22.9.2026 – Die Vorstände der Gartenbau-Versicherung und der Vereinigten Hagelversicherung streben den organisatorischen Zusammenschluss an. Gemeinsam wollen die beiden Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit nach eigenen Angaben so ihre speziellen Policen-Angebote weiterentwickeln, Innovationen fördern und den wachsenden Anforderungen und Veränderungen im Markt begegnen.
Die Gartenbau-Versicherung VVaG und die Vereinigte Hagelversicherung VVaG planen die Fusion. Beide Gesellschaften verbindet bereits seit mehr als 30 Jahren eine enge Zusammenarbeit unter der Marke „Agrorisk“.
Kunden der vor knapp 180 Jahren von Gärtnern gegründeten Gartenbau-Versicherung sind rund 13.000 Betriebe der Branche aus neun europäischen Ländern. Die Spanne der Firmenkunden reicht von Anbaufarmen über Baumschulen bis zu Gartencentern und Floristen.
Die auf einen Zusammenschluss von Landwirten vor mehr als 200 Jahren zurückgehende Vereinigte Hagel sichert hingegen die Ernte landwirtschaftlicher Betriebe finanziell gegen witterungsbedingte Risiken wie Hagel, Sturm, Starkregen, Frost oder Dürre ab. Europaweit werden rund 110.000 Landwirte, Obst- und Gemüseproduzenten sowie Winzer von 2.500 Agenturen betreut.
Risiken gemeinsam tragen und Verantwortung übernehmen
„Beide Gründungen beruhten auf dem Prinzip, Risiken gemeinsam zu tragen und Verantwortung füreinander zu übernehmen“, betonen die Vereine, die heute beide europaweit tätige Spezialversicherer sind.
„Uns verbinden die gleichen Werte, eine ähnliche Unternehmenskultur und das gemeinsame Ziel, unseren Mitgliedern auch künftig verlässlich zur Seite zu stehen“, sagt Christian Senft (48). Er ist seit vier Jahren Vorstandsvorsitzender der Gartenbau-Versicherung (VersicherungsJournal 4.4.2022). „Die Nähe zu unseren Mitgliedern und ihre Mitbestimmungsrechte prägen unsere Versicherungsvereine.“
Gemeinsam könnten zukünftig nach Angaben der beiden Partner „Versicherungsangebote spezifisch weiterentwickelt, Innovationen gefördert und wachsenden Anforderungen und Veränderungen im Markt begegnet werden“.
Neue Rahmenbedingungen für Landwirtschaft und Gartenbau
Denn die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft und Gartenbau verändern sich, betonen die Assekuranzen. Wetterextreme und die Folgen des Klimawandels erhöhen demnach die Anforderungen an die Risikobewertung und die Risikotragfähigkeit.
Hinzu kämen veränderte Marktbedingungen, steigende regulatorische Pflichten für die Branche sowie ein tiefgreifender technologischer und digitaler Wandel, der auch vor diesen traditionellen Versicherern nicht haltmache. Daher wolle man Kompetenzen bündeln, ohne seine Kundennähe und die eigene Identität zu verlieren.
„Unser Ziel ist es, gemeinsam ein starkes und unabhängiges Versicherungsunternehmen zu gestalten, das den Bedürfnissen von Landwirtschaft und Gartenbau verpflichtet bleibt“, betont Dr. Philipp Schönbach (49), Vorstandssprecher der Vereinigten Hagel (2.5.2023). „Wachstum verstehen wir nicht als Selbstzweck. Es schafft vielmehr die Grundlage dafür, den Gegenseitigkeitsgedanken, der beide Unternehmen seit Generationen trägt, langfristig zu bewahren.“

- Von links: Jan Keller (Vorstand Vereinigte Hagelversicherung), Christian Senft, Philipp Schönbach, Dietmar Kohlruss (Vorstand Gartenbau-Versicherung) (Bild: Gartenbau-Versicherung)
Gemeinsame Firma: Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit
Bei dem angestrebten Zusammenschluss sollten bestehende Verträge und Vereinbarungen ihre Gültigkeit behalten und die Standorte Gießen und Wiesbaden fortbestehen. Dies seien grundlegende Voraussetzungen für die bis 2027 geplanten Gespräche, erklären sie zum weiteren Vorgehen.
Ebenso steht fest, dass die Rechtsform eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit auch in der neuen gemeinsamen Gesellschaft gewahrt bleiben soll. Dem Vorhaben müssen danach die Mitgliedervertreterversammlungen als oberste Organe beider Unternehmen zustimmen. Darüber hinaus hängt die Fusion von der Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörden ab.
Auf Anfrage des VersicherungsJournals konnte eine Unternehmenssprecherin keine Angaben zu dem geplanten Firmennamen machen, an dem aber bereits im Hintergrund gearbeitet werde. Ebenso könne sie keine Aussagen zur zukünftigen Absatzstrategie geben, die bei beiden Partnern derzeit hauptsächlich über den angestellten Vertrieb umgesetzt wird.




