Kfz-Versicherung: Autoersatzteile erneut deutlich teurer

13.10.2026 – Die durchschnittlichen Preise für Autoersatzteile sind laut GDV von August 2025 bis August 2026 um 4,4 Prozent gestiegen. Über zehn Jahre summierte sich der Preisanstieg auf knapp 83 Prozent. Als einen Grund dafür nennt der Verband das Monopol der Autohersteller bei sichtbaren Karosserieersatzteilen.

Kfz-Ersatzteile wie Scheinwerfer, Stoßfänger und Windschutzscheiben sind erneut teurer geworden. Das berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) auf Basis einer eigenen Auswertung.

Dafür hat der Verband die Schadenkalkulationsdatenbank der Audatex Autoonline GmbH ausgewertet. Sie enthält detaillierte Daten zur Kalkulation von Fahrzeugreparaturen und wird von Werkstätten, Versicherern und Gutachtern genutzt. Die Untersuchung umfasst 38 gängige Fahrzeugmodelle vom Kleinwagen bis zur oberen Mittelklasse sowie 20 Ersatzteile.

Ersatzteile kosten binnen Jahresfrist vier Prozent mehr

Wie der GDV mitteilt, stiegen die Preise für Autoersatzteile zwischen August 2025 und August 2026 um durchschnittlich 4,4 Prozent. Damit fiel der Anstieg geringer aus als im Vorjahr, als die Preise um sechs Prozent zulegten (VersicherungsJournal 9.10.2025).

Der GDV weist jedoch darauf hin, dass die Teuerung bei Autoersatzteilen erneut über der allgemeinen Inflationsrate von 2,9 Prozent lag. „Während die Inflationsrate in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt bei 2,8 Prozent pro Jahr lag, haben Ersatzteilpreise mit durchschnittlich 5,9 Prozent pro Jahr etwa doppelt so stark zugelegt“, berichtet GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Seit 2016 verteuerten sich Kfz-Ersatzteile um 82,7 Prozent. Der Verbraucherpreisindex stieg im selben Zeitraum um 34,4 Prozent, der Index der Kfz-Versicherungsprämien um 27,0 Prozent.

Besonders stark haben die Versicherer ihre Prämien allerdings in den letzten drei Jahren angehoben: Auch, weil die Ausgaben die Prämieneinnahmen teilweise deutlich überstiegen (5.9.2025). So erhöhte sich der Prämienindex von 101,6 im Jahr 2023 auf 127,0 im Jahr 2026 – ein Zuwachs von 25 Prozent.

Ersatzteilpreisanstieg 2016-2026 (Bild: GDV)
Ersatzteilpreisanstieg 2016 bis 2026 (Bild: GDV)

Erneut Kritik am Designschutz

Wie bereits im Vorjahr sieht der Versichererverband eine Ursache für die steigenden Ersatzteilpreise im Monopol der Autohersteller. In Deutschland unterliegen sichtbare Kfz-Ersatzteile weitgehend dem sogenannten Designschutz. Dieser umfasst beispielsweise Außenspiegel, Kotflügel und Türen.

„Wer ein entsprechendes Ersatzteil braucht, muss dieses häufig direkt vom Hersteller kaufen. So wird der Wettbewerb weitgehend ausgeschlossen. Eine geplante Reform des Designrechts, die eine EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzen wird, könnte den Wettbewerb künftig stärken. Davon profitieren Versicherer, aber auch Verbraucher und Verbraucherinnen“, schreibt der GDV.

Zwar ermöglicht § 40a DesignG seit 2020 unter bestimmten Voraussetzungen die Herstellung von Nachbauteilen, um das ursprüngliche Erscheinungsbild eines Fahrzeugs wiederherzustellen. Für ältere Designs gilt diese Reparaturklausel jedoch bislang nicht. Wegen der langen Übergangsfristen werde sich ein freier Wettbewerb auf dem Ersatzteilmarkt erst ab 2045 entwickeln, kritisiert der GDV.

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller e.V. (VDIK) warnt hingegen, dass eine Lockerung des Designschutzes zulasten der Qualität und Sicherheit gehen könnte. Nachbauteile könnten zwar äußerlich dem Original entsprechen, aber schlechtere Materialeigenschaften aufweisen, die etwa das Crashverhalten eines Fahrzeugs beeinflussen. Auch sei Produktpiraterie zu befürchten.

Preis für hintere Seitenwand hat sich seit 2016 verdoppelt

Blickt man darauf, welche Fahrzeugteile sich seit 2016 am meisten verteuert haben, so liegt die hintere Seitenwand auf dem ersten Rang. Ihr durchschnittlicher Preis hat sich binnen zehn Jahren verdoppelt. Um mehr als 90 Prozent teurer wurden auch Kofferraumklappen, Vordertüren und vordere Kotflügel.

Bei Hintertüren, Motorhauben, vorderen Stoßfängern und Scheinwerfern lagen die Teuerungen zwischen 89 und 82 Prozent. Die 70-Prozent-Marke knacken hintere Stoßfänger und Rückleuchten.

Preisanstieg für Autoersatzteile von 2016 zu 2026*

Ersatzteil

Preis 2016**

Preis 2026***

Teuerung in %

Seitenwand hinten

593

1.187

100

Kofferraumklappe

579

1.139

97

Tür vorn

507

994

96

Kotflügel vorn

194

369

91

Tür hinten

537

1.015

89

Motorhaube

426

803

88

Stoßfänger vorn

346

632

83

Scheinwerfer

731

1.330

82

Stoßfänger hinten

345

619

79

Rückleuchten

216

378

75

Kühler

274

425

55

Windschutzscheibe

435

660

52

Insgesamt

369

674

83

Die größten Teuerungen binnen Jahresfrist

Von August 2025 zu August 2026 verteuerte sich laut GDV die vordere Crashbox am stärksten – ein Verformungselement, das bei einem Aufprall Energie aufnimmt. Ihr Durchschnittspreis stieg um 6,5 Prozent. Scheinwerfer und hintere Seitenwände legten mit jeweils 6,3 Prozent ebenfalls deutlich zu.

Beim vorderen Stoßfänger betrug der Anstieg 6,1 Prozent, beim hinteren 5,9 Prozent. Jeweils 5,8 Prozent mehr kosteten der vordere Radarsensor für die Abstandsregelung und der vordere Kotflügel.

Eine Prognose, wie stark die Versicherungsprämien zur kommenden Wechselsaison 2026/27 steigen könnten, nennt der GDV nicht. Der Verband verweist jedoch auf den anhaltenden Kostendruck. Neben den Ersatzteilpreisen stiegen auch die Werkstattkosten weiter.

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