19.6.2026 – Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung ist am kommenden Freitag wieder Thema im Bundestag. Dabei geht es darum, wie zusätzliche 2,5 Milliarden Euro durch niedrigere Ausgaben und höhere Einnahmen finanziert werden können. Die hierfür ebenfalls geplante Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze, mit der gutverdienende Versicherte stärker zur Kasse gebeten werden sollen, würde insbesondere wirtschaftsstarke Regionen belasten.
Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz steht wieder auf der Tagesordnung des Bundestags. Den entsprechenden Gesetzentwurf (Drucksache 21/6130; PDF; 3,1 MB) der Bundesregierung hatte das Kabinett Ende April beschlossen (VersicherungsJournal 29.4.2026).

- Nina Warken (Bild: Jan Pauls)
Nach der ersten Lesung wurde er zur weiteren Beratung an die zuständigen Ausschüsse des Parlaments überwiesen (12.6.2026). Am 26. Juni soll das von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geschnürte Reformpaket im Bundestag dann verabschiedet werden.
Zwei Wochen später dürfte sich dann auch der Bundesrat auf seiner Plenarsitzung am 10. Juli erneut mit der Reform befassen. Die Länderkammer entscheidet dann anhand ihrer berücksichtigten Änderungswünsche, ob sie den Vermittlungsausschuss anruft oder das Gesetz passieren lässt.
Ausgaben und Einnahmen in Einklang bringen
Bislang scheint eine beschlussfähige Fassung des Gesetzes, mit dem die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Rahmen einer „einnahmenorientierten Ausgabenpolitik“ stabilisiert werden sollen, aber noch nicht erreicht zu sein.
Denn der vorliegende Gesetzesentwurf sieht zwar vor, dass die GKV allein im kommenden Jahr um 16,3 Milliarden Euro entlastet werden soll. Doch die finanzielle Situation der Krankenkassen ist gravierender als angenommen, berichtet aktuell T-Online.
Demnach wird das Defizit der Krankenkassen für 2027 auf 18,8 Milliarden Euro geschätzt. Um die zusätzlichen 2,5 Milliarden Euro zu decken, bräuchte es weitergehende Maßnahmen für niedrigere Ausgaben, aber auch höhere Einnahmen der GKV.
Höhere Beiträge belasten insbesondere wirtschaftsstarke Regionen
Letzteres forciert die SPD dem Bericht zufolge durch eine höhere Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der GKV. Das bisherige Niveau von 5.812,50 Euro pro Monat beziehungsweise 69.750 Euro pro Jahr soll 2027 außerordentlich um 300 beziehungsweise 3.600 Euro steigen (29.4.2026).
Eine hierzu aktuell veröffentlichte Analyse des WIP – Wissenschaftlichen Instituts der PKV zeigt die regionalen Auswirkungen, die hierdurch zu erwarten sind. Demnach wären wirtschaftsstarke Regionen wie Stuttgart, Heidelberg, Erlangen, München, Frankfurt am Main und Bonn besonders stark belastet.
Laut der aktuellen „WIP-Analyse“ (PDF; 11,2 MB) zeigt sich die regionale Ungleichverteilung auch bei den betroffenen Versicherten. Während in Baden-Württemberg 25,1 Prozent der GKV-Mitglieder von der BBG-Anhebung betroffen wären, läge dieser Anteil in Sachsen und Thüringen bei nur 7,4 Prozent.
SPD fordert deutlich höhere Beitragsbemessungsgrenze in der GKV
Laut den Sozialdemokraten sollte die Obergrenze für das Einkommen, bis zu dem die Beiträge erhoben werden, dem entsprechenden Wert in der gesetzlichen Rentenversicherung gleichen. Dieser liegt mit 8.450 Euro im Monat beziehungsweise 101.400 Euro im Jahr deutlich über der GKV-BBG.
Bei einer entsprechenden Erhöhung auf eine einheitliche BBG müssten gutverdienende GKV-Kunden zwar deutlich mehr für ihre Krankenkasse zahlen. Allerdings dürften die erhofften Zusatzeinnahmen der Kassen aufgrund von Wechslern in die private Krankenversicherung (PKV) niedriger ausfallen.
Allein aufgrund der bisher vorgesehenen Maßnahmen rechnet das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit etwa 100.000 zusätzlichen PKV-Kunden, meldete Spiegel online Ende April (27.4.2026).
Wechsel zur privaten Krankenversicherung eine „Lebensentscheidung“
Auf diese Angabe einer knapp sechsstelligen Zahl zusätzlicher Wechsler von der GKV in die PKV reagierte der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. auf Anfrage des VersicherungsJournals zurückhaltend.
Denn: „Reine Modellszenarien gehen regelmäßig an der Lebenswirklichkeit vorbei“, so ein Sprecher. „Niemand kann seriös vorhersagen, wie sich das Wechselgeschehen zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung tatsächlich entwickelt.“
„Schon heute zahlen zahlreiche freiwillig gesetzlich Versicherte mehr als 1.000 Euro im Monat an ihre Krankenkasse – und entscheiden sich trotzdem gegen einen Wechsel in die PKV“, so der Verbandssprecher weiter. Denn der Wechsel in die PKV sei eine „Lebensentscheidung“.




