31.8.2026 – Die Marshberry-Analysten haben im vergangenen Quartal 19 M&A-Transaktionen unter Versicherungsvermittlern im DACH-Raum registriert. Eine der wichtigsten Entwicklungen war demnach der Markteintritt neuer strategischer Käufer. Sie dürften – ebenso wie die weiterhin hochaktiven Platzhirsche – zukünftig noch gezielter nach Möglichkeiten suchen, ihre Position als Plattform spezialisierter Maklerbetriebe auszubauen.
Die IMAS Corporate Finance LLP hat unter ihrem Handelsnamen Marshberry aktuell Zahlen veröffentlicht, die „Mergers and Acquisitions“ (M&A) unter Versicherungsvermittlern im deutschsprachigen Raum während des zweiten Quartals 2026 abbilden.
Demnach hielt die M&A-Aktivität unter den Vermittlern in der sogenannten DACH-Region auch zwischen Anfang April und Ende Juni dieses Jahres an. Das liegt unter anderem daran, dass neue Plattformen und strategische Käufer den Wettbewerb um attraktive Unternehmen verschärften.
Konkret will beispielsweise die im Mai gegründete Firmengruppe Mittelstands-Assekuranz-Partner (MAP Holding GmbH) persönliche Kundennähe mit spezialisierter Risikoberatung verbinden (VersicherungsJournal 30.6.2026). Finanziell unterstützt wird der „Multi-Spezial-Versicherungsmakler“ demnach von der Inflexion Private Equity Partners LLP mit Hauptsitz in London.
Markteintritt von MAP und Moin im zweiten Quartal
MAP richtet sich an mittelständische Unternehmen, Firmenkunden und vermögende Privatkunden in Deutschland. Als ersten „strategischen Partner“ hat man die Cremer Assekuranzmakler GmbH mit Sitz in Düsseldorf für die neue Firmengruppe gewonnen.
Als Deutschlands erste „AI-Roll-up“-Plattform in der Versicherungsvermittlung positioniert sich hingegen die Modern Insurance Technology GmbH (Moin Group). Sie ist im Juni mit einer Konsolidierungsstrategie auf den deutschen Markt gekommen (25.6.2026).
Sie setzt auf den Einsatz von KI-Agenten, um administrative und IT-intensive Prozesse zu automatisieren. Mithilfe des Private-Equity-Investors Warburg Pincus LLC startete Moin mit den Übernahmen der Compari GmbH & Co. KG aus Mellrichstadt und der Süga-Gruppe aus Chemnitz.
Zunehmender Wettbewerb im deutschen Markt
„Der Markteintritt von MAP und Moin ist ein wichtiges Signal“, kommentiert Marcel van Dijk. Der Director bei Marshberry in Amsterdam analysiert regelmäßig die M&A-Aktivitäten unter Versicherungsvermittlern in ganz Europa.

- Marcel van Dijk (Bild: Marshberry)
In Deutschland ist das M&A-Beratungsunternehmen für inhabergeführte Versicherungsvermittler mit der Marshberry International Coöperatief U.A. German Branch vertreten. Diese ist als Genossenschaft nach niederländischem Recht organisiert und hat ihren Firmensitz in Frankfurt.
Der zunehmende Wettbewerb im deutschen Markt schrecke neue Kapitalgeber nicht ab, beobachtet van Dijk hierzulande. „Im Gegenteil: Investoren sehen weiterhin die Möglichkeit, neue, differenzierte Plattformen aufzubauen.“
Insgesamt 19 Maklertransaktionen
Doch: „Für neue Marktteilnehmer wird es nicht ausreichen, sich allein über attraktive Bewertungen zu differenzieren. Ebenso entscheidend werden das Leistungsversprechen, das Betriebsmodell und die Fähigkeit sein, Unternehmern eine attraktive langfristige Perspektive für ihr Unternehmen zu bieten.“
In der DACH-Region verzeichneten die Marshberry-Analysten im zweiten Quartal insgesamt 19 Maklertransaktionen. Drei davon waren Ende Juni noch nicht abgeschlossen. Darüber hinaus gab es sieben Transaktionen in angrenzenden Bereichen wie Dienstleister, Versicherer und Finanzierung.
„Dies verdeutlicht, dass die Konsolidierung längst über den klassischen Versicherungsmaklermarkt hinausreicht“, kommentiert van Dijk die aktuellen Zahlen seines Beratungshauses.
Etablierte Aufkäufer bestimmen M&A-Aktivität
Zwar gab es im ersten Quartal dieses Jahres in Deutschland, Österreich und der Schweiz sogar 24 Transaktionen. Und im gesamten Vorjahr wurden allein hierzulande laut Marshberry 73 M&A-Transaktionen registriert (12.5.2026).
„Ein erheblicher Teil der Akquisitionsaktivität entfällt auf besonders aktive Konsolidierer.“
Marcel van Dijk
Doch die reinen Fallzahlen bilden die Marktentwicklung lediglich unvollständig ab, gibt der Branchenanalyst zu bedenken. „Entscheidender ist, wie sich das Käuferspektrum weiterentwickelt“, so van Dijk. „Ein erheblicher Teil der Akquisitionsaktivität entfällt auf besonders aktive Konsolidierer.“
Als etablierte Aufkäufer, die ihre Strategien „mit hohem Tempo fortsetzten“, benennt er insbesondere die Attikon Finanz AG, die GGW Group GmbH und die Tjara GmbH aus der Blau direkt-Gruppe.
Konsolidierer bei Akquisitionen selektiver
Diese Gesellschaften gehen bei ihren Maklerakquisitionen immer selektiver vor, beobachtete der Marshberry-Director in den vergangenen Monaten. „Spezialisierte Expertise, starke Kundenbeziehungen, eine starke regionale Marktposition und der Zugang zu attraktiven Bereichen der Wertschöpfungskette gewinnen neben reiner Größe an Bedeutung.“
Zugang zu reichlich Kapital wird demnach zukünftig nicht ausreichen, um als Konsolidierungsplattform erfolgreich zu sein. Vielmehr müssten die „Akquisitionen nachhaltiges organisches Wachstum unterstützen“. Wichtig sei, Spezialkompetenzen innerhalb der größeren Organisation wirklich nutzen zu können und mit Investitionen in Technologie und Infrastruktur operative Skaleneffekte zu schaffen.
„In der nächsten Phase der DACH-Konsolidierung wird es daher nicht mehr darum gehen, möglichst viele Versicherungsmakler zu übernehmen“, sagt van Dijk voraus. „Entscheidend wird vielmehr sein, die stärksten Plattformen aufzubauen und zu den Organisationen zu gehören, denen sich die besten Makler anschließen wollen.“




