6.8.2026 – Mindestens 20 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen haben nach gemeinsamen Recherchen des Norddeutschen Rundfunks, des WDR und der Süddeutschen Zeitung insgesamt knapp 220 Millionen Euro durch riskante Investments verloren. Damit fällt der Schaden höher aus als ursprünglich berichtet (VersicherungsJournal Medienspiegel 19.7.2026).
Konkret sollen die Einrichtungen Beitragsgelder in Verius-Anlageprodukte investiert haben. Sie erwarben dabei unter anderem Inhaberschuldverschreibungen der Luxemburger Verbriefungsgesellschaft Securo Pro Lux S.A. Die Emissionserlöse flossen über Verbriefungsfonds in einen von der Verius Capital AG beratenen Immobilienfinanzierungsfonds.
Der Fonds vergab hoch verzinste, häufig nachrangige Kredite an Immobilienprojektentwickler. Mit der Zinswende im Jahr 2022, steigenden Baukosten und dem Einbruch des Immobilienmarkts gerieten zahlreiche Kreditnehmer in Schwierigkeiten. Bauprojekte verzögerten sich oder scheiterten ganz, so dass Zins- und Tilgungszahlungen vielfach ausblieben.
Laut dem Bericht haben die Kaufmännische Krankenkasse – KKH, die BKK Gildemeister Seidensticker und die Pronova BKK sowie die Kassenärztlichen Vereinigungen Baden-Württemberg und Hessen Klage vor dem Landgericht Frankfurt eingereicht. Sie werfen den beteiligten Finanzunternehmen vor, über die Risiken der Anlagen „vorsätzlich getäuscht“ zu haben; die Beklagten weisen die Vorwürfe zurück.
Der offizielle Verkaufsprospekt habe jedoch ausdrücklich auf Risiken bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals hingewiesen, so heißt es. Von 27 aufgeführten Risiken seien 19 als mittel und drei als hoch eingestuft worden. Demnach stelle sich auch die Frage, ob die Krankenkassen gegen § 80 SGB IV verstoßen haben, wonach die Gelder risikoarm anzulegen seien.




