2.7.2026 – Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen in Form höherer Finanzierungskosten für Verbraucher, die sich hierzulande weniger Quadratmeter leisten können, sind die Preise für Häuser und Wohnungen zwischen Anfang April und Ende Juni gestiegen. Doch die aktuelle Dynamik dürfte bereits in den kommenden Monaten wieder nachlassen, erwarten die Betreiber eines Immobilienportals.
Die Aviv Germany GmbH hat für ihren aktuellen „Immowelt Preiskompass“ (PDF; 2,1 MB) analysiert, wie sich im zweiten Quartal die Angebotspreise von Bestandshäusern und -wohnungen entwickelt haben. Neben bundesweiten Daten werteten die Marktbeobachter auch Zahlen für die 15 größten deutschen Städte mit jeweils mehr als 500.000 Einwohnern aus.
Hierzu werden jeden Monat die Preise für Wohnungen und Häuser für jede Stadt in Deutschland auf Basis der auf dem Onlineportal Immowelt.de veröffentlichten Immobilienanzeigen berechnet.
Um Vergleichbarkeit herzustellen, wird einerseits eine Standardwohnung mit 75 Quadratmetern Fläche und drei Zimmern im ersten Stock eines Gebäudes aus den 1990er-Jahren ohne weitere Besonderheiten verwendet. Andererseits wird ein Standard-Einfamilienhaus mit 600 Quadratmetern Grundstücksfläche und fünf Zimmern aus einem Baujahr zwischen 1945 und 1970 angenommen.
Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen verteuert
Demnach sind die Angebotspreise von Wohnimmobilien zwischen Anfang April und Ende Juni erneut gestiegen. Besonders überraschend für die Studienautoren habe sich der Häusermarkt entwickelt.
„Nachdem die Preisentwicklung zu Jahresbeginn in mehreren Großstädten noch spürbar an Dynamik verloren hatte, ziehen die Preise inzwischen wieder nahezu flächendeckend an“, erklären sie.
Bundesweit verteuerten sich sowohl Einfamilienhäuser als auch Eigentumswohnungen zwischen April und Juni um jeweils ein Prozent. Dabei sprechen die seit einigen Monaten herrschenden hohen Bauzinsen und wirtschaftlichen Unsicherheiten eigentlich gegen steigende Immobilienpreise.
„Immobilienmarkt derzeit erstaunlich widerstandsfähig“

- Theodore Mseka (Bild: Immowelt)
„Der Immobilienmarkt zeigt sich derzeit erstaunlich widerstandsfähig“, kommentiert Immowelt-CEO Theodore Mseka. „Trotz schwieriger Finanzierungsbedingungen steigen die Angebotspreise weiter und gerade bei Häusern hat sich der Anstieg zuletzt sogar beschleunigt.“
Die auffälligste Entwicklung des zweiten Quartals zeigte sich laut Mseka im Segment der Häuser. In 14 der 15 größten deutschen Städte legten die Angebotspreise von Einfamilienhäusern zu, nachdem es im ersten Quartal in etlichen Städten noch zu Rückgängen gekommen war.
Besonders deutlich verteuert haben sich in den vergangenen drei Monaten Bestandshäuser in Leipzig, wo der Quadratmeterpreis um vier Prozent auf 3.195 Euro gestiegen ist. In Duisburg stieg er um 3,7 Prozent auf 2.822 Euro und in Düsseldorf um 3,2 Prozent auf 5.478 Euro.
Im Frühling wieder steigende Angebotspreise verzeichnet
Auffällig ist laut Mseka zudem, dass mehrere Städte nach Preisrückgängen zu Jahresbeginn im Frühling wieder steigende Angebotspreise für Häuser verzeichneten:
- Essen (+2,0 Prozent auf 3.987 Euro pro Quadratmeter),
- München (+1,8 Prozent auf 9.083 Euro),
- Berlin (+1,3 Prozent auf 4.855 Euro),
- Frankfurt (+1,2 Prozent auf 5.026 Euro) und
- Stuttgart (+0,7 Prozent auf 5.975 Euro).
Lediglich Köln bildet mit einem Rückgang von 0,6 Prozent auf 4.905 Euro pro Quadratmeter eine Ausnahme.
Eine mögliche Erklärung für die Preisanstiege ist laut den Autoren der Immowelt-Studie das weiterhin knappe Angebot. „Der Neubau liegt seit Längerem deutlich unter dem Bedarf und auch die Zahl der Fertigstellungen ist zuletzt weiter gesunken.“ Zwar zögen die Baugenehmigungen langsam wieder an, kurzfristig sorge dies jedoch noch nicht für spürbar mehr Angebot am Markt.
Moderater Aufwärtstrend bei Eigentumswohnungen
Auch bei Eigentumswohnungen setzte sich ein moderater Aufwärtstrend fort. In 13 der 15 größten deutschen Städte erhöhten sich die Angebotspreise im zweiten Quartal. Hohe Anstiege verzeichneten:
- Dortmund (+4,0 Prozent auf 2.605 Euro pro Quadratmeter),
- Hannover (+3,4 Prozent auf 3.564 Euro),
- Leipzig (+3,0 Prozent auf 2.636 Euro),
- Frankfurt am Main (+2,2 Prozent auf 5.564 Euro) und
- Berlin (+2,0 Prozent auf 4.981 Euro).
Rückläufig entwickelten sich die Wohnungspreise lediglich in Stuttgart (-1,3 Prozent auf 4.310 Euro) und München (-0,2 Prozent auf 8.078 Euro).

- Kaufpreisentwicklung von Bestandswohnungen zwischen April und Juni in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern (Bild: Immowelt)
Wohnungspreise entwickeln sich weiterhin stabil – noch
Diese Preisentwicklung stehe allerdings zunehmend im Kontrast zu den Rahmenbedingungen. So sind die Bauzinsen von ihrem zwischenzeitlichen Tiefstand Ende 2024 bei rund 3,15 Prozent in Richtung vier Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist der Immowelt-Kaufkraftindex, in den Angebotspreise, Hypothekenzinsen und Durchschnittsgehälter eingehen, auf mittlerweile 107 finanzierbare Quadratmeter gesunken, nach 122 Quadratmetern Ende 2024.
Der allgemeine Preiswachstumspfad sei deshalb bedroht, geben die Studienautoren zu bedenken. „Angesichts hoher Finanzierungskosten und einer eingeschränkten Leistbarkeit wächst das Risiko, dass die aktuelle Preisdynamik in den kommenden Monaten nachlässt.“ Der Immobilienmarkt zeige sich zwar erstaunlich robust, die Spielräume für Preiszuwächse dürften jedoch geringer werden.




