Vermittler machen Druck auf Politik und Versicherer

24.9.2026 – Bei ihrem Spitzentreffen in Bonn haben die Lobbygruppen von Versicherungsmaklern und -vertretern eine Erklärung mit dem Titel „Die Altersvorsorge-Revolution – der Vertrieb im Fokus einer regulatorischen Zeitenwende?“ beschlossen. Demnach muss auch der Vertrieb gestärkt werden, um die finanziellen Polster für den Ruhestand der Menschen hierzulande zu fördern. Neben dem Gesetzgeber ist hierbei auch die Assekuranz gefragt.

Das Präsidium des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK), die Vorsitzenden der Vertretervereinigungen und die Vorstände des Arbeitskreises Vertretervereinigungen der Deutschen Assekuranz e.V. (AVV) haben eine gemeinsame Petition verabschiedet.

Demnach unterstützen die Organisationen, die nach eigenen Angaben rund 40.000 Versicherungsvermittler in Deutschland repräsentieren, grundsätzlich die Ziele der Bundesregierung bei der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (VersicherungsJournal 8.5.2026). Hiermit soll die bisherige Riester-Rente einen leistungsfähigeren Nachfolger erhalten, bei dem die Sparbeiträge der Kunden kapitalmarktorientierter angelegt werden können.

Positiv sehen die Vermittler beispielsweise „flexible Auszahlungsoptionen“, die zukünftig nur noch bis zum 85. Lebensjahr laufen müssen (8.12.2025). Mit Blick auf das Langlebigkeitsrisiko (17.2.2026) werben sie allerdings für „hybride Modelle, die die Vorteile kapitalmarktbasierter Auszahlungsformen mit der Sicherheit lebenslanger Rentenzahlungen verbinden“.

Frühstartrente und Kostengrenze korrigieren

Zudem dürfe die Altersvorsorgereform nicht „zu einem reinen Kosten- und Standardisierungsprogramm werden“, warnen sie. Insbesondere stößt bei ihnen auf Ablehnung, dass „Beratungspflichten beim Vertrieb zur Disposition gestellt werden“ könnten.

„Im Sinne des Verbraucherschutzes fordert daher die deutsche Vermittlerschaft, dass es keinen Vertrieb ohne Beratung geben darf“, heißt es hierzu von den Organisationen.

Kritisch sehen sie daher das Standardprodukt ohne Beratungspflicht bei der Frühstartrente für Sechs- bis 18-Jährige ab dem Geburtsjahrgang 2020 (15.9.2026). „Wer junge Menschen dauerhaft für Altersvorsorge und Kapitalmarkt begeistern will, darf qualifizierte Beratung nicht geringschätzen.“

„Direkter Angriff auf den Versicherungsvertrieb“

Darüber hinaus gefährden auch starre Kostenobergrenzen nach Ansicht der Unterzeichner „die Vielfalt im Markt“, wodurch ebenfalls eine „Standardisierung der Vorsorge zulasten der Verbraucher“ drohe (20.2.2026). „Die geplante Abschaffung der Zillmerung ignoriert, dass gerade am Anfang einer Vertragsbeziehung der Beratungsaufwand am höchsten ist und deshalb vergütet werden sollte.“

Gruppenbild des Bonner Spitzentreffens (Bild: BVK)
Gruppenbild des Bonner Spitzentreffens. Zum Vergrößern Bild klicken. (Bild: BVK)

An die Versicherer appellieren die Vermittlerorganisationen hingegen, „partnerschaftlich und fair mit dem Versicherungsvertrieb bei der Altersvorsorgereform zu kooperieren“. Forderungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zur Abschaffung von Beratungspflichten (5.2.2026) seien dagegen ein „direkter Angriff auf den Versicherungsvertrieb“.

Stattdessen kann ein erfolgreicher Start des lange erwarteten Riester-Nachfolgers (17.12.2025) nach Angaben der Unterzeichner „nur gelingen, wenn Produktinnovationen, Verbraucherschutz und qualifizierte Beratung gleichermaßen berücksichtigt werden“.

Komplexität von Kapitalmarkt und Fördersystemen

Laut der sogenannten Bonner Erklärung „Die Altersvorsorge-Revolution – der Vertrieb im Fokus einer regulatorischen Zeitenwende?“ könnten die ab 2027 ebenfalls förderfähigen Altersvorsorgedepots (8.5.2026) zwar „dazu beitragen, jüngere Zielgruppen stärker für die Altersvorsorge zu gewinnen“.

„Wer jedoch mehr Eigenverantwortung verlangt, muss gleichzeitig für mehr Orientierung sorgen“, geben die Teilnehmer des Bonner Spitzentreffens zu bedenken. „Die Komplexität von Kapitalmarktprodukten und Fördersystematiken macht eine qualifizierte Beratung wichtiger denn je.“

Bei aller Euphorie über die gesteigerten Renditechancen der Börsen werde oft „übersehen, dass die Deutschen per se eher konservative Anleger sind“, stellen sie fest. Weil vielen Verbrauchern zudem Finanzbildung fehlt, müsse man sie insbesondere zu dem optionalen Verzicht auf Garantien aufklären.

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