpunkte) seit 2024 um 0,8 Prozentpunkte gewachsen.

Die Autoren beobachten zudem eine zunehmende Kluft zwischen den Bevölkerungsgruppen. Armut verfestige sich mit Blick auf die Vorjahre (VersicherungsJournal 27.3.2024) insbesondere bei Alleinlebenden (Armutsquote: 30,3 Prozent) und Alleinerziehenden (28,9 Prozent).

Armutsquoten nach Altersgruppen und Geschlecht

Alter

Frauen

Männer

insgesamt

16,7

15,6

50 bis unter 65

Jahren

14,0

13,5

65 Jahre und

mehr

21,3

17,3

75 Jahre und

mehr

21,3

15,8

Aber auch bei vielen älteren Menschen ist die finanzielle Situation unvermindert angespannt. Mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent ist inzwischen fast jede fünfte Person ab 65 Jahren betroffen, bei Frauen über 75 Jahren sind es sogar 21,3 Prozent.

Armutsquote der über 65-Jährigen liegt bei 19,5 Prozent

Joachim Rock (Bild: Paritätischer Gesamtverband)
Joachim Rock (Bild: Paritätischer Gesamtverband)

„Der Lebensabend droht zur Armutsfalle zu werden“, warnt Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Dass ältere Menschen nach einem langen Erwerbsleben und Haushalte mit Kindern besonders betroffen sind, zeigen die schon jetzt bestehenden Defizite im Sozialstaat. Wer zusätzliche Kürzungen betreibt, bekämpft keine Krisen, sondern verschärft sie.“

Hinter den steigenden Armutszahlen stehen laut dem Wohlfahrtsverband konkrete Einschränkungen im Alltag. Die Betroffenen können sich beispielsweise unerwartete Ausgaben nicht leisten, sparen beim Heizen ihrer Wohnung oder verzichten auf gesellschaftliche Teilhabe.

Die zunehmenden Finanzsorgen vieler Senioren zeigten sich auch am Anstieg der Empfänger von Grundsicherung im Alter (26.3.2026). Ende 2025 haben etwa 739.000 Personen diese Leistung erhalten, was einem Anteil von 3,4 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe entspricht. Im Zehn-Jahres-Vergleich wuchs die Zahl der Leistungsbezieher nach amtlichen Angaben um 42,5 Prozent. Hinzu kämen Berechtigte, die „aus vielfältigen Gründen keine Leistungen beantragen oder erhalten“.

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