Weniger „sicherer Hafen“: So sorgen Jüngere fürs Alter vor

5.6.2026 – Bei den 18- bis 35-Jährigen sind Wertpapiere und Spareinlagen die verbreitetste Form der privaten Altersvorsorge, während Menschen im Rentenalter früher vor allem auf Betriebsrenten und Immobilien zurückgegriffen haben. Das zeigt eine Yougov-Umfrage im Auftrag der HDI.

Die HDI Deutschland AG hat zum dritten Mal ihre HDI-Rentnerstudie vorgelegt. Darin vergleicht sie die Einstellungen und die Vorsorgesituation junger Erwachsener mit denen von Menschen im Ruhestand.

Für die Untersuchung befragte die Yougov Deutschland GmbH 1.079 Rentner im Alter von 63 bis 70 Jahren sowie 1.021 Personen zwischen 18 und 35 Jahren in Deutschland. Die Erhebung fand zwischen dem 27. März und dem 8. April 2026 statt.

Kein Vertrauen in den Generationenvertrag

Die Studienautoren beobachten ein geringes Vertrauen in den Generationenvertrag. Auf die Frage, wie groß ihr Vertrauen sei, dass dieser auch für sie persönlich verlässlich funktionieren werde, antworteten 51 Prozent der 18- bis 35-Jährigen mit „geringes“ oder „gar kein Vertrauen“. Unter den heutigen Rentnern zwischen 63 und 70 Jahren lag dieser Anteil bei 47 Prozent.

Großes oder sehr großes Vertrauen äußerten dagegen lediglich 17 Prozent der jüngeren Befragten und neun Prozent der Rentner. Weitere 25 Prozent der jungen Erwachsenen und 37 Prozent der Rentner gaben an, ein mittleres Vertrauen in die Verlässlichkeit des Systems zu haben.

Vertrauen Generationenvertrag (Bild: Wenig)

Missverhältnis von Rentnern und Beitragszahlern beklagt

Als Hauptursache für die Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung sehen beide Gruppen den demografischen Wandel und das daraus resultierende Missverhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenbeziehern. Darüber hinaus bemängeln viele Befragte, dass Beamte und Selbstständige nicht in die Rentenkasse einzahlen und dass Reformen ausbleiben.

Während 33 Prozent der jüngeren Befragten und 71 Prozent der Rentner das Fehlen von Beamten und Selbstständigen im System als Problem ansehen, nannten 42 beziehungsweise 65 Prozent die über Jahre unterlassene Reform des Rentensystems.

35 Prozent der Jüngeren setzen ausschließlich auf die gesetzliche Rente

Die Studie sieht bei beiden Generationen Defizite bei der privaten Altersvorsorge. Auffällig ist, dass sich die Vorsorgemuster der Generationen zwar unterscheiden, eine private Zusatzvorsorge aber in beiden Gruppen keineswegs flächendeckend verbreitet ist:

35 Prozent der 18- bis 35-Jährigen gaben an, ausschließlich auf die gesetzliche Rentenversicherung zu setzen. Unter den heutigen Rentnern liegt dieser Anteil mit 56 Prozent deutlich höher. Die Mehrheit der Ruheständler hat damit nach eigener Aussage keine zusätzliche private Altersvorsorge aufgebaut.

Jeweils rund ein Drittel der Befragten sorgt beziehungsweise sorgte neben der gesetzlichen Rentenversicherung zusätzlich privat vor. Der Anteil liegt bei den jungen Erwachsenen bei 33 Prozent und bei den Rentnern bei 35 Prozent. In dieser Gruppe zeigen sich damit nur geringe Unterschiede zwischen den Generationen.

19 Prozent der jungen Erwachsenen gaben an, ausschließlich privat für das Alter vorzusorgen, weil sie derzeit nicht versicherungspflichtig sind oder waren. Unter den Altersruheständlern trifft dies lediglich auf sechs Prozent zu. Ausschließlich private Vorsorge bleibt damit in beiden Generationen die Ausnahme, ist unter den Jüngeren jedoch deutlich weiter verbreitet.

Verbreitung private Altersvorsorge (Bild: Wenig)

Unterschiede bei den Formen der privaten Altersvorsorge

Darüber hinaus wollten die Autoren wissen, womit die jüngere Generation heute vorsorgt – und womit die Ruheständler früher vorgesorgt haben. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen.

Die beliebteste Form der privaten Altersvorsorge unter den 18- bis 35-Jährigen sind Wertpapiere. 44 Prozent der privat Vorsorgenden investieren in Aktien, Fonds oder Anleihen. Bei den heutigen Rentnern liegt dieser Anteil lediglich bei 26 Prozent.

Umgekehrt spielt die betriebliche Altersvorsorge bei den Ruheständlern eine deutlich größere Rolle: 55 Prozent haben über ihren Arbeitgeber zusätzlich für das Alter vorgesorgt, bei den Jüngeren sind es lediglich 25 Prozent. Hierbei gilt es zu bedenken, dass sich viele jüngere Menschen noch in einer Ausbildung befinden oder studieren.

Private Lebens- und Rentenversicherungen auf Rang drei

Auch beim Wohneigentum zeigen sich deutliche Unterschiede. Während 44 Prozent der Rentner ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung als Baustein ihrer Altersvorsorge nennen, gilt das unter jungen Erwachsenen nur für 22 Prozent.

Private Lebens- und Rentenversicherungen gehören in beiden Generationen zu den wichtigsten Vorsorgeformen. Rentner greifen dabei jedoch deutlich häufiger auf diese Produkte zurück (40 Prozent) als jüngere Erwachsene (30 Prozent). Damit landen sie bei beiden Altersgruppen auf Rang drei der verbreitetsten Vorsorgeformen.

Bei Wertgegenständen wie Gold oder Schmuck zeigt sich ein umgekehrtes Bild: Sie sind unter Jüngeren mit 16 Prozent verbreiteter als unter Rentnern (acht Prozent). Riester- und Rürup-Renten, die separat erfasst wurden, werden eher von den Rentnern genutzt, während Kryptowährungen dort keine Rolle spielen – bei den Jüngeren liegen sie hingegen bereits bei 16 Prozent.

Rechnet man die separat erhobenen Lebens- und Rentenversicherungen sowie die staatlich geförderten Privatrenten zusammen, liegen sie auf Rang eins der am häufigsten genutzten Vorsorgeformen. Bei den Jüngeren summieren sie sich auf 44 Prozent, bei den Älteren auf 64 Prozent.

Zusätzliche Vorsorge junge Generation und Rentner (Bild: HDI)
Rangliste der privaten Altersvorsorge. Grafik zeigt die acht häufigsten Nennungen. (Bild: HDI)

Junge Generation rechnet mit Einschränkungen im Alter

Auch der Blick in die Zukunft ist vor allem bei Jüngeren von Unsicherheit geprägt: 21 Prozent erwarten bereits heute, im Ruhestand ihren Lebensstandard nicht halten zu können. Nur 13 Prozent gehen davon aus, später ohne finanzielle Abstriche auszukommen.

Diese Sorgen treffen auf eine Realität, die viele Rentner bereits heute erleben: Lediglich 22 Prozent geben an, ihren Lebensstandard im Ruhestand vollständig halten zu können. 23 Prozent können ihn gar nicht halten, weitere 53 Prozent nur eingeschränkt. Entsprechend blickt auch mehr als die Hälfte der Rentner (54 Prozent) skeptisch auf die langfristige Sicherung ihres aktuellen Lebensstandards angesichts steigender Kosten.

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