Fusion unter Maklerverbünden Teil eines branchenweiten Trends

1.9.2026 – Germanbroker.net hat die Charta Börse für Versicherungen nun auch offiziell übernommen. Das zusammengeschlossene Unternehmen deutet ebenso wie die Beteiligung der Vema an der BCA darauf hin, dass sich auch der Markt der Maklerdienstleister zunehmend auf weniger Anbieter konzentriert. Die Verbliebenen konkurrieren miteinander darum, den angeschlossenen Partnern das langfristig erfolgversprechendste Umfeld zu bieten.

Wie die Germanbroker.net AG in der vorigen Woche berichtet hat, ist die angekündigte Fusion mit der Charta Börse für Versicherungen AG (VersicherungsJournal 19.5.2026) offiziell vollzogen.

„Mit der Eintragung ins Handelsregister ist der Zusammenschluss der beiden maklereigenen Organisationen nun rechtlich wirksam.“ Zuvor hatten die Hauptversammlungen beider Unternehmen der Verschmelzung Ende Juni „mit großer Einmütigkeit zugestimmt“.

Das Germanbroker-Grundkapital war hierfür um 226.800 Euro auf nun 1.976.800 Euro erhöht worden. Die Kapitalerhöhung erfolgt durch die Ausgabe von 4.536 vinkulierten Aktien mit einem Nennbetrag von je 50 Euro und einer Gewinnberechtigung ab diesem Geschäftsjahr. Für 2025 erhielten die 690 angeschlossenen Makler eine Dividende von zehn Prozent zuzüglich 2,5 Prozent Jubiläumsbonus.

Maklerverbünde starten in gemeinsame Zukunft

Laut dem jüngsten per Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss erzielte Germanbroker im Geschäftsjahr 2021 einen Jahresüberschuss von rund 235.000 Euro – nach etwa 216.000 Euro im Vorjahr. Zum Vergleich: Bei Charta entstand trotz eines Jahresüberschusses von rund 311.000 Euro 2021 durch einen knapp 4.000 Euro höheren Verlustvortrag aus dem Vorjahr ein Bilanzverlust.

Zukünftig bündeln die beiden Maklerverbünde nach eigenen Angaben die Interessen von insgesamt etwa 1.000 Maklerbetrieben. Ungefähr 300 Firmen davon waren bislang in der Charta organisiert. Jeder Maklerpartner wird auch immer Aktionär und somit an der Aktiengesellschaft beteiligt.

„Einen ersten sichtbaren gemeinsamen Auftakt wird es am 6. und 7. Oktober 2026 bei der Veranstaltung ‚M1-Convention‘ in der Stadthalle in Hagen geben“, kündigt das verschmolzene Unternehmen an. Dort wolle man „den Start in die neue gemeinsame Zukunft markieren“.

Fusioniertes Unternehmen von Doppelspitze geführt

Von links: Hartmut Goebel, Ulrich Neumann (Bild: Germanbroker.net, Charta)
Von links: Hartmut Goebel, Ulrich Neumann
(Bild: Germanbroker.net)

Konkret soll das von den Vorständen Hartmut Goebel (62) und Charta-Mitgründer Ulrich Neumann (61) als Doppelspitze geführte Unternehmen anstehende Investitionen bündeln. Ziel sei es demnach, die Dienstleistungen für Versicherungsmakler auszubauen und insbesondere die Herausforderungen der zunehmenden Digitalisierung im Versicherungsvertrieb gemeinsam anzugehen.

„Den bisherigen Charta-Partnern eröffnet sich die Germanbroker-Welt mit umfangreichen Services und Assekuradeur-Dienstleistungen. Zugleich erhalten alle Germanbroker-Partner Zugang zur Konzeptwelt der Charta.“

Das Unternehmen betont: „Gleichzeitig bleibt das erhalten, was uns seit jeher wichtig ist – persönliche Nähe, Verlässlichkeit und die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen unabhängiger Makler.“

Konsolidierung über Versicherungsmakler hinaus

Marcel van Dijk (Bild: Marshberry)
Marcel van Dijk (Bild: Marshberry)

Der nun vollzogene Zusammenschluss der Maklerverbünde, die bereits 2024 eine strategische Allianz geschlossen hatten, ist für Marcel van Dijk Teil eines aktuellen Markttrends. „Die Konsolidierung geht über die Übernahme von Versicherungsmaklern hinaus“, so der Director bei Marshberry Europe (31.8.2026).

Die Amsterdamer Analysten des Beratungsunternehmens für inhabergeführte Versicherungsvermittler haben demnach im zweiten Quartal hierzulande eine steigende M&A-Aktivität „innerhalb der breiteren Infrastruktur rund um die Versicherungsvermittlung“ verzeichnet. Das umfasst auch die Maklernachfolge (Archiv).

„In eine ähnliche Richtung“ weise die Beteiligung von der Vema Versicherungsmakler Genossenschaft eG in Höhe von 9,9 Prozent der Anteile an der BCA AG (23.4.2026). „Die Investition vertieft eine seit 2023 bestehende Zusammenarbeit und soll die unabhängige Dienstleistungsinfrastruktur sowie den freien Marktzugang bei Versicherungs- und Investmentprodukten stärken.“

Das gesamte Versicherungsökosystem erfasst

„Zusammen mit weiteren Aktivitäten bei Dienstleistern und Versicherern im Laufe des Quartals zeigen diese Transaktionen, dass die Konsolidierung zunehmend das gesamte Versicherungsökosystem erfasst“, kommentiert der Marshberry-Director.

„Eigentümerstrukturen, Kooperationen und Serviceplattformmodelle entwickeln sich parallel zur klassischen Konsolidierung im Maklermarkt weiter“, so van Dijk. Denn die Unternehmen versuchten, so Größenvorteile bei Technologie und Infrastruktur sowie einen besseren Marktzugang zu erhalten.

„Damit wird auch die strategische Fragestellung für unabhängige Versicherungsmakler breiter. Es geht längst nicht mehr nur um die Entscheidung zwischen Unabhängigkeit und Verkauf.“ Laut dem Branchenanalysten stelle sich für Vermittler „zunehmend die Frage, welche Plattform, welches Netzwerk oder welches Ökosystem langfristig die stärkste strategische Position bietet“.

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