11.8.2026 – Friendsurance verliert seine Eigenständigkeit: Der australische Insurtech-Konzern Cover Genius übernimmt die deutsche Unternehmensgruppe vollständig. Die Führungsriege soll aber an Bord bleiben, auch ein Stellenabbau sei im Zuge der Transaktion nicht geplant.
Die niederländische Cover Genius Europe Employee Services B.V., eine Konzerngesellschaft für interne Dienstleistungen der australischen Cover Genius Holdings Pty Ltd., hat die Friendsurance Holding GmbH übernommen.
Vollständige Übernahme durch Transaktion
Auf Nachfrage bestätigte Friendsurance-Geschäftsführer Tim Kunde, dass es sich um eine vollständige Übernahme handelt: Cover Genius hat 100 Prozent der Anteile an der Holding erworben. Sämtliche Vermögenswerte und Geschäftsbereiche würden übergehen. „Die finanziellen Konditionen der Transaktion werden nicht offengelegt“, so der 46-Jährige.
Zur Friendsurance-Gruppe gehören unter anderem die Alecto GmbH, die als unabhängiger Versicherungsmakler hinter der Marke Friendsurance steht, und die Megara GmbH, die als Versicherungsvertreter – unter anderem für Elektronikversicherungen – tätig ist.
Wer ist der Käufer von Friendsurance?
Cover Genius wurde 2014 gegründet und zählt zu den weltweit großen Insurtechs. Das Unternehmen ist auf sogenannte Embedded Insurance spezialisiert und stellt die technische Infrastruktur bereit, um Versicherungsschutz direkt in digitale Angebote und Kaufprozesse zu integrieren.
Nach eigenen Angaben ist der Konzern in mehr als 60 Ländern sowie allen 50 US-Bundesstaaten aktiv. Zu den Partnern zählen unter anderem der Zahlungsanbieter Klarna PLC, der Reisedienstleister Booking.com und Uber Technologies, Inc.
Weltweit wurden demnach bereits mehr als 73 Millionen Kunden über die Plattform mit Versicherungsschutz erreicht und mehr als 240 Millionen Policen vermittelt. Das Unternehmen weist ein Geschäftsvolumen von 3,2 Milliarden US-Dollar aus.
Friendsurance startete mit Peer-to-Peer-Modellen
Mit Friendsurance verliert ein einst ambitioniertes deutsches Insurtech seine unternehmerische Selbstständigkeit. Als die Plattform 2011 an den Start ging, wollte sie nicht weniger als „das Versicherungswesen revolutionieren“ (VersicherungsJournal 28.3.2011).
Die ursprüngliche Geschäftsidee: Kunden sollten sich über soziale Netzwerke zu kleinen Sicherheitsgemeinschaften zusammenschließen und sich im Schadenfall gegenseitig unterstützen. Im Gegenzug winkten deutlich niedrigere Versicherungsbeiträge.
Daneben wurde Friendsurance ein klassischer Versicherungsmakler. Die Plattform vermittelte Versicherungen verschiedener Anbieter und entwickelte zusätzliche digitale Funktionen wie Versicherungsverwaltung und Vertragsoptimierung.
Seit 2017 ist Bancassurance ein Schwerpunkt
Sein Geschäftsmodell baute das Unternehmen im weiteren Verlauf aus und konzentrierte sich stärker auf das B2B-Geschäft. Banken und Versicherer konnten die Technologie nutzen, um ihren eigenen Kunden digitale Versicherungsangebote und -verwaltung anzubieten. 2019 wurde dafür die Marke Friendsurance Business eingeführt.

- Tim Kunde (Bild: Friendsurance)
Kooperationspartner, die die Plattform für ihre digitalen Versicherungsmanager nutzen, sind die Deutsche Bank (9.10.2020, 29.8.2018), die R+V Versicherungen (15.4.2019), der Allianz-Konzern sowie die Hypovereinsbank, eine Marke der Unicredit Bank AG.
Das Bancassurance-Geschäft habe zuletzt „den klaren strategischen, operativen und finanziellen Fokus“ gebildet, teilt Geschäftsführer Tim Kunde mit. Wie hoch der Umsatzanteil des Geschäftsbereichs war, wollte das Unternehmen allerdings nicht mitteilen. Eine Aufschlüsselung des Umsatzes nach einzelnen Geschäftsbereichen werde nicht veröffentlicht.
Stärkere Präsenz im deutschsprachigen Raum
Auch Cover Genius ist im Bancassurance-Geschäft aktiv. „Die Übernahme schafft die Möglichkeit, die bestehenden Stärken von Friendsurance mit der globalen Plattform und dem Produktportfolio von Cover Genius zu verbinden“, so Kunde.
Für Friendsurance bedeute dies insbesondere Zugang zu zusätzlichen Technologien, einem breiteren Produktportfolio, internationaler Reichweite und den Ressourcen einer größeren globalen Organisation.
Gleichzeitig stärke Friendsurance die Präsenz von Cover Genius im Financial-Services-Bereich und beschleunige das Wachstum in der DACH-Region. Die konkrete zukünftige operative Aufstellung werde im Rahmen der Integration gemeinsam entwickelt.
Führungsteam von Friendsurance soll an Bord bleiben
Das Kernführungsteam von Friendsurance bleibe auch nach der Übernahme an Bord, teilt Kunde mit. Aktuell wird die Holding neben ihm von Ryan James Clements (34) und Johann Christian Meyer-Plath (46) als Geschäftsführern geführt.
Auch der Berliner Standort bleibe erhalten. Er soll weiterhin eine wichtige Rolle als europäischer Hub für das gemeinsame Geschäft spielen. Die derzeit rund 40 Mitarbeiter sollen ebenfalls ihre Arbeitsplätze behalten. Die konkrete zukünftige operative Aufstellung werde im Rahmen der Integration gemeinsam entwickelt.
Für bestehende Partner und Kunden solle sich ebenfalls nichts ändern: Verträge, Partnerschaften, Ansprechpartner und bestehende Verpflichtungen bleiben vollständig bestehen, berichtet der Geschäftsführer.
„Partner arbeiten weiterhin mit ihren bisherigen Account Teams zusammen. Gleichzeitig werden sie perspektivisch von dem breiteren internationalen Produktportfolio, zusätzlichen technologischen Möglichkeiten und den globalen Ressourcen von Cover Genius profitieren“, sagt Tim Kunde.
Bilanzsumme 2024: mehr Verbindlichkeiten, weniger Eigenkapital
Aktuelle Geschäfts- und Kennzahlen wollte Kunde auf Nachfrage nicht nennen. Der letzte Jahresabschluss, der im Unternehmensregister hinterlegt ist, stammt aus dem Jahr 2024:
Die Friendsurance Holding hat demnach ihre Bilanzsumme 2024 leicht auf 40,76 Millionen Euro erhöht, nach 40,05 Millionen Euro im Vorjahr. Den größten Posten auf der Aktivseite bilden die Finanzanlagen mit 40,38 Millionen Euro.
Das Umlaufvermögen schrumpfte dagegen deutlich von 1,26 Millionen auf nur noch 352.000 Euro. Darunter sanken die liquiden Mittel von rund 290.000 auf lediglich 2.100 Euro.
Auf der Passivseite verringerte sich das Eigenkapital von 26,62 Millionen auf 25,30 Millionen Euro. Der Bilanzverlust erhöhte sich dabei von 3,92 Millionen auf 5,24 Millionen Euro. Gleichzeitig stiegen die Verbindlichkeiten von 13,39 Millionen auf 15,42 Millionen Euro. Davon entfielen 7,15 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.




