13.4.2026 – Gesundheitsförderung hat für Arbeitgeber und Belegschaften gleichermaßen einen hohen Stellenwert. Die Landeskrankenhilfe hat ihren bKV-Budgettarif daher um „Gesundheitsevents“ erweitert. Welche Anforderungen von Unternehmen damit erfüllt werden, wie sie funktionieren und was sie kosten, berichtet Stefan Gaedicke in diesem Interview.
Stefan Gaedicke ist Leiter betriebliche Krankenversicherung der Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH). Das Unternehmen ist seit Ende 2023 in dem Marktsegment aktiv (VersicherungsJournal 1.11.2023). Inzwischen wurde das Angebot erweitert.
Im vergangenen Herbst wurden 500 kleinste bis mittlere Unternehmen (KMUs) zu ihren Herausforderungen im Bereich Mitarbeitermotivation befragt.
VersicherungsJournal: Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Umfrage?
Stefan Gaedicke: Unsere Studie zur bKV aus Unternehmersicht zeigt, dass Betriebe versuchen, ihre Belegschaften auf vielfältige Weise zu motivieren. An erster Stelle stehen flexible Arbeitszeiten (genannt von 54 Prozent der Befragten), gefolgt von Homeoffice-Möglichkeiten (37 Prozent) und Fortbildungen (34 Prozent).
Aber auch die Gesundheitsförderung (28 Prozent) hat einen wichtigen Stellenwert. Und auch die immer noch recht junge Idee der bKV gewinnt immer mehr an Bedeutung. So haben bereits circa 14 Prozent eine bKV im Unternehmen eingeführt.
Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus diesen Erkenntnissen für Ihr Angebot in der betrieblichen Krankenversicherung?

- Stefan_Gaedicke (Bild: LKH)
Aus den gesamten Ergebnissen der Marktbefragung sehen wir uns bestärkt, als LKH in den Markt der bKV eingestiegen zu sein und den Arbeitgebern mit unserem Gesamtangebot eine sehr interessante Lösung anbieten zu können.
Neben der Positionierung als attraktiver Arbeitgeber sind diese sehr interessiert an Lösungen, um Fehlzeiten wegen Krankheit zu senken. Unser „LKH-TeamUpgrade Complete“ ist ein Budgettarif mit Serviceleistungen und der finanziellen Unterstützung betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen (Gesundheitsevents) und bietet somit eine Lösung bei den personellen Herausforderungen.
So wünschen sich die Befragten am häufigsten (29 Prozent) einen Service für die Terminvereinbarung bei Fachärzten für ihre Mitarbeitenden. Ebenso umfangreiche Vorsorgeuntersuchungen (27 Prozent) und die Möglichkeit, Familienangehörige mitzuversichern und zum Beispiel von Videosprechstunden mit Fachärzten profitieren zu lassen. Diese Leistungen bieten wir übrigens in unserem bKV-Angebot an.
VersicherungsJournal: Was leisten Sie im Rahmen der Gesundheitsevents?
Es ist uns mit unserem bKV-Konzept wichtig, nicht nur einen Versicherungstarif anzubieten, sondern die Unternehmen bei ihren personalpolitischen Herausforderungen wie hohe Fehlzeiten, Fluktuation, Bewerbermangel aktiv zu unterstützen.
Mit unserem finanziellen Zuschuss von bis zu 15 Euro pro versichertem Mitarbeitenden und unseren möglichen Kooperationspartnern bieten wir erlebbare Gesundheitsevents im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung an.
Der Vorteil ist das „direkte Gesundheitserlebnis“ […] am Arbeitsplatz.
Bei einem Kunden ist es vielleicht die fehlende Zeit, so etwas selber zu organisieren. Beim anderen sind es vielleicht finanzielle Themen. Mit unserer Leistung ermöglichen wir unkompliziert das passende Gesundheitsevent für den individuellen Bedarf der jeweiligen Unternehmen.
Der Vorteil ist das „direkte Gesundheitserlebnis“ der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz. Damit zeigt der Arbeitgeber seine Wertschätzung durch die gezielte Unterstützung der persönlichen Gesundheit der Mitarbeitenden und kann somit auch die hohen Fehlzeiten reduzieren.
Welche Art von Events unterstützen Sie konkret?
Da sind wir sehr frei. Uns ist wichtig, dass diese Maßnahme zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens passt und dort einen Mehrwert bringt. So könnte es zum Beispiel eine Ernährungsberatung, ein Rückencoaching, eine Suchtprävention, ein Gesundheitstag oder Ähnliches sein.
Gerne empfehlen wir auch unseren Partner Mavie Work Deutschland GmbH, der mit dem „LifeStyle-Gesundheitscheck“ einen, wie ich finde, sehr erlebbaren und messbaren Mehrwert bietet.
Dabei werden in 20 Minuten die 60 wichtigsten Gesundheitswerte ermittelt und anschließend in einem 1-zu-1-Gespräch erläutert. Dazu kommt Mavie Work mit einem mobilen Labor direkt ins Unternehmen. Die Ergebnisse erhalten die Mitarbeitenden in Echtzeit.
Unser Partner fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: Aus zahlreichen Projekten in unterschiedlichen Branchen zeigt sich, dass Gesundheitschecks im betrieblichen Umfeld einen relevanten Beitrag zur Senkung von Fehlzeiten leisten können. Vor allem durch die systematische Identifikation von Risiken und die anschließende Verhaltensänderung. In den Programmen werden bei mehr als 60 Prozent der Teilnehmenden Risikofaktoren sichtbar, die typischerweise zu Ausfalltagen führen.
In den anschließenden Folgeuntersuchungen lassen sich zudem klare gesundheitliche Verbesserungen messen, etwa niedrigere Blutdruckwerte, reduzierte Belastungssymptome oder messbare Fortschritte bei Bewegung und Gewicht.
Gesundheitschecks […] können Fehlzeiten […] tatsächlich reduzieren
Bemerkenswert ist zudem die sehr breite Reichweite: Die Checks erreichen Beschäftigte aller Altersgruppen und Geschlechter direkt am Arbeitsplatz, mit konstant hohen Zufriedenheitswerten. Zusammengefasst sprechen sowohl die Praxisdaten als auch die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Gesundheitschecks, eingebettet in ein präventives Gesamtkonzept, Fehlzeiten nicht nur erklären, sondern tatsächlich reduzieren können.
Wie hoch ist in diesem Beispiel die Eigenbeteiligung des Arbeitgebers in den verschiedenen Budgetstufen?
Nach Einführung einer bKV ermitteln wir den Zuschuss und teilen diesen dem Unternehmen mit. Die Höhe beträgt fünf Prozent der ersten Jahresprämie, maximal 15 Euro. Somit erhalten die Unternehmen bereits in der am meisten gewählten Budgetstufe von 900 Euro den vollen Zuschuss.
Ein Aktionstag von Mawie Work im Unternehmen kostet 1.490 Euro (netto) und in der Regel können an einem Tag 18 Mitarbeitende teilnehmen. Wenn aber sich ein Unternehmen für eine günstigere Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Schrittzähleraktion zur Steigerung der Bewegung und des Teamgedanken entscheidet, kann diese in der Regel direkt durch den Zuschuss finanziert werden.
Seit wann bieten Sie Ihre bKV mit den Gesundheitsevents an und wie sind die Erfahrungswerte?
Als LKH sind wir noch das Start-up in der bKV-Szene. Mit der Markteinführung unseres Budgettarifes „LKH TeamUpgrade Complete“ im April 2025 sind wir so richtig durchgestartet. Mit den bisher sehr positiven Erfahrungswerten zu unseren Gesundheitsevents können wir unsere Expertise und das Angebot trotzdem schon jetzt sehr glaubhaft und nachvollziehbar anbieten.
Mit Ihrer bKV wollen Sie Betrieben bei den Problemen im Personalbereich helfen. Welche sind das laut Ihrer Umfrage?
37 Prozent der befragten Arbeitgeber klagen über zu wenige Bewerber beziehungsweise Fachkräftemangel und sehen dies als wichtigste Herausforderung im Personalbereich.
An sechster Stelle rangieren viele kurzfristige Krankmeldungen (24 Prozent). Es folgen hohe psychische Belastungen/Stress am Arbeitsplatz für Mitarbeitende (22 Prozent), viele längerfristige Krankschreibungen wegen Unfällen, Burnout et cetera (21 Prozent), geringe Motivation/geringe Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden (18 Prozent) und hohe Fluktuation (13 Prozent).
Die Mitarbeitenden fühlen sich durch eine bKV wertgeschätzt.
Gefragt hatten Sie auch: „Welche Erwartungen hätten die Unternehmen an eine bKV und zum Vergleich, welche Erfahrungen haben die Unternehmen durch die betriebliche Krankenversicherung gemacht?“ Was wurde von den bKV-Kunden am häufigsten genannt?
Dabei sind sehr vielsagende Aussagen herausgekommen, die zeigen, wie positiv eine bKV im Unternehmen wirken kann und dass sich die Erwartungen sogar übererfüllen.
Von den Unternehmen, die bereits eine bKV eingeführt haben, wurde am häufigsten genannt, dass sich die Mitarbeitenden durch eine bKV wertgeschätzt fühlen (56 Prozent) und auch die Mitarbeitermotivation (44 Prozent) ist gestiegen. Damit leistet die bKV einen wesentlichen Teil, um Fluktuationskosten zu senken.
Als weiteren wesentlichen Punkt wurde die Senkung der langfristigen Fehlzeiten genannt (49 Prozent). Auch hier zeigt die bKV eine klare Unterstützung und steigert somit nicht nur die Wertschätzung, sondern reduziert auch die Kosten aufgrund von Fehlzeiten.
Am größten sind die Chancen bei Betrieben ab 50 Mitarbeitern.
Bei welchen Zielgruppen schätzen Sie das Abschlusspotenzial am größten ein?
Bei der bKV wird gerne von dem Boom-Markt gesprochen. Und ja, es ist ein interessantes Wachstumsfeld. Aktuell haben aber erst circa 14 Prozent der deutschen Unternehmen eine bKV abgeschlossen. Somit stehen wir aus Vertriebssicht immer noch am Anfang mit noch sehr viel Potenzial.
Ich bin davon überzeugt, dass sich die bKV in den kommenden Jahren als feste dritte Säule in der Gesundheitsabsicherung etablieren wird. Gerade im Zuge der aktuellen Diskussionen über eine Gesundheitsreform wird deutlich, dass eine zusätzliche Gesundheitsabsicherung immer notwendiger wird. Diese Situation können und müssen Arbeitgeber nutzen.
Laut der Umfrage planen elf Prozent der Befragten den Abschluss einer bKV in den nächsten zwölf Monaten. Am größten sind die Chancen bei Betrieben ab 50 Mitarbeitern (21 Prozent).
Ein gutes Viertel der Befragten (28 Prozent) hat Interesse, einem Drittel (34 Prozent) ist die bKV kaum bekannt. Ausdrücklich gegen einen Abschluss haben sich 14 Prozent entschieden.
| Keiner Sparte wird derzeit eine solche Erfolgsstory nachgesagt wie der bKV. Wie der Markt derzeit aussieht, belegt eine Umfrage des VersicherungsJournals unter 22 PKV-Anbietern. Sie schafft erstmals mit zwei Musterrechnungen für stationäre und Budget-Tarife eine hohe Vergleichbarkeit. Der Marktüberblick findet sich im einem Dossier, dem auch der oben stehende Text entnommen ist. Die Umfrageergebnisse zeigen, welche Besonderheiten und Bedingungen mit den stationären Angeboten sowie den jeweiligen Budget-Tarifen verbunden sind. Berichtet wird ebenfalls über den Stellenwert des Geschäfts im Vertrieb sowie die favorisierten Anbieter der unabhängigen Vermittler. Des Weiteren wird über steuerliche und arbeitsrechtliche Fragen informiert. Nähere Informationen und Bestellmöglichkeit finden sich unter diesem Link. Die Publikation steht Premium-Abonnenten des VersicherungsJournals zur persönlichen Nutzung kostenlos zur Verfügung. |
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