16.9.2026 – Das spezialisierte Analysehaus Snow hat insgesamt 1.000 Kontrakte von 52 Assekuranzen untersucht. Im Fokus stand dabei allein die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen 13 Monaten. Demnach fällt das Bild bei Berücksichtigung der realen Kaufkraft der Auszahlungen ernüchternd aus. Die berechneten Kennzahlen gelten jedoch für eine bunte Mischung völlig unterschiedlicher Produkte.
Die Snow Analytics GmbH hat die Studie „Lebensversicherungen im Realitätscheck“ (PDF; 23,6 MB) veröffentlicht. Hierfür hat die „unabhängige und neutrale Gutachtergesellschaft zur Bewertung und Analyse von Lebens- und Rentenversicherungen“ insgesamt 1.000 Verträge untersucht.
Auf Anfrage des VersicherungsJournals teilte das Unternehmen mit, dass ihm insgesamt ungefähr 1.400 Verträge vorliegen. Sie stammen unter anderem von eigenen Kunden, für die Snow Ansprüche oberhalb des Rückkaufwerts prüft und gegebenenfalls in gerichtsfesten Gutachten dokumentiert.
Weitere Policen haben demnach „Kooperationskanzleien“ unter Berücksichtigung des Datenschutzes beigesteuert, heißt es von der Heidelberger Gesellschaft. Angaben zu den Auswahlkriterien der in der Studie berücksichtigten Teilmenge macht Snow gegenüber dem VersicherungsJournal aber nicht.
Analysen für einzelne Produktklassen
Allerdings machen die Studienautoren auf Anfrage mehr Angaben zu den Vertragstypen, die in die Durchschnittsbetrachtung eingegangen sind. Demnach enthält die Stichprobe neben klassischen und fondsgebundenen Lebensversicherungen unter anderem auch Riester-Policen.
Laut Snow habe man die unterschiedlichen Kategorien „leider“ nicht genauer aufgegliedert, „da wir eine generelle Analyse über Lebens- und Rentenversicherungen machen wollten“. Doch im Frühjahr nächsten Jahres wolle man weitere Analysen für die einzelnen Produktklassen nachreichen.
Dann gäbe es auch separate Kennzahlen für Berufsunfähigkeitsversicherungen, die ebenfalls zu einem nicht bekannten Anteil unter den 1.000 Verträgen zu finden sind. Nach eigenen Angaben haben die Analysten bei diesen Policen zumindest den jeweiligen Risikoanteil herausgerechnet.
Gekündigte und ausgelaufene Policen

- Mathias Hillebrand (Bild: Snow)
„In vielen Verträgen gab es auch beitragsfreie Phasen“, räumt Snow-Geschäftsführer Mathias Hillebrand auf Anfrage des VersicherungsJournals ein. Außerdem wurden neben Dynamik-Policen mit steigenden Beiträgen sowohl vorzeitig gekündigte als auch regulär ausgelaufene Verträge vermengt.
In der Analyse ging es nur um die wirtschaftliche Entwicklung der tatsächlich ausbezahlten Lebens- und Rentenpolicen in den vergangenen 13 Monaten. „Die Studie stellt ausschließlich die erhobenen Daten dar, ohne vorweggenommene Bewertung der Produktgruppe“, betonen die Analysten.
„Eine Verallgemeinerung auf sämtliche Lebens- und Rentenversicherungsverträge in Deutschland erfordert zusätzliche Daten“, heißt es von Snow einschränkend. Dies gelte insbesondere für Produkte, die nicht in der verwendeten Stichprobe enthalten sind und sich anders entwickelt haben könnten.
Studie beleuchtet nur Wirtschaftlichkeit
Die vorgelegte Stichprobenanalyse konzentriert sich demnach außerdem nur auf die wirtschaftliche Entwicklung der ausgewerteten Verträge. „Sie ist keine umfassende rechtliche, steuerliche oder versicherungsmathematische Prüfung einzelner Verträge“, erklären die Autoren.
„Insbesondere wird aus einem wirtschaftlich negativen Ergebnis nicht automatisch auf einen rechtlichen Fehler oder einen Rechtsverstoß geschlossen“, betonen sie. „Ebenso stellt eine positive Rendite keinen Nachweis dafür dar, dass ein Vertrag unter sämtlichen rechtlichen oder steuerlichen Gesichtspunkten optimal gestaltet wurde.“
Weiter heißt es: „Unterschiedliche Produktarten, Berechnungsmethoden und Beobachtungszeiträume können dazu führen, dass zwei Renditekennzahlen nicht unmittelbar miteinander vergleichbar sind.“
52 Lebensversicherer in der Stichprobe
Die Aufteilung der in der Stichprobe vertretenen Gesellschaften ähnelt den Marktanteilen der Anbieter hinsichtlich ihrer Verträge im Bestand. Demnach sind 42 kleinere Assekuranzen nur mit einzelnen oder wenigen Verträgen in die empirische Untersuchung eingegangen.
Die zehn am stärksten in der Studie vertretenen Anbieter sind:
- Allianz Lebensversicherungs-AG (132 Verträge),
- Generali Deutschland Lebensversicherung AG (83),
- Ergo Vorsorge Lebensversicherung AG (72),
- HDI Lebensversicherung AG (55),
- Debeka Lebensversicherungsverein a.G. (50),
- Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG (42),
- Proxalto Lebensversicherung AG (39),
- Heidelberger Lebensversicherung AG (36),
- Axa Lebensversicherung AG (32) und
- Württembergische Lebensversicherung AG (31).
Bei den Policen aller 52 Teilnehmer, die nur einen Teil der insgesamt 77 Lebensversicherer unter Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ausmachen, handelt es sich überwiegend um langfristige Vertragsverläufe.
Vor allem langfristige Verträge analysiert
Konkret weist die Stichprobe eine durchschnittliche Laufzeit von 21,65 Jahren auf. Mit einem Anteil von 83,4 Prozent der untersuchten Verträge liegen die allermeisten zwischen zehn und 30 Jahren.
„Die Untersuchung bildet somit vor allem langfristige Vertragsverläufe ab“, betonen die Studienautoren. „Diese Zusammensetzung ist für die Interpretation der Ergebnisse wesentlich.“ Denn die wirtschaftliche Entwicklung eines über 30 Jahre laufenden Vertrags ist nicht unmittelbar mit der Entwicklung eines Vertrags vergleichbar, der bereits nach wenigen Jahren beendet wurde.
„Ebenso können sich unterschiedliche Abschlussjahrgänge aufgrund verschiedener wirtschaftlicher Rahmenbedingungen unterscheiden“, heißt es von Snow einordnend zur empirischen Untersuchung der Stichprobe für den Studienzeitraum vom 1. August 2025 bis zum 31. August 2026.
Durchschnittliche nominale Renditen
Die Studienautoren haben demnach hierzu die geleisteten Einzahlungen den späteren Auszahlungen gegenübergestellt. Hieraus ergeben sich als Kennzahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung der betrachteten Lebens- und Rentenversicherungen unter anderem:
- die durchschnittliche Höhe der geleisteten Einzahlungen: 43.543,96 Euro,
- die durchschnittliche Höhe der Auszahlungen: 46.289,67 Euro,
- der daraus resultierende absolute Durchschnittsertrag: 2.745,71 Euro,
- die Spannweite des Bruttoertrags: −164.889,31 Euro bis 143.419,37 Euro,
- der Medianwert des absoluten Ertrags: 785,27 Euro,
- der Anteil der Verträge mit positivem Bruttoertrag: 83,55 Prozent und
- die durchschnittliche nominale Rendite: 10,23 Prozent.
Für die zehn größten Produktgeber in der Studie haben die Autoren ausgewählte Kennzahlen ihrer Untersuchung auch einzeln aufgeführt. Darüber hinaus wurde noch eine zeitbezogene Renditebetrachtung ergänzt. Denn ein Auszahlungsbetrag über der Summe aller eingezahlten Beiträge stellt lediglich ein nominales Plus dar.

- Nominale Rendite der untersuchten Lebensversicherungen (Bild: Snow)
Negative Realrendite nach Abzug der Inflation
Ein wirtschaftlicher Vermögenszuwachs hängt aber zusätzlich von der Dauer des Vertrags und der Entwicklung der Kaufkraft ab. Das ist bei langfristigen Verträgen besonders bedeutend. Eine langlaufende Versicherung kann sich nämlich nominal positiv entwickeln und unter Berücksichtigung der Inflation gleichzeitig mit einer real negativen Rendite einhergehen.
Letzteres gilt für den Durchschnitt der betrachteten Policen, wenn wie in der Studie eine durchschnittliche Inflationsrate über die Vertragslaufzeiten von knapp 1,89 Prozent pro Jahr berücksichtigt wird. Dann ergibt sich laut Snow ein durchschnittlicher interner Zinsfuß von −0,08 Prozent pro Jahr und eine durchschnittliche reale Rendite (CAGR) von −29,81 Prozent.
Snow-Geschäftsführer Hillebrand erinnert daran, dass auch die Bafin beim „Kundennutzen“ auf den realen Anlageerfolg nach Kosten und nach Inflation abstellt (VersicherungsJournal 22.6.2026). Das kann zwar als Maßstab im Einzelfall gelten, trifft aber keine Aussage über die gesamte Leben-Sparte.




