White-Label-AVD: Wie neue Anbieter auf den Markt drängen

2.11.2026 – Laut Harald Klein, Geschäftsführer bei Baloise Financial Services, dürften zukünftig auch sogenannte Non-Financial-Player „ihr Glück versuchen“. Denn mit 45 Millionen potenziellen Kunden in Deutschland sei der Einstieg über Kooperationspartner für sie attraktiv. Zusätzliche Konkurrenz drohe zukünftig beispielsweise aus den Branchen Logistik, Mobilfunk und Lebensmittelhandel. Dennoch bestehe weiterhin Bedarf an Vorsorgeberatung.

Infolge des zum Jahreswechsel in Kraft tretenden Altersvorsorgereformgesetzes (VersicherungsJournal 8.5.2026) wächst die Konkurrenz für klassische Versicherungsvermittler. Das zeigt sich bereits deutlich an den großflächigen Werbeplakaten der Neobroker (18.9.2026).

Doch es dürften zukünftig auch sogenannte Non-Financial-Player „ihr Glück versuchen“, erwartet Harald Klein (57). Er ist verantwortlich für den Maklervertrieb der Helvetia Baloise Gruppe in Deutschland und Geschäftsführer der Baloise Financial Services GmbH.

Unternehmen aus den Branchen als AVD-Anbieter

Harald Klein (Bild: Baloise Financial Services)
Harald Klein (Bild: Baloise Financial Services)

„Auch branchenfremde Unternehmen mit breitem Zugang zu Kundengruppen“ werden demnach ein Altersvorsorgedepot (AVD) anbieten. Das erklärt er in einer Folge des AVD-Podcasts, den der Versicherungsmakler Finanzklar GmbH herausgibt (VersicherungsJournal Medienspiegel 16.8.2026).

Durchaus denkbar sei, dass Unternehmen aus den Branchen Mobilfunk, Versorger, Lebensmittelhandel und Logistik über Anbieter von White-Label-Produkten auf den Markt drängen. Die letztgenannten Verwalter im Hintergrund müssen ihre Offerten lediglich vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) als Altersvorsorgevertrag zertifizieren lassen.

Konkret richtet sich beispielsweise die Oddo BHF Asset Management GmbH im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit dem B2B-Softwareanbieter Xaver Group GmbH explizit auch an Non-Financial-Unternehmen. Ziel sei, „die schnelle Einführung neuer Vorsorgeprodukte“ zu ermöglichen.

Hierzu zählen auch Brückenprodukte, die bereits heute die Anforderungen zur AVD-Kapitalanlage erfüllen und zum Jahreswechsel in das zukünftige Förderregime überführt werden (7.10.2026).

45 Millionen Menschen als potenzielle Kunden

Ähnliche Geschäftsmodelle haben in der Vergangenheit bereits Discounter-Ketten entwickelt, nennt Klein als Beispiele. Sie bieten über Kooperationspartner beispielsweise hauseigene Mobilfunktarife unter dem Namen „Aldi Talk“ oder Pauschalurlaube unter „Lidl Reisen & Experiences“ an.

„Die haben das Riesenpotenzial auch erkannt“, so Klein. Die Zielgruppe der AVD-Anbieter in Deutschland beziffert er auf knapp 45 Millionen Menschen. Denn zu möglichen Wechseln aus den knapp 15 Millionen Riester-Verträgen (7.10.2026) kämen rund 30 Millionen potenzielle Neukunden.

„Das ist eine Riesenchance für den gesamten Altersvorsorgemarkt“, sagt Klein. Die Reform des geförderten Sparens biete dem Versicherungsvertrieb zudem Cross-Selling-Potenzial. Dies reiche von der Arbeitskraftabsicherung, über die Basisrente bis zur betrieblichen Altersversorgung (bAV).

Arbeitgeber können AVD-Beiträge übernehmen

Als Alternative zur bAV können Arbeitgeber Beiträge zu einem privaten AVD-Vertrag übernehmen oder bezuschussen. Details hängen unter anderem vom Arbeits- beziehungsweise Tarifvertrag ab.

Primär an Mitarbeiter der Deutschen Telekom AG soll sich laut Medienberichten zum Beispiel ein AVD-Angebot unter dem Namen „Magenta Finance“ richten. Für die technische Abwicklung kooperiert der Konzern demnach mit dem Oddo-Kooperationspartner Xaver.

Doch: „Alleine ein günstiges Produkt zu haben, das mit hoher Zulage verbunden ist – das wird nicht reichen, denn es ist immer noch ein beratungsintensives Thema“, sagt Klein.

Premium-Lösungen mit kompetenter Beratung

Der Chef des Maklervertriebs der Helvetia Baloise schätzt, dass nur etwa 20 bis 30 Prozent der Kunden hierzulande ein günstiges Standardprodukt wählen werden. Auch ob der Staat selbst wie angekündigt als weiterer Anbieter am Markt auftreten wird (24.3.2026), sei noch völlig offen: „Soweit ich weiß, hat der Staat noch keine Lösung, zumindest nicht ab Januar.“

Die Mehrheit der Kunden werde sich für „Premium-Lösungen mit kompetenter Beratung“ entscheiden, so Klein weiter. Ganzheitliche Beratung sei bei der Altersvorsorge „das A und O“. Die Vergütungsmodelle im Vertrieb (30.10.2026) böten für jeden Vermittlertyp gute Verdienstchancen.

Die Helvetia Baloise Gruppe hat aktuell ihre langjährige Vertriebspartnerschaft mit der OVB Vermögensberatung AG ausgebaut. „Eine moderne Vorsorgelösung muss auch im Alltag überzeugen – mit einfachen digitalen Prozessen vom Abschluss bis zur Verwaltung“, erklärt Klein.

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