2.11.2026 – Der aktuelle Medienrummel und die Debatte um die Reform der Altersvorsorge ist für Versicherungsvermittler ein guter Anlass, um mit Firmenkunden und Belegschaften über das Thema Vorsorge zu sprechen. Was Berater im Geschäft mit der betrieblichen Altersversorgung (bAV) derzeit besonders beachten müssen, erklärt Swiss-Life-Manager Hubertus Harenberg im Interview für das VersicherungsJournal-Extrablatt.
Hubertus Harenberg (57) ist studierter Betriebswirt und seit 1997 bei der Swiss Life Lebensversicherung SE tätig. Als Bereichsleiter Marktentwicklung & strategische Kooperationen verantwortet er strategische Schnittstellen im Bereich der betrieblichen Vorsorge.
Zudem ist er Geschäftsführer der SLPM Schweizer Leben Pensionsmanagement GmbH und Vorstand der Swiss Life Pensionsfonds AG.
Was das Altersvorsorgereformgesetz (VersicherungsJournal 8.5.2026) für das Geschäft mit der betrieblichen Altersversorgung (bAV) bedeuten könnte, erklärt im Interview.

- Hubertus Harenberg (Bild: Swiss Life)
Im kommenden Jahr tritt die Riester-Reform in Kraft. Was halten Sie generell vom Altersvorsorgereformgesetz?
Das Reformvorhaben bringt mit dem neuen Altersvorsorgedepot (AVD) zweifellos frischen Wind und mehr Kapitalmarktdynamik in die private Vorsorge. Das ist grundsätzlich begrüßenswert, denn angesichts des demografischen Wandels und der schrumpfenden Spielräume der gesetzlichen Rentenversicherung ist jede Form der Eigenvorsorge wichtig.
Aber dürfte unter der neuen Attraktivität der geförderten privaten Altersvorsorge nicht das Geschäft mit der bAV leiden?
Für das bAV-Geschäft sehe ich das Reformgesetz keineswegs als Konkurrenz, sondern als Beschleuniger. Denn die Debatte um das AVD rückt das Thema Vorsorge wieder verstärkt in das Bewusstsein der Menschen.
Im Beratungsgespräch zeigt sich dann schnell der Unterschied: Das AVD ist ein reines Privatinvestment. Die betriebliche Altersversorgung hingegen punktet mit dreifacher Hebelwirkung: durch verpflichtende und freiwillige Arbeitgeberzuschüsse, staatliche Steuer- und Sozialabgabenersparnisse sowie die Möglichkeit, biometrische Risiken abzusichern.
Der aktuelle Medienrummel um die private Altersvorsorge sensibilisiert die Menschen also auch für die bAV?
Ja, das AVD kann die private Sparquote zwar ergänzen, aber die Versorgungslücke nicht allein schließen. Letztlich wird es ein weiterer Baustein neben anderen sein, aus dem das individuelle Altersvorsorge-Puzzle zusammengesetzt wird.
Für Versicherungsvermittler ist die aktuelle Reformdebatte also ein wichtiger Anlass, um mit Firmenkunden und Belegschaften über das Thema Vorsorge zu sprechen. Ohne Beratung – sozusagen als Kompass in dieser vielfältigen Materie – wird es nämlich nicht funktionieren.
Sollten sich bAV-Vermittler also nicht nur auf ihr Spezialgebiet fokussieren?
Nein, weil die isolierte Betriebsrente derzeit häufig beim Arbeitgeber „verpufft“. Das hat auch viel mit dem Faktor Kommunikation zu tun, der aktuell oft noch unterschätzt wird. Ein Benefit-Programm sollte regelmäßig und laufend an die Belegschaft kommuniziert werden, deren Bestandteile erklärt und für deren Sinnhaftigkeit geworben werden.
Das Programm muss für die Belegschaft sichtbar und der persönliche Wert für jeden Mitarbeitenden nachvollziehbar sein. Wir überarbeiten in diesem Punkt aktuell unser Angebot und konzipieren unsere Standmitteilungen neu. Die Versorgungsberechtigten müssen erleben, welcher wertvolle Vertrag in ihren Händen liegt. Ein wichtiger Nebeneffekt: Die Fortführung bei Arbeitgeberwechsel wird unterstützt.
Mehr zur privaten Altersvorsorge im Extrablatt 4|2026

- Extrablatt 4|2026 (Bild: VersicherungsJournal)
Das ganze Interview mit Hubertus Harenberg steht im VersicherungsJournal-Extrablatt 4|2026 mit dem Titel „Altersvorsorge: Wie Vermittler die Reform nutzen“.
Es enthält beispielsweise einen Testbericht, wie gut sich Kunden in der Praxis mithilfe von Chatbots informieren können. Außerdem wird aufgezeigt, welche 24 fondsgebundenen Rentenversicherungen von mindestens zwei Ratingagenturen die jeweiligen Bestnoten erhalten.
Das ganze E-Paper steht im Internet zum Herunterladen (PDF; 2,3 MB) bereit.
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