21.5.2026 – Rechtsschutz wird in der Krise wichtiger. Die Haushalte kämpfen um jeden Euro. Davon profitiert die Arag Versicherung – auch wenn die Schadenfälle deutlich steigen. Weiterhin plädiert die Assekuranz für eine Direktberatung im außergerichtlichen Bereich. In der PKV erzielt das Unternehmen deutliches Wachstum bei Vollversicherten.
Rechtsschutz und private Krankenversicherung sorgen bei der Arag SE für „kräftige“ Nachfrage. In der Kernmarke, der deutschen Rechtsschutzversicherung, rechnet der Versicherer für 2026 mit einem Wachstum von über zwölf Prozent. Schon 2025 waren die Beitragseinnahmen im Rechtsschutzgeschäft um 11,5 Prozent gestiegen.
„Wir spüren ein gesteigertes Absicherungsbedürfnis der Menschen“, sagte der Vorstandsvorsitzende, Dr. Renko Dirksen, am Mittwoch anlässlich der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2025.

- Renko Dirksen (Bild: Schmidt-Kasparek)
Mehr Streitfälle bei Arbeits- und Mietrecht
Die Rechtsschutzversicherung sorge für „Augenhöhe“. „Eine Augenhöhe, die aktuell vor allem gegenüber Arbeitgebern und Vermietern gebraucht wird“, so Dirksen und belegte dies mit Statistik.
So wären die Schadenfälle im Arbeitsrecht im vergangenen Jahr um 11,1 Prozent gestiegen und im ersten Quartal 2026 sogar um 12,2 Prozent. Ähnlich sieht es beim Mietrechtsschutz aus. Hier gab es 2025 insgesamt 15 Prozent mehr Leistungsfälle.
In den ersten drei Monaten stiegen die Fallzahlen aber nur moderat, um 3,1 Prozent. „Grund ist, dass die meisten Streitigkeiten, nämlich um die Nebenkostenabrechnung, erst Ende des Jahres anfallen“, erläuterte Arag-Vorstand Dr. Matthias Maslaton.

- Matthias Maslaton (Bild: Schmidt-Kasparek)
Von den 90.000 Leistungsfällen rund um das Mietrecht entfielen 2025 allein 15.000 Streitfälle auf Nebenkosten. Damit liegt dieses Thema noch vor dem Streit um Mietmängel und Mieterhöhungen.
Künstliche Intelligenz hilft nicht bei Rechtsdurchsetzung
Nach Einschätzung des Versicherers zeigt die deutsche Krisenentwicklung in den letzten Jahren jetzt deutliche Auswirkungen. Dirksen: „Die finanziellen Spielräume der privaten Haushalte sind so stark geschrumpft, dass die Menschen beginnen, um jeden Euro zu kämpfen.“
Gleichzeitig sind die Kunden heute viel kompetenter, wenn es um ihr Recht geht. „Viele informieren sich per künstlicher Intelligenz“, erläuterte Arag-Vorstand Hanno Petersen. „Die KI hilft den Kundinnen und Kunden, ihre rechtliche Situation einzuordnen. Doch wer Recht hat, kann es noch lange nicht immer durchsetzen“, warnte der Manager.

- Hanno Petersen (Bild: Schmidt-Kasparek)
Zudem sollten die Menschen mit dem Abschluss einer Rechtsschutzversicherung nicht zu lange warten, etwa wenn die Firma schon mit Kündigung droht. Dann gibt es nämlich keinen Versicherungsschutz mehr. Die Arag verwies darauf, dass sowohl im Arbeitsrecht- wie im Mietrechtsschutz eine Wartezeit von drei Monaten gilt. Erst dann greift die Absicherung.
Ende des Anwaltsmonopol in der politischen Diskussion
Weiterhin kämpft die Arag dafür, dass sie in Deutschland, wie im Ausland üblich, ihre Kundinnen und Kunden außergerichtlich direkt rechtlich beraten kann. Petersen: „Das wünschen tagtäglich sehr viele Kunden.“ Doch in Deutschland gilt bisher ein Anwaltsmonopol.
Doch die laute Kritik an dieser, nach Einschätzung der Arag vollkommen veralteten Regelung, hat es mittlerweile in die politische Diskussion gebracht. „So weit wie derzeit waren wir noch nie“, betonte Arag-Chef Dirksen.
So habe nicht nur der Europäische Gerichtshof erklärt, dass das Anwaltsmonopol in Deutschland eine politische Frage sei, auch der Freistaat Bayern hatte in der Länderjustizministerkonferenz 2025 vorgeschlagen, Rechtsschutzversicherern künftig die außergerichtliche Beratung und Vertretung zu erlauben.
Laut Dirksen ziehen hier alle Rechtsschutzversicherer an einem Strang und auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unterstützt die Öffnung des Anwaltsmonopols.
Weniger Anwälte übernehmen kleine Fälle
Mittlerweile könnte sogar ein Anwaltsmangel die Diskussion anheizen. „Immer öfter klagen Versicherte, dass sie für einen kleinen Streitwert gar keinen Anwalt mehr finden“, sagte Vorstand Petersen. Das gelte etwa beim Streit um die Nebenkostenabrechnung.
Gleichzeitig können Rechtsschutzversicherer ihren Kunden besonders kompetente Anwälte empfehlen. „Wir werten per KI alle unsere jährlich über 400.000 Schadenfälle aus und können so ermitteln, welcher Anwalt in einem Rechtsgebiet besonders erfolgreich ist“, erläuterte Petersen.
Ähnlich würden alle großen Rechtsschutzversicherer arbeiten. Durch die Empfehlung zum „richtigen“ Anwalt würde die Arag öfter „siegen“ und so einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen.
Ausschließlichkeitsvertrieb noch dominant
Noch ist der „Stammvertrieb“ über Ausschließlichkeitsvermittler der dominante Vertriebsweg, wenn es um Rechtsschutz geht. Auf ihn entfielen 2025 rund 40 Prozent des Nettoneugeschäfts. Der „Partnervertrieb“ erzielte ohne Onlinemakler wie Check24 Vergleichsportal GmbH einen Verkaufsanteil von 34 Prozent. Der Onlinevertrieb kam auf einen Anteil von 19 Prozent. Rund sieben Prozent des Neugeschäfts entfielen auf „sonstige“ Vertriebswege.
Ende 2025 hatte der Konzern 6.500 Mitarbeiter. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von sechs Prozent. Mit mehr Einsatz von KI soll künftig das Personalwachstum deutlich moderater ausfallen.
Gleichzeitig muss die Arag – wie jedes Unternehmen – mit einem Aderlass durch die demografische Entwicklung fertigwerden. Allein bis 2035 gehen laut Arag-Vorstand Dr. Joerg Schwarze 17 Prozent der Mitarbeitenden in den Ruhestand.
Beitragseinnahmen der Arag stiegen um 13 Prozent
Insgesamt legten die Beitragseinnahmen laut Geschäftsbericht des Arag-Konzerns 2025 um 13,2 Prozent zu. Der Versicherer erwirtschaftete 3,16 Milliarden Euro an Beiträgen. Das entspricht einem Plus von 340 Millionen Euro.

- Bild: Arag
In Rechtsschutz erreichte das Beitragsvolumen 1,82 Milliarden Euro nach 1,65 Milliarden Euro im Vorjahr. Auf den deutschen Rechtsschutz entfielen davon rund 600 Millionen Euro. Mit diesen Werten behauptet sich die Arag als weltweit führender Rechtsschutzversicherer. In Deutschland ist die Assekuranz die Nummer zwei im Markt.
In der privaten Krankenversicherung (PKV) verbuchte das Unternehmen 2025 insgesamt 886,3 Millionen Euro, was einem Plus von 18,4 Prozent entspricht. Laut dem Unternehmen entfielen zwei Drittel des Neugeschäfts auf organisches Wachstum. Für PKV-Vollversicherte hatte die Arag 2025 die Prämien um acht Prozent und Anfang 2026 um fünf Prozent erhöht.
Demgegenüber hätten die Steigerungsraten im gesamten PKV-Markt im Schnitt 2025 bei zwölf Prozent und 2026 bei acht Prozent gelegen. Auch im Kompositsegment ist die Arag 2025 um 10,9 Prozent gewachsen. Die Beiträge lagen bei 430 Millionen Euro nach 388 Millionen Euro im Vorjahr.




