Diese Versicherer dominieren bei KI-Anfragen

29.10.2026 – Nutzen Verbraucher die KI-Tools ChatGPT und Gemini, stoßen sie bei der Suche nach Versicherungsprodukten häufig auf eine kleine Zahl an Anbietern. Das legt eine Studie des Beratungshauses Wavestone nahe. Demnach entfallen 50 Prozent aller Nennungen auf lediglich 17 Versicherermarken. Am häufigsten taucht die Allianz auf: Sie wird bei 46,8 Prozent der untersuchten Anfragen mindestens einmal genannt.

Das Beratungshaus Wavestone SA hat in seiner Studie „Insurance AI Visibility Index“ (PDF, 1,22 MB) untersucht, wie sichtbar einzelne Versicherer und ihre Marken in KI-Anwendungen auf dem deutschen Markt sind.

KI erlangt bei der Suche nach Produkten zunehmende Bedeutung

Das Unternehmen verweist auf eine sich verändernde Ausgangslage. Vergleichen und suchen Kunden heute Produkte und Dienstleistungen, so würden sie zunehmend auf KI-Chatbots zugreifen. Doch auch bei der Suche mit Google würde häufig durch KI-Anwendungen ergänzt, die vorsortieren, welche Versicherer und Angebote empfohlen werden.

„Die Interaktion mit KI wird damit für viele Anwender zur Normalität und verändert das Informations- und Suchverhalten von Kunden grundlegend“, heißt es in der Studie. Da Nutzer relevante Antworten immer häufiger direkt von KI-Systemen erhalten würden, würden sie zunehmend weniger auf klassische Suchergebnisse oder Unternehmenswebseiten zurückgreifen.

Für Unternehmen bedeute dies einen Wandel bei der digitalen Sichtbarkeit. Während klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO), Suchmaschinenwerbung (SEA) und Rankings in den Suchergebnissen bislang eine wichtige Rolle spielten, gewinne die Präsenz in KI-generierten Antworten, Empfehlungen und Quellenangaben an Bedeutung.

KI-Chatbots nennen bei vielen Fragen konkrete Anbieter

Für Versicherer entstehe damit ein neuer Wettbewerb um Sichtbarkeit. Anders als klassische Suchmaschinen, die zahlreiche Webseiten auflisten, würden KI-Systeme direkt formulierte Antworten liefern und dabei nur eine begrenzte Zahl von Anbietern berücksichtigen, wie auch die Studienergebnisse belegen würden.

Der Insurance AI Visibility Index zeige, dass ChatGPT in 65,4 Prozent seiner Antworten auf versicherungsbezogene Fragen mindestens einen Anbieter nenne. Bei Gemini liege der Anteil sogar bei 87,6 Prozent. „Versicherer, die in solchen Antworten nicht erscheinen, drohen bei dieser Form der Informationssuche an Sichtbarkeit zu verlieren“, heißt es.

So wurden die Daten erhoben

Für die Studie übermittelte Wavestone vom 17. bis 24. Juli 2026 mehr als 3.500 Anfragen an die KI-Chatbots ChatGPT und Gemini. Die Prompts deckten verschiedene Phasen der Kundenentscheidung ab – von allgemeinen Informationsfragen bis zu konkreten Produktempfehlungen in den Sparten Kranken-, Lebens- und Kompositversicherung.

Als zentrale Kennzahl dient die „AI Visibility“. Sie gibt an, bei welchem Anteil der untersuchten Fragestellungen ein Versicherer mindestens einmal genannt wurde. Mehrfachnennungen innerhalb einer Antwort zählen dabei nur als ein Treffer. Eine „AI Visibility“ von 25 Prozent bedeutet demnach, dass ein Versicherer bei einem Viertel der untersuchten Fragen mindestens einmal auftauchte.

Darüber hinaus analysierte Wavestone unter anderem die Häufigkeit der Nennungen, Verweise auf Versicherer-Websites, weitere genutzte Quellen und die Tonalität der Aussagen: also, ob die Versicherer positiv, negativ oder neutral erwähnt werden.

Nennungen konzentrieren sich auf wenige Anbieter

Ein Kernergebnis der Studie: Die Nennungen von Versicherern in KI-Antworten konzentrieren sich auf wenige Anbieter. Während einige Marken regelmäßig in den Antworten von ChatGPT und Gemini auftauchten, wurden viele andere nur selten oder gar nicht genannt.

Dabei beobachtet Wavestone einen Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße und der Sichtbarkeit. Große und etablierte Versicherungsmarken erreichten tendenziell höhere Werte als kleinere Wettbewerber. So entfielen 50 Prozent aller Nennungen auf nur 17 Versicherermarken.

Die Sentimentanalyse ergab zudem eine überwiegend positive Darstellung der Versicherer durch die KI-Systeme. 91 Prozent der ausgewerteten Nennungen wurden als positiv, acht Prozent als neutral und ein Prozent als negativ eingestuft.

Die Allianz dominiert

Am häufigsten tauchen in den Antworten der beiden KI-Chatbots die Allianz Versicherungen auf. Sie werden bei 46,8 Prozent der untersuchten Anfragen mindestens einmal genannt – und damit bei beinahe jeder zweiten. Eine deutliche Lücke klafft bereits zu den zweitplatzierten Huk-Coburg Versicherungen: Sie erreichen eine AI Visibility von 25,8 Prozent.

Auf Rang drei folgen die Barmeniagothaer Versicherungen mit einer „AI Visibility“ von 23,3 Prozent, gefolgt von den Ergo Versicherungen mit 20,2 Prozent und der Cosmos Versicherung AG mit 19,9 Prozent.

Die Huk24 AG wurde von den Studienautoren separat ausgewertet. Sie erreicht eine AI Visibility von 19,0 Prozent und belegt damit Rang sechs. Die öffentlichen Versicherer, darunter die Provinzial Versicherungen und die SV Sparkassenversicherungen, wurden dagegen zu einer Gruppe zusammengefasst. Diese kommt auf einen Wert von 17,3 Prozent.

Auf den Rängen acht bis zehn folgen die LVM Versicherungen, die R+V Versicherungen und die Debeka Versicherungen. Ihre Sichtbarkeit liegt zwischen 15,7 und 13,7 Prozent.

Ranking (Bild: Wenig)

Größe und Markenbekanntschaft entscheiden nicht allein

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Unternehmensgröße und Markenbekanntschaft nicht allein die Sichtbarkeit in KI-Chatbots erklären. So kämen zum Beispiel auch kleinere und spezialisierte Anbieter wie die Lebensversicherung von 1871 a.G. München oder Hannoverschen Versicherungen auf eine Sichtbarkeit von mehr als zehn Prozent.

Die Sichtbarkeit unterscheide sich zudem teils deutlich zwischen den beiden KI-Systemen. So erreiche die Allianz bei Gemini eine AI Visibility von 53,2 Prozent, bei ChatGPT dagegen nur von 40,3 Prozent. Auch bei der Huk-Coburg (30,1 gegenüber 21,4 Prozent) und der Ergo (26,0 gegenüber 14,5 Prozent) fielen die Werte bei Gemini höher aus.

„Dies unterstreicht, dass die Sichtbarkeit von Versicherungsmarken stark von den zugrunde liegenden KI-Modellen und deren Antwortlogiken abhängt und AI Visibility in einem System nicht automatisch eine hohe Präsenz in anderen generativen Suchsystemen garantiert“, heißt es hierzu in der Studie.

Häufiger Rückgriff auf externe Quellen

Bei versicherungsbezogenen Antworten greifen ChatGPT und Gemini häufig auf externe Quellen zurück. In 87,5 Prozent der untersuchten Antworten wurde mindestens eine externe Domain zitiert. Im Schnitt enthielt eine Antwort 5,51 externe Quellen.

Am häufigsten verwiesen die KI-Systeme auf das Finanz- und Verbraucherportal Finanztip.de, das in 28 Prozent der Fälle als Quelle auftauchte, gefolgt von den Webseiten der Transparent-beraten.de GmbH (19,9 Prozent), der Check24 Vergleichsportal Versicherungen AG (17,3 Prozent) und Testsieger-Berichte.de, die ebenfalls von der Transparent-beraten.de GmbH betrieben wird (16,5 Prozent).

Versichererdomains wurden dagegen nur in 41,6 Prozent der Antworten als Quelle genannt. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den KI-Systemen: Während Gemini in 66,8 Prozent seiner Antworten auf Versicherer-Websites verwies, waren es bei ChatGPT lediglich 14,1 Prozent.

Für mehr als die Hälfte der untersuchten Versicherermarken wurde die eigene Website in keiner Antwort als Quelle aufgeführt.

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