12.5.2026 – Die Bafin hat im vergangenen Jahr in der Kraftfahrtversicherung über 60 Prozent mehr Reklamationen abschließend bearbeitet als 2024. Im Schnitt waren es rund 2,9 pro 100.000 versicherte Risiken. Auf die höchste Beschwerdequote kam die Neodigital. Die Branchengrößen gehörten mehrheitlich zu den Akteuren mit marktunterdurchschnittlichen Quoten.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat im vergangenen Jahr 3.997 Beschwerden über die deutschen Kraftfahrtversicherer abschließend bearbeitet. Dies ist der aktuellen unternehmensindividuellen Beschwerdestatistik der Behörde zu entnehmen, die am Dienstag veröffentlicht wurde.
Durch die Steigerung um fast zwei Drittel wurde der bisherige Höchststand aus dem Jahr zuvor (VersicherungsJournal 12.5.2025) massiv überboten. Zum Vergleich: Am wenigsten Beanstandungen gab es in der jüngeren Vergangenheit mit lediglich knapp über 1.000 vor über einem Jahrzehnt (28.3.2013).
Insgesamt nur verschwindend wenige Reklamationen
Die Beschwerdequote (Reklamationen in Relation zum Bestand an versicherten Risiken von etwa 137,9 Millionen zum Jahresende 2024) ist damit von 1,9 auf 2,9 Beanstandungen pro 100.000 versicherte Risiken angestiegen. Sie bleibt damit allerdings trotz der deutlichen Zunahme auf verschwindend niedrigem Niveau.
Selbst wenn man noch die 5.320 Reklamationen (plus annähernd 50 Prozent) in Kraftfahrt beim Versicherungsombudsmann e.V. (29.4.2026) hinzurechnet, ändert dies nichts. Denn selbst dann blieben mehr als 99.993 von 100.000 Kontrakten beschwerdefrei.
Neodigital Autoversicherung mit der höchsten Beschwerdequote
Insgesamt werden in der Statistik 83 (Vorjahre: 79; 77) Kfz-Versicherer aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Vertragsbestand von mehr als 100.000 errechnen sich für insgesamt elf Anbieter Werte von mehr als sieben Reklamationen pro 100.000 versicherte Risiken.
Die mit Abstand höchste Quote steht mit über 43 für die mit einem Bestand von rund 222.850 Risiken kleine Neodigital Autoversicherung AG zu Buche. Die Zahl der Beschwerden bei dem Unternehmen, das derzeit schrittweise vollständig von der Huk-Coburg-Holding AG übernommen wird (3.6.2025), hat sich von neun im Vorjahr auf 96 mehr als verzehnfacht.
Auf zweistellige Beschwerdequoten kommen ansonsten nur noch die mit einem Bestand von 840.400 mittelgroße Bavariadirekt Versicherung AG und die sehr kleine Hansemerkur Allgemeine Versicherungs-AG (140.700 Risiken). Bei Ersterer hat sich die Zahl der Eingaben auf 123 fast verdreifacht. Bei den Hamburgern reduzierte sich die Zahl der Eingaben um vier Stück, während der Bestand um über ein Achtel anwuchs.
Weitere Autoversicherer mit hohen Quoten
Vergleichsweise hohe Beschwerdequoten ergeben sich auch für die DA Deutsche Allgemeine Versicherung AG (DA Direkt; 9,7 Eingaben pro 100.000 Risiken), die Versicherungskammer Bayern (VKB; 8,5) und die Sparkassen Direktversicherung AG (S-Direkt; 8,3).
Jeweils bei rund acht Reklamationen pro 100.000 versicherte Risiken lagen die Axa Easy Versicherung AG, die VW Autoversicherung AG und die Verti Versicherung AG. Quoten von je 7,4 errechnen sich für die Baloise Sachversicherung AG Deutschland und die Europa Versicherung AG.
Während die Zahl der Beanstandungen bei der Baloise um drei Viertel auf 28 Stück zunahm, zeigte die Kurve um jeweils etwa ein Drittel nach oben bei der Axa Easy (auf 19 Stück) und bei der Verti (auf 124).
So schlugen sich die Marktgrößen
Von den zehn größten Anbietern mit mehr als vier Millionen versicherten Risiken im Bestand agierten vier Akteure schlechter als der Markt. Leicht über dem Schnitt lagen mit jeweils rund 3,3 Beschwerden pro 100.000 versicherte Risiken die Allianz Versicherungs-AG (428 Reklamationen zu 13,14 Millionen Risiken) und die Huk-Coburg-Allgemeine Versicherung AG (366 zu 11,2 Millionen)
Auf eine Beschwerdequote von 3,5 (153 Beanstandungen, 4,37 Millionen Risiken) kam die Axa Versicherung. Der höchste Wert unter den Platzhirschen ergibt sich für die DEVK Allgemeine Versicherung AG mit 5,7 (269 zu 4,75 Millionen). Etwas besser als der Marktdurchschnitt agierten mit Quoten von jeweils 2,8 die VHV Allgemeine Versicherung AG (170 zu 6,13 Millionen) und die Huk24 AG (170 zu 6,17 Millionen).
Zwischen 1,6 und 1,2 Beschwerden pro 100.000 Risiken lagen die Huk-Coburg Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a.G. in Coburg (113 zu 7,18 Millionen), die R+V Allgemeine Versicherung AG (62 zu 4,6 Millionen) und der LVM Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster a.G. (71 zu 7,29 Millionen).
Mit 0,5 die niedrigste Beschwerdequote unter den Branchenschwergewichten hatte die Zurich Insurance Europe AG zu verzeichnen. Bei ihr kamen 35 Eingaben auf 7,47 Millionen versicherte Risiken.
Nachteil für wachstumsstarke Versicherer
Seit etwa einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt den Angaben zufolge eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.
Die Zahlen sollen „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Aufsicht. Die Behörde weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, geben die Daten nicht her.
Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.







