9.6.2026 – Union Investment sieht sich nach eigener Darstellung ungerechtfertigter Kritik ausgesetzt. Das Unternehmen will seine Erfahrungen als großer Anbieter in der fondsgebundenen Riester-Rente nutzen und sein Nachfolgerprodukt sowohl ohne als auch mit 100-prozentiger Garantie anbieten. Dass Letzteres Rendite kosten kann, sollen Kundenberater klar ansprechen, erklärt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage des VersicherungsJournals.
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) und die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See haben auf ihrem Verbraucherportal „Ihre Vorsorge“ die Kritik der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V. an Garantieprodukten und aktivem Fondsmanagement dargestellt.
In dem aktuell veröffentlichten Bericht „Verbraucherschützer kritisiert neue Angebote für Altersvorsorge“ wird Niels Nauhauser zitiert, der bei den Stuttgartern die Abteilung Altersvorsorge, Banken, Kredite leitet. Er warnt davor, sich auf die Wartelisten der Anbieter setzen zu lassen.
„Hier wird bewusst mit dem Eindruck einer künstlichen Verknappung gearbeitet, um Abschlussdruck zu erzeugen“, so Nauhauser. Solange die konkreten Vertragsdetails noch nicht vorliegen, „gibt es keinen rationalen Grund, persönliche Daten zu Marketingzwecken zur Verfügung zu stellen“.
Neue Produkte nach Beschluss des Altersvorsorgereformgesetzes
Konkret kritisiert hat der Verbraucherschützer in einem Meinungsbeitrag auf Linkedin die Union-Investment-Gruppe. Die Fondsgesellschaft hatte bereits kurz nach dem Bundesratsbeschluss des Altersvorsorgereformgesetzes (VersicherungsJournal 8.5.2026) angekündigt, dass sie mit neuen Produkten auf den Markt kommen will (VersicherungsJournal Medienspiegel 11.5.2026).
Demnach wird sie neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Standardprodukt auf ETF-Basis auch zwei Vorsorgeprodukte anbieten, mit denen Sparer in aktiv gemanagte Fonds investieren. Die Produktreihe unter dem Namen „UniVorsorge“ soll es sowohl ohne als auch mit einer Garantie geben, welche die eingezahlten Beiträge und Zulagen zum Ende der Ansparphase vollständig absichert.
Beide Varianten werden demnach vom kommenden Jahr an „exklusiv über die genossenschaftlichen Banken erwerbbar sein“, heißt es von dem Unternehmen aus der Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken. Der Ausgabeaufschlag entfällt demnach bei diesen Produkten.
Erfahrungen als Anbieter in der fondsgebundenen Riester-Rente

- Jochen Wiesbach (Bild: Union Investment)
Bei den Neuheiten habe man auf Erfahrungen als Anbieter in der fondsgebundenen Riester-Rente aufgebaut, sagt Jochen Wiesbach, Geschäftsführer bei Union Investment. „Dadurch konnten wir in kurzer Zeit Produkte sowohl für chancen- als auch sicherheitsorientierte Anleger konzipieren.“
Mit seinem zukünftigen Produktmix könne der Fondsanbieter „unterschiedliche Kundenbedürfnisse befriedigen und die private Vorsorge über den ganzen Lebenszyklus abdecken“. Dies gelte insbesondere, wenn die geplante Frühstartrente (19.12.2025) umgesetzt werde.
Die genauen Konditionen sollen spätestens zur Auflage der Fonds bekannt gegeben werden. „Solange die konkreten Kosten, Fondskonzepte und Steuerungsmechanismen erst im Herbst offengelegt werden, lässt sich die Qualität der angekündigten Produkte noch nicht abschließend bewerten“, gibt Nauhauser hierzu zu bedenken.
Kapitalgarantien in langfristig angelegten Vorsorgeprodukten teuer

- Niels Nauhauser (Bild: privat)
Trotzdem „bestätigen die bekannt gegebenen Eckpunkte, dass die Union Investment weiterhin die Interessen der Sparer:innen nicht in den Mittelpunkt ihrer Produkte rücken wird“, kommentiert er.
Denn die empirische Bilanz des aktiven Managements falle eindeutig negativ aus, insbesondere nach Kosten. Zu teuer seien auch Kapitalgarantien in langfristig angelegten Vorsorgeprodukten. „Die Erfahrungen mit Riester-Produkten haben gezeigt, dass Garantien regelmäßig mit dauerhaft niedrigen Aktienquoten und entsprechend geringen Renditen erkauft werden“, mahnt der Verbraucherschützer.
Die Nachfrage nach solchen Produkten sei „Ausdruck irreführender Sicherheitsversprechen und mangelnder Transparenz über den Zusammenhang von realen Renditechancen und realen Risiken“.
Fondsanbieter setzt sich für Abschaffung des Garantiezwangs ein
„Die Aussage, dass eine Garantie Renditenachteile haben kann, teilen wir, und dies wurde bei der Riester-Rente deutlich“, entgegnet ein Union-Investment-Sprecher auf Anfrage des VersicherungsJournals. Das Unternehmen habe sich „aktiv bei der Politik für die Abschaffung des Garantiezwangs eingesetzt, der erfreulicherweise auch umgesetzt wurde“ (17.2.2026).
„Gleichwohl wissen wir aus unserer Marktforschung, dass vielen Anlegern eine Garantie wichtig ist“, so der Unternehmenssprecher weiter. Diesen Kundenwunsch wolle man einerseits auf Verlangen erfüllen. Andererseits betont er auch: „In der Beraterschulung werden wir klar thematisieren, dass Garantien Rendite kosten und der Kunde im Gespräch darüber informiert werden sollte.“
Ebenso hält er die Kritik, bei den zwei Neueinführungen für die geförderte private Altersvorsorge „Market Timing“ zu betreiben, für unzutreffend. „Das Lebenszyklusmodell wird nur zum Ende der Ansparphase eingesetzt, um größere Verluste kurz vor Beginn der Auszahlphase zu vermeiden.“
Grundsatzkritik an dynamischer Portfolio-Absicherungsstrategie
Denn Nauhauser übt auch an der von Union Investment verwendeten dynamischen Portfolio-Absicherungsstrategie Constant Proportion Portfolio Insurance (CPPI, 12.1.2021) Grundsatzkritik.
Bei Kursverlusten bestehe hier nämlich die Gefahr, dass zwangsweise zu stark in sichere Anlagen umgeschichtet wird. Dies sorgt dann dafür, dass auf Dauer geringere Renditen zu erwarten sind.
„Die Ankündigung von Union Investment ist damit vor allem ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig ein staatlich organisiertes Standardprodukt ist“, so Nauhauser. Über dessen Vorzüge könnten sich Sparer noch bis zum Start der neuen Förderung informieren, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Steht das staatliche Standardprodukt zum 1. Januar zur Verfügung?

- Dorothea Mohn (Bild: VZBV)
Hierfür müsse allerdings das staatliche Standardprodukt wie geplant zum 1. Januar zur Verfügung stehen (4.6.2026), ergänzt Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V., ebenfalls auf Linkedin.
„Ansonsten droht, dass die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher wieder in schlechte Produkte reingelenkt werden. Der Anreiz, Millionen Verträge umzudecken, wird sehr, sehr hoch sein“, so Mohn.
Dass sich die im Detail noch ungeklärte Auffanglösung der öffentlichen Hand womöglich nicht mehr fahrplangemäß zum Jahreswechsel umsetzen lässt, berichtet die „Welt am Sonntag“ in ihrem aktuellen Bericht „Staat verheddert sich bei Staatsdepot“. Demnach steht der Zeitplan hierfür infrage.




