Frankfurter Leben übernimmt Athora Deutschland

13.8.2026 – Die Frankfurter Leben übernimmt die deutschen Gesellschaften der Athora. Wie beide Versicherer mitteilen, wurde dafür eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet.

Neuer Deal auf dem Run-off-Markt: Die Frankfurter Leben Holding GmbH & Co. KG hat mit der Athora Holding Ltd. eine verbindliche Vereinbarung über den Kauf der Athora Germany unterzeichnet. Das geben die beiden Versicherer in einer heutigen Pressemitteilung bekannt. Der Abschluss der Transaktion wird für Mitte 2027 erwartet.

Policen, Leistungen, vertragliche Verpflichtungen bleiben unverändert

Die Frankfurter Leben erwirbt das deutsche Lebensversicherungsgeschäft der Athora sowie die dazugehörigen Gesellschaften, so heißt es weiter. Dazu gehören unter anderem:

Kundenpolicen, Leistungen und vertragliche Verpflichtungen bleiben unverändert, so heißt es im Pressetext. Die Athora Germany werde den Geschäftsbetrieb während des Genehmigungsprozesses wie gewohnt fortführen. Die DWS Group als einer der führenden Vermögensverwalter im Versicherungssektor werde die Transaktion als Finanzierungspartner unterstützen.

Verkaufsgerüchte – und gescheiterte Wachstumsstrategie?

Marktgerüchte über einen möglichen Verkauf der deutschen Athora hatte es in der Vergangenheit wiederholt gegeben. So meldete der Nachrichtendienst Bloomberg zu Beginn des Jahres, dass der international tätige Mutterkonzern einen Käufer suche (VersicherungsJournal 28.1.2026).

Als Grund nannte Bloomberg, dass es Athora nicht gelinge, auf dem deutschen Markt nennenswertes Wachstum zu erzielen. Athora ist in Deutschland auf das Run-off-Geschäft spezialisiert und übernimmt Altbestände von Lebensversicherern, die dann ohne nennenswertes Neugeschäft abgewickelt werden.

Der wirtschaftliche Vorteil des Run-off-Modells liegt unter anderem darin, dass spezialisierte Anbieter die Verwaltung bestehender Verträge effizienter organisieren können als die ursprünglichen Versicherer. Die Verwaltungskostenquote der Athora Lebensversicherung lag laut Geschäftsbericht 2025 (PDF, 681 KB) bei 5,7 Prozent und damit deutlich über dem Marktschnitt von 2,4 Prozent (28.5.2025).

Gescheiterte Übernahmen bremsten Wachstum aus

Im Jahr 2024 hätte Athora seinen deutschen Bestand deutlich ausbauen können. Geplant war die Übernahme von rund 900.000 konventionellen Lebens- und Rentenversicherungsverträgen der Axa Konzern AG. Eine entsprechende Vereinbarung war bereits unterzeichnet worden.

Im Mai 2024 ließen beide Unternehmen die Transaktion jedoch wegen „Veränderungen der Finanzmarktbedingungen“ platzen. Branchenbeobachter führten dies auf die zwischenzeitlich gestiegenen Zinsen und die dadurch veränderten Bewertungen der Bestände zurück (3.5.2024).

Auch die Übernahme der Viridium Holding AG, des größten Run-off-Versicherers auf dem deutschen Markt mit rund 3,4 Millionen Verträgen, scheiterte. Athora wurde demnach im Bieterwettbewerb von einem Konsortium unter Führung der Allianz SE überboten (14.3.2025).

Auf anderen Märkten ist Athora auch im Neugeschäft tätig. Die Gruppe verwaltete Ende 2025 pro forma für die Übernahme der Pension Insurance Corporation Group Vermögen von 139 Milliarden Euro und zählte rund 2.100 Mitarbeiter sowie etwa 3,1 Millionen Kunden. Wichtige Märkte sind unter anderem Großbritannien, Italien, die Niederlande und Belgien.

Frankfurter Leben stärkt Marktposition

Mit der Übernahme stärkt die Frankfurter Leben ihre Marktposition. Der Versicherer ist mit rund 700.000 Versicherungsverträgen und einem Anlagenportfolio von rund 13 Milliarden Euro derzeit der zweitgrößte Run-off-Versicherer auf dem deutschen Markt (30.1.2026). Seit 2016 baut die Gruppe ihren Bestand kontinuierlich aus. Dabei sorgte sie mit mehreren größeren Übernahmen für Schlagzeilen:

  • Die Gruppe übernahm im Jahr 2017 rund 120.600 Verträge der Basler Leben AG Direktion für Deutschland AG, nachdem diese ihr Neugeschäft bereits 2012 aufgegeben hatte.
  • Fast zeitgleich übernahm die Gruppe die Arag Lebensversicherungs-AG mit rund 322.000 Lebensversicherungs-Verträgen.
  • Zuletzt sorgte die Frankfurter Leben mit der Übernahme der Generali Deutschland Pensionskasse AG im Jahr 2023 für Aufsehen – 110.000 Verträge gingen in ihren Bestand über.

Die Frankfurter-Leben-Gruppe wird laut ihrem Solvabilitäts- und Finanzlagebericht (SFCR) 2024 (PDF, 1,26 MB) von der luxemburgischen Investmentgesellschaft Taunus Insurance Opportunities SCS gehalten.

Mehrheitsgesellschafter ist die Fosun International Holdings Ltd., ein internationaler Investor aus China mit Sitz auf den British Virgin Islands, der über 90 Prozent der Anteile hält. Weitere 9,58 Prozent entfallen auf die Alpha Hoper Ltd., eine Investmentgesellschaft aus Hongkong.

Wie die Athora Deutschland derzeit dasteht

Die Athora Lebensversicherung AG als operative Einheit betreute laut Geschäftsbericht 2025 zum Jahresende insgesamt 138.251 Verträge. Das waren 12.453 Verträge beziehungsweise 8,3 Prozent weniger als zu Jahresbeginn (150.704 Verträge). Die Bruttobeiträge sanken im Jahresvergleich um 7,6 Prozent auf 106,3 Millionen Euro.

Auffällig ist die hohe Zahl beitragsfreier Verträge: 68.953 Versicherungen waren zum Jahresende beitragsfrei gestellt. Das entspricht fast 50 Prozent des gesamten Vertragsbestands.

Das versicherungstechnische Ergebnis der AG verbesserte sich dagegen von 15,5 auf 16,9 Millionen Euro. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit lag bei 12,2 Millionen Euro. Das Kapitalanlagevolumen beläuft sich auf rund 3,5 Milliarden Euro.

Die Athora Deutschland Holding erzielte 2025 Umsatzerlöse von 13,6 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 1,0 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte der Jahresüberschuss noch 3,1 Millionen Euro betragen. Maßgeblich für den Rückgang waren geringere Erträge aus Beteiligungen, die von 6,0 auf 3,5 Millionen Euro sanken.

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Schlagwörter zu diesem Artikel
Weitere Artikel der Ausgabe vom 13.8.2026
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren