22.6.2026 – Laut einer Umfrage der Gewerkschaft Verdi nutzen bei großen Versicherern bereits 75 Prozent der Beschäftigten KI oder KI-basierte Anwendungen bei ihrer täglichen Arbeit. Jeweils rund 50 Prozent gaben an, dass die Arbeitsmenge und die Arbeitsintensität unverändert geblieben seien. Wichtigster Punkt für die Befragten: Sicherung der Arbeitsplätze. 60 Prozent der Befragten fordern klare Regeln für den KI-Einsatz. So möchten Dreiviertel sicherstellen, dass KI menschliche Entscheidungen unterstützt, aber nicht ersetzt.
Welche Erfahrungen, Erwartungen und Ängste verbinden Mitarbeitende der großen deutschen Versicherer mit künstlicher Intelligenz (KI)? Die Ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft hat dazu über 8.000 Beschäftigte befragt, auch Nicht-Gewerkschaftsmitglieder. Danach nutzen bereits 75 Prozent KI oder KI-basierte Anwendungen bei ihrer täglichen Arbeit.
KI hat Potenzial, um die Arbeitsbelastung abzubauen
Besonders Jüngere und sehr gut Verdienende setzen KI überdurchschnittlich oft ein. Im Arbeitsalltag wirkt sich dies allerdings bei den wenigsten positiv aus. Jeweils rund 50 Prozent gaben an, dass die Arbeitsmenge und die Arbeitsintensität unverändert geblieben seien. Für 30 beziehungsweise 40 Prozent hat beides zugenommen.
„Die Beschäftigten sind dabei alles andere als technologiefeindlich“, sagte Deniz Kuyubasi, Bundesfachgruppenleiterin Versicherungen. Im Gegenteil: 40 Prozent der Befragten sehen in verbesserten digitalen sowie KI-Tools das Potenzial zur Entlastung ihrer Arbeitsprozesse.
Noch mehr (62 Prozent) wünschen sich mehr Personal, um Mehrarbeit und Überlastung abzubauen. Denn: Rund 60 Prozent arbeiten häufig länger als die vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit. Knapp 50 Prozent fühlen sich oft gehetzt oder unter Zeitdruck gesetzt. Fast 70 Prozent empfinden ihre Arbeitsbelastung als hoch oder sogar sehr hoch.
Tarifvertrag „Zur Transformation in der Versicherungsbranche“ wird verhandelt
Aktuell laufen Verhandlungen zwischen Ver.di und dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV) für einen Transformationsrahmentarifvertrag, der die wesentlichen Aspekte für KI-Systeme, Digitalisierung und Automatisierung regeln soll (VersicherungsJournal 30.3.2026).
Weiterer Verhandlungspartner des AGV ist der Deutsche Bankangestellten-Verband e.V. (DBV) – Gewerkschaft der Finanzdienstleister (14.4.2026).
Wichtigster Punkt für die von Ver.di Befragten: Sicherung der Arbeitsplätze (77 Prozent). Jeder Zweite geht zwar davon aus, dass sich an der Arbeitsplatzsicherheit durch KI nichts verändert. Doch 43 Prozent fühlen sich gefährdet. Dabei werden die Risiken umso höher eingeschätzt, je niedriger das Einkommen ist.
Regelungen für den Einsatz von KI gefordert

- Deniz Kuyubasi (Bild: Verdi)
60 Prozent der Befragten fordern klare Regeln für den KI-Einsatz. So möchten Dreiviertel sicherstellen, dass KI menschliche Entscheidungen unterstützt, aber nicht ersetzt. 71 Prozent sind Regelungen zur Begrenzung von Leistungs- und Verhaltenskontrollen durch KI sehr wichtig.
Job- und Standortsicherung, Recht auf Qualifizierung, gerade für ältere Beschäftigte, aber auch Mitbestimmung und der Ausschluss von Leistungs- und Verhaltenskontrolle sind die Forderungen der Dienstleistungsgewerkschaft.
Dazu Deniz Kuyubasi: „Wir wollen, dass vor der Einführung von KI-Systemen die Auswirkungen auf Beschäftigung, Qualifikation und Arbeitsbedingungen transparent bewertet werden – damit es wirklich zu Entlastungen und Verbesserungen für die Beschäftigten kommt. Und nicht einfach nur zu Technik-Chaos und Arbeitsverdichtung.“
KI-Erfahrungen und Erwartungen der Beschäftigten
Bei der Befragung wurden die Teilnehmer auch gebeten, frei ihre Erfahrungen und Erwartungen zu formulieren. Hier einige Stimmen, die typisch sein dürften:
Befragter 397: „KI erst einführen, wenn sie tatsächlich eine Entlastung darstellt. Im Moment wird alles eingeführt und als Sachbearbeiter soll man dann noch die KI kontrollieren und an vielen Stellen auch berichtigen. Das führt eher zu mehr Arbeitsschritten anstatt zur Entlastung.“
Befragter 4.405: „Es braucht Schulungen und einen sinnvollen Einsatz von KI-Tools.“
Befragter 4.039: „KI ist nicht schlecht, schlecht ist nur, dass Arbeitgeber denken, dass KI allein läuft und Menschen ersetzen kann.“




