Wie sich Finanzberatung bei Kunden auswirkt

2.9.2026 – Für eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung wurden die Antworten von Menschen verglichen, die zu Versicherungen und Geldanlagen einen Vermittler konsultieren beziehungsweise komplett selbst entscheiden. Beraterkunden sparen demnach regelmäßiger und höhere Anteile ihres Einkommens, verfügen über mehr Finanzwissen und Rücklagen und blicken zuversichtlicher auf ihre finanzielle Zukunft.

Der Votum Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Europa e.V. hat das Positionspapier „Das Beratung-Plus – Der Wert persönlicher Finanzberatung in Zahlen“ (PDF; 374 KB) veröffentlicht. Es soll systematisch darstellen, was persönliche Finanzberatung messbar bewirkt – sowohl für den einzelnen Haushalt als auch für die Gesellschaft insgesamt.

Ausgangspunkt ist die repräsentative Sonderbefragung „Value of Advice“ (VersicherungsJournal Medienspiegel 4.8.2026). Diese hatte die Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung GmbH (Diva) im Juni mit ungefähr 2.000 Teilnehmern durchgeführt.

Deren Antworten wurden systematisch danach verglichen, ob die Privatpersonen eine Finanzberatung in Anspruch genommen haben. Die heraus gewonnenen Erkenntnisse wurden um den internationalen Forschungsstand aus mehr als zwei Jahrzehnten ergänzt, berichten die Studienautoren.

Kunden blicken zuversichtlich in die Zukunft

Demnach beginnen „Menschen mit Beratungskontakt“ in der Regel früher mit der finanziellen Vorsorge und sparen regelmäßiger und höhere Anteile ihres Einkommens. Denn sie verfügen über mehr Finanzwissen. Aufgrund ihrer Rücklagen blicken sie zuversichtlicher auf ihre finanzielle Zukunft.

Doch nur 37,5 Prozent der Befragten hatten der Diva-Umfrage zufolge in den vergangenen fünf Jahren eine persönliche Finanzberatung. 59,1 Prozent hatten hingegen keinerlei Beratungskontakt.

Von den Beratenen sagen 51,9 Prozent, dass ihnen erst durch ihren Berater deutlich gemacht wurde, wie man sinnvoll spart und fürs Alter vorsorgt. 50,4 Prozent hätten ohne Beratung ihre heutigen Verträge vermutlich nie abgeschlossen. 48,8 Prozent bestätigen, dass die Finanzberatung ihnen Ängste und Unsicherheit im Umgang mit Finanzprodukten genommen habe.

Unterschiede zu unberatenen Verbrauchern

Der Unterschied zu den Unberatenen zieht sich laut Votum „konsistent durch alle abgefragten Dimensionen – vom ersten Schritt in die Vorsorge über das laufende Sparverhalten bis zu Wissen, Krisenfestigkeit und Zuversicht“:

  • 2,1 Prozent der Beratenen (ohne Beratung: 22,5 Prozent) haben sich noch gar nicht mit Altersvorsorge oder Vermögensaufbau beschäftigt,
  • 61 Prozent der Beratenen (ohne Beratung: 41 Prozent) beginnen bereits vor dem 34. Lebensjahr mit dem Vermögensaufbau, um den Zinseszinseffekt zu nutzen,
  • 68 Prozent der Beratenen (ohne Beratung: 43 Prozent) sparen fünf Prozent oder mehr ihres Haushaltsnettoeinkommens fürs Alter,
  • 62,7 Prozent der Beratenen (ohne Beratung: 44,7 Prozent) verstehen grundsätzlich ihre Vorsorgemöglichkeiten,
  • 12,8 Prozent der Beratenen (ohne Beratung: 26,8 Prozent) könnten bei einem plötzlichen Einkommensausfall weniger als einen Monat aus Rücklagen bestreiten,
  • 50,2 Prozent der Beratenen (ohne Beratung: 32,4 Prozent) empfinden ihre finanzielle Zukunft als planbar und
  • 40,3 Prozent der Beratenen (ohne Beratung: 30,0 Prozent) vertrauen darauf, ihren Lebensstandard im Alter zumindest teilweise halten zu können.

Debatte dreht sich vorwiegend um Kosten

Martin Klein (Bild: Votum)
Martin Klein (Bild: Votum)

Aus Votum-Sicht summiert sich der individuelle Nutzen zu einem gesamtgesellschaftlichen. Denn jeder Haushalt, der frühzeitig und ausreichend privat vorsorgt, reduziert das Risiko späterer Altersarmut und damit künftige Lasten für Grundsicherung und Steuerzahler. Haushalte mit Rücklagen geraten seltener in Abwärtsspiralen. Darüber hinaus sei die Beratung gelebte Finanzbildung.

Doch: „Die Debatte über Finanzberatung dreht sich seit Jahren fast ausschließlich um Kosten. Was Beratung tatsächlich leistet, verliert die Politik nur zu gern aus dem Blick“, kritisiert Martin Klein, geschäftsführender Vorstand des Vermittlerverbandes.

„Die Zahlen zeigen einen klaren Zusammenhang: Beratung ist ein notwendiges Plus, das bei jeder Reform mitgedacht werden sollte.“ Sie sei damit „der wirksamste Zugangsweg zu privater Vorsorge“.

„Wer dies durch Vergütungseingriffe, wachsende Bürokratie oder beratungsfreie Standardmodelle verengt, trifft genau die Menschen, die Beratung am dringendsten brauchen“, so Klein weiter.

Persönliche Versorgungslücken schließen

Die häufigsten Beratungsthemen (Bild: Hilmes)

Beraten wurden die Teilnehmer der Diva-Umfrage zu Themen wie Geldanlage, Altersvorsorge, Versicherungen, Schulden und Umschuldung, Immobilien- und Baufinanzierung sowie zur Absicherung bei Berufsunfähigkeit, Krankheit oder Pflege. „Kein digitales Einzelprodukt und keine isolierte Abschlussstrecke können diese Wechselwirkungen erfassen“, mahnt Klein.

Besondere Relevanz gewinne das Thema Finanzberatung durch die anstehende Rentenreform (24.6.2026). „Der Aufbau einer gesetzlichen Kapitalrente darf nicht den Eindruck erwecken, individuelle Vorsorge sei damit erledigt: Eine kapitalgedeckte Komponente von zwei Prozent schließt die persönliche Versorgungslücke nicht.“ Sie solle im Beratungsgespräch angegangen werden.

Als seine zentralen Forderungen an die Politik nennt der Votum-Vorstand:

  • Keine neuen Hemmnisse durch Eingriffe in die Vergütungsvielfalt oder zusätzliche Bürokratielasten,
  • die Anerkennung der ganzheitlichen 360-Grad-Beratung als Leitbild des Ordnungsrahmens,
  • die strukturelle Verankerung qualifizierter Beratung in der Umsetzung der Rentenreform,
  • eine reale Ausgestaltung der Wahlfreiheit zwischen staatlichen und privaten Vorsorgelösungen,
  • eine ehrliche politische Kommunikation, die der Entstehung von Scheinsicherheit entgegenwirkt und
  • die Anerkennung persönlicher Beratung als zentraler Wirkkanal in den Finanzbildungsstrategien.
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