10.6.2026 – Wer den „falschen“ Versicherer wählt, muss in der Zukunft wohl mit deutlichen Prämienerhöhungen rechnen. Nach Einschätzung von Franke und Bornberg könnten solche Versicherer auch versuchen, den Kunden Leistungen vorzuenthalten. Zwei Studien zeigen, was auf dem Markt der Berufsunfähigkeitsversicherungen los ist.
Ein ruinöser Preiswettbewerb und immer mehr Zusatzleistungen, die nicht einkalkuliert werden, führen bei vielen Lebensversicherern dazu, dass sich Kunden mit einem Berufsunfähigkeitsschutz (BU) auf Preiserhöhungen gefasst machen müssen.
„Schon in der Vergangenheit haben viele Lebensversicherer ihre einkalkulierten Überschüsse teilweise deutlich abgesenkt“, sagte Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH, bei der Vorstellung des Map-Reports „Stabilitätsrating der Berufsunfähigkeitsversicherer 2026“ und der „BU-Leistungspraxisstudie“.
Überschusbeteiligungen sanken um bis zu 50 Prozent
Eine Übersicht des Rating-Unternehmens (siehe Tabelle) zeigt, welche Assekuranzen im Untersuchungszeitraum von 2020 bis 2024 ihre Überschüsse für den BU-Schutz abgesenkt haben. Die Reduzierungen reichen von fünf Prozentpunkten bis über 50 Prozent. Werden Überschüsse gekürzt, steigt der zu zahlende Beitrag in Richtung Maximal- oder Bruttobeitrag.
Gleichzeitig verweisen die Autoren auf frühere Untersuchungen, in denen die Senkung von Risikoüberschüssen dargestellt werden.
Die Studie nennt die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G., die Axa Lebensversicherung AG, bei der Gothaer Lebensversicherung AG Tarife der ehemaligen Barmenia, der Proxalto Lebensversicherung AG und der SV Sparkassenversicherung Lebensversicherung AG.
| Versicherer | Jahr der Veröffentlichung der Absenkung der Überschussbeteiligung im Geschäftsbericht oder Jahresabschluss |
|---|---|
| * 2020 wurde die Rheinland Lebensversicherung auf Credit Life AG verschmolzen. ** Ab dem Jahresabschluss 2015 ist eine Zuordnung der Tarife zu den Vorjahreswerten infolge einer geänderten Darstellung nicht mehr lückenlos nachvollziehbar. Erneute beziehungsweise weitere Senkungen zeigten sich nicht. Sortierung nach Jahreszahl. Quelle: Map-Report 943, „Stabilitätsrating der Berufsunfähigkeitsversicherer 2026“. | |
| 2024 | |
| 2016 /2023 | |
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| 2020 | |
| 2018 | |
| 2017 | |
| Rheinland * | 2017 |
| 2017 | |
| 2016 | |
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| 2016 | |
| 2014 * | |
| 2014 | |
Eklatante Preisunterschiede in der in der Berufsunfähigkeitsversicherung

- Michael Franke (Bild: Marc Theis)
Laut Franke und Bornberg gibt es am Markt eklatante Preisunterschiede, die ein Indiz für eine Unterkalkulation seien.
So zeigt sich etwa bei der Durchschnittsprämie für den Musterfall Bankkaufleute ein Minus von fast 37 Prozent. Bei Tischlern liegt die prozentuale Abweichung nach unten bei fast 30 Prozent, bei Studenten wird ein Minus von 37 Prozent ausgewiesen und bei Geschäftsführern sogar fast 46 Prozent.
Franke: „Viele Versicherer versuchen, durch immer stärkere Differenzierung der Berufsgruppen über den Preis Neugeschäft zu generieren. Günstige Angebote führen sofort zu einem Bestandswachstum.“ Damit würden sich diese Versicherer aber gefährliche Klumpenrisiken in den Bestand holen.
Auch eine lasche Risikoprüfung, vor allem bei jungen Menschen mit wenigen und kurzen Gesundheitsfragen sowie Nachversicherungsgarantien, wie Volljährigkeit oder Hausstandgründung, würden risikobehaftetes Geschäft in den Bestand bringen.
Grauzonen in der Leistungsregulierung
Die Kundschaft dieser Gesellschaften müsste dann nicht nur mit Beitragserhöhungen rechnen, sondern auch mit Schwierigkeiten im Leistungsfall.
Franke: „Es gibt viele Grauzonen in der Leistungsprüfung. Versicherer könnten erst einmal versuchen, einen Leistungsfall abzulehnen oder die Regulierung durch immer neue Rückfragen in die Länge zu ziehen.“
Der Geschäftsführer schließt zudem nicht aus, dass Unternehmen mit starker Unterkalkulation ihren BU-Bestand aufgeben könnten. „Dann versuchen sie ihn in einem Run-off zu verkaufen.“ Für die Versicherten könnte das dramatische Folgen haben.
Denn nach Einschätzung des Analysten würden dann Gesunde den Versicherer verlassen, während Vorerkrankte bleiben müssten. Ohne Neugeschäft würde eine Durchmischung fehlen und die Beiträge wohl bis zur Bruttoprämie steigen.
Viele geben auf
Dass Kunden, die einen Leistungsantrag stellen, oft aufgeben, zeigt die Leistungsfallpraxisstudie, an der 16 Versicherer freiwillig teilgenommen haben. Fast 50 Prozent aller Antragsteller geben auf und reagieren auf Anfragen der Versicherer nicht mehr oder ziehen sogar ihren Antrag zurück.
Möglicherweise liegt diese Quote im gesamten BU-Markt noch deutlich höher, denn im BU-Stabilitätsrating, in dem überwiegend öffentlich zugängliche Daten erhoben werden, weist Franke und Bornberg insgesamt 52 Gesellschaften aus.
Die Versicherten, die ihre Anträge weiterverfolgen und bis zur Leistungsentscheidung mitwirken, können bei den 16 Unternehmen aus der BU-Leistungspraxisstudie in 79 Prozent der Fälle damit rechnen, dass sie eine Rente erhalten. Bei Anträgen mit Renten ab 300 Euro betrug die Quote 76 Prozent.
Fünf Versicherer sind „hervorragend“ stabil
Im aktuellen Stabilitätsrating erhalten fünf Gesellschaften die Bestnote „FFF+“ (hervorragend), weil sie sich freiwillig dem Unternehmensrating der Analysten unterzogen haben.
Dazu heißt es in der Studie: „Bei der Unternehmensbewertung vor Ort wird deutlich tiefer in die Interna der Unternehmen eingetaucht, als es durch eine allgemeine Umfrage oder die Auswertung von öffentlich zugänglichen Daten möglich wäre. Insofern haben die Ergebnisse der Franke und Bornberg Unternehmensratings die höchste Wertigkeit.“
Weitere fünf Gesellschaften „gewinnen“ das Rating aus allgemein verfügbaren Daten und erhalten ein „mmm+“, was ebenfalls für „hervorragend“ steht.
„Nicht nur den Preis im Blick haben“
„Gut ist wichtiger als günstig. Wer seine Arbeitskraft absichern will, sollte also nicht nur den Preis im Blick haben. Entscheidender sind Leistungen, Bedingungswerk und Stabilität des Versicherers“, kommentiert Reinhard Klages, Herausgeber des Map-Reports, die Ergebnisse.
Nach seiner Einschätzung dürften künftig Anbieter mit schmaler kalkulatorischer Sicherheitsmarge oder zu großzügigen Optionen immer stärker unter Rechtfertigungsdruck geraten.




